Handwerk hofft auf Konjunkturerholung

Traublinger: „Stimmung gut, Aufschwung kein Selbstläufer“

(PresseBox) (München, ) „Trotzt gestiegener Erwartungen wissen unsere Betriebe auch, dass der Aufschwung kein Selbstläufer wird. Von dem prognostizierten Anspringen des Exports profitiert das Handwerk nämlich nur ganz am Rande. Was wir brauchen, ist mehr privater Konsum“, betonte Heinrich Traublinger,
MdL a. D., Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT) bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen in München.

Im 1. Quartal 2010 gaben 69 Prozent der Handwerksunternehmer in Bayern ihrer aktuellen Geschäftslage die Note „gut“ oder „befriedigend“. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Index damit um fünf Punkte. Die Auslastung der Betriebe verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Punkte auf 69 Prozent. Zu Beginn des Jahres verfügten die Betriebe über Auftragsbestände von 5,5 Wochen. Damit bewegt man sich leicht über dem Niveau des Vorjahres (plus 0,3 Wochen). Nach einer ersten groben Schätzung setzte das bayerische Handwerk im 1. Quartal dieses Jahres 17,2 Mrd. Euro und damit zwei Prozent weniger um als noch vor einem Jahr. Insgesamt beschäftigte das Handwerk in Bayern Ende März 2010 rund 830.000 Menschen – 1,5 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Die Zahl der Handwerksunternehmen kletterte in den ersten drei Monaten 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf rund 189.000. Der Mut zu Investitionen kehrt allmählich zurück: im 1. Quartal 2010 wurden ca. 510 Mio. Euro für neue Anlagen und Ausrüstungsgüter ausgegeben. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Zuwachs von zwei Prozent. Zudem stieg die Zahl der investierenden Betriebe in den ersten drei Monaten 2010 gegenüber dem Vorjahr um fünf Punkte auf 29 Prozent.

Für die kommenden Monate erwarten 78 Prozent der Handwerker in Bayern gute oder befriedigende Geschäfte. Gegenüber dem 1. Quartal 2009 ist das ein deutliches Plus von elf Punkten. Der Optimismus zieht sich quer durch alle Branchen. Das bedeutet, dass sich die Zuversicht nicht mehr nur aus den staatlichen Konjunkturprogrammen nährt. Der Arbeitsmarkt im Handwerk profitiert jedoch so gut wie gar nicht vom einsetzenden Aufschwung: lediglich das Bauhauptgewerbe dürfte in größerer Zahl Fachkräfte einstellen. „Für das Gesamtjahr 2010 rechnen wir für das Handwerk in Bayern bei der Zahl der Betriebe mit einem deutlichen Plus von drei Prozent. Die Beschäftigtenzahl dürfte mit minus einem Prozent leicht abnehmen. Bei den Umsätzen erwarten wir dagegen einen Zuwachs von ca. einem Prozent“, erklärte Traublinger.

Von der Politik forderte der BHT-Präsident einen festen Steuerfahrplan für die nächsten Jahre: „Wir wissen, dass man angesichts der unwägbaren Haushaltslage schrittweise und mit Augenmaß vorgehen muss. Andererseits wollen unsere Handwerksbetriebe endlich Klarheit über die steuerlichen Be- oder Entlastungen. Dies ist notwendig für die finanzielle Planungssicherheit.“ Die vorgesehene schrittweise Beseitigung von „Mittelstandsbauch“ und „kalter Progression“ sowie die Entbürokratisierung des Steuerverfahrensrechts stimmten mit langjährigen Forderungen des Handwerks überein und seien deshalb wichtige Schritte in die richtige Richtung, fuhr Traublinger fort. Weiter forderte er die Anhebung des Steuerbonus für Handwerksleistungen auf 4.000 Euro. Dies würde doppelt positiv wirken, da einerseits die Nachfrage nach Handwerkerleistungen angeregt, andererseits die Schwarzarbeit wirkungsvoll bekämpft werde. Außerdem verwies der BHT-Präsident auf die Nachwuchskampagne Macher gesucht! des bayerischen Handwerks. Bis zum 31. Mai 2010 können sich Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren auf der Internetseite www.lehrlinge-fuer-bayern.de für die bayernweiten Castings anmelden und über die Karrierechancen im Handwerk informieren.

Zum Kabinettsbeschluss zur Mittelschule erklärte Traublinger: „Das Kabinett schafft mit der vorgesehenen Gesetzesänderung die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung der Mittelschule. Wir unterstützen die vorgesehenen Änderungen, da zentrale Forderungen des bayerischen Handwerks aufgegriffen werden. Hierzu gehören insbesondere das Bekenntnis zum Erhalt einer eigenständigen Schulart Haupt- bzw. Mittelschule sowie die Ausrichtung der Mittelschule als stark berufsorientierende Schule.“

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