Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im August 2010 (1)

(PresseBox) (Berlin, ) Die wirtschaftliche Erholung kam im zweiten Halbjahr einen großen Schritt voran. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich im zweiten Quartal preis-, kalender- und saisonbereinigt (2) gegenüber dem Vorquartal um 2,2 % (3). Dies bedeutet das höchste Quartalswachstum nach der Wiedervereinigung. Zudem wurden die Ergebnisse für das erste Quartal merklich nach oben korrigiert.

Das BIP erhöhte sich um 0,5 % statt um 0,2 %. Gegenüber dem Vorjahr nahm das BIP im zweiten Quartal preisbereinigt um 4,1 % und zusätzlich kalenderbereinigt um 3,7 % zu. Fünf Quartale nach Ende der Rezession wurden bei saisonbereinigter Betrachtung bereits wieder rund 60 % des krisenbedingten Rückgangs der Wirtschaftsleistung aufgeholt. Die Prognosen für das Gesamtjahr dürften nun kräftig nach oben korrigiert werden.

Getragen wurde die ungewöhnlich positive Entwicklung durch kräftige außenwirtschaftliche Impulse, durch Nachholeffekte sowie durch zunehmende Auftriebskräfte der Binnenwirtschaft. Diese Einflüsse fielen stärker aus, als vielfach erwartet wurde. Die rege ausländische Nachfrage schob die Investitionstätigkeit an, die positive Beschäftigungsentwicklung sowie die konjunkturellen Entlastungsmaßnahmen gaben den privaten Konsumausgaben Impulse. Insgesamt verbreiterte sich die Basis der Auftriebskräfte, und die Erholung gewann an Eigendynamik.

Die Weichen für die kommenden Monate sind weiter auf Expansion gestellt. Die Stimmung in der Wirtschaft, sowohl im gewerblichen Bereich als auch bei den Dienstleistern, ist zuversichtlich, die Auftragsbestände in der Industrie nehmen zu.

Deutschland als eine der führenden Exportnationen bleibt aber auch bei stärkerem binnenwirtschaftlichen Wachstum immer unter dem Einfluss der Weltkonjunktur.

Kräftige außenwirtschaftliche Impulse, die Belebung der Investitionstätigkeit im Inland sowie Nachholeffekte sorgten im zweiten Quartal für eine weitere kräftige Erholung im Produzierenden Gewerbe. Trotz leichter Abschwächung im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,6 % (4) wurde die Produktion im zweiten Quartal außerordentlich deutlich um 5,4 % ausgeweitet.
Eine beschleunigte Investitionstätigkeit und ein weiter stark expandierendes Auslandsgeschäft sorgten bei Abschwächung im Juni um 0,9 % für eine kräftige Zunahme der Industrieproduktion im zweiten Quartal um 5,2 %.

Die Bestelltätigkeit in der Industrie aus dem In- und insbesondere aus dem Ausland ist derzeit ausgesprochen lebhaft. Die Auftragseingänge nahmen im Juni um 3,2 % und im gesamten zweiten Quartal um 7,7 % zu. Auch das ifo-Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe hellte sich zuletzt noch einmal sehr deutlich auf. Die Perspektiven für die kommenden Monate bleiben daher recht günstig.

Die Erzeugung im Bauhauptgewerbe lag im zweiten Quartal vor allem aufgrund von Nachholeffekten um 16,1 % über dem Produktionsniveau des ersten Quartals. Der öffentliche Bau erhält weiterhin Impulse aus den Konjunkturprogrammen, der Wohnungsbau profitiert von den niedrigen Zinsen und der gewerbliche Bau wird durch die günstiger als erwartete allgemeine konjunkturelle Entwicklung angeregt.

Die privaten Konsumausgaben dürften im zweiten Quartal nach schwacher Entwicklung in den drei Vorquartalen wieder etwas zugelegt haben. Die Einzelhandelsumsätze - ohne Handel mit Kfz - gingen im Juni vorläufigen Angaben zufolge zwar um 0,9 % zurück, erhöhten sich aber im zweiten Quartal insgesamt leicht um 0,3 %. Die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich ebenso wie das ruhige Preisklima sowie die Entlastungsmaßnahmen für die privaten Haushalte, die Anfang des Jahres in Kraft traten, positiv auf die verfügbaren Einkommen auswirken. Die privaten Konsumausgaben sollten deshalb im Verlauf des Jahres weiter zunehmen und zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen.

Der Außenhandel bleibt ein entscheidender Wachstumsträger. Er setzte seine Erholung im dritten Quartal beschleunigt fort und erreichte bereits zur Jahresmitte sowohl bei den Importen als auch den Exporten wieder die Vorkrisenniveaus. Die Ausfuhren in jeweiligen Preisen stiegen im Juni um 3,8 % und im gesamten zweiten Quartal um 9,4 % an. Die Einfuhren erhöhten sich um 1,9 % bzw. 10,5 %. Ihr starker Aufwuchs ist dabei auch Resultat der zunehmenden binnenwirtschaftlichen Belebung. Angesichts der anhaltenden, wenngleich sich etwas abschwächenden Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft dürften vom Außenhandel auch in den kommenden Monaten spürbare Impulse ausgehen.

Der Arbeitsmarkt erholt sich weiter, die wirtschaftliche Erholung zeigt Wirkung. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Monate setzte sich im Juni mit einer Zunahme der Erwerbstätigkeit um saisonbereinigt 25.000 Personen fort. Getragen wird diese Entwicklung durch den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die sich im Mai saisonbereinigt um 51.000 Personen erhöhte. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel im Juli saisonbereinigt mit 20.000 Personen etwas weniger deutlich aus als in den Frühjahrsmonaten. Insgesamt waren im Juli 3,192 Mio. Arbeitslose registriert, 271.000 weniger als vor einem Jahr. Die Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt weiter zu und die Frühindikatoren signalisieren einen weiteren Stellenaufbau.

Das Preisklima ist insgesamt weiterhin ruhig. Zwar kam es auf den vorgelagerten Preisstufen, insbesondere bei den Einfuhrpreisen, durch die anhaltende Verteuerung von Industrierohstoffen und Energie zu teilweise deutlichen Preisschüben. Auf der Verbraucherstufe schlägt sich dies aber nur sehr begrenzt nieder.

Die Verbraucherpreise blieben saisonbereinigt von Juni auf Juli unverändert. Binnen Jahresfrist erhöhten sie sich um 1,2 %, nach +0,9 % im Vormonat. Die Kerninflationsrate lag im Juli bei 0,6 %.

Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der September- Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird in der 34. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

(1) In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 16. August 2010 vorlagen.
(2) Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census-X-12-ARIMA.
(3) Ausführlichen Ergebnisse zum zweiten Quartal werden vom Statistischen Bundesamt am 24. August veröffentlicht.
(4) Vergleiche gegenüber Vorperioden basieren, soweit nicht anders vermerkt, auf preis-, kalender- und saisonbereinigten Angaben.

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