"Weniger Rettungsschirme - mehr Konjunkturraketen"

Prof. Anton Kathrein, Vorsitzender der ZVEI-Landesstelle Bayern

(PresseBox) (München, ) "Wir werden uns auch in den Krisenzeiten den zentralen Zukunftsthemen unserer Branche annehmen, denn wir können und wollen unternehmerisch tätig sein", erklärt Professor Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein, Vorsitzender der ZVEI-Landesstelle Bayern und ZVEI-Vizepräsident auf der Jahrespressekonferenz der Landesstelle in München zur aktuellen Lage der Elektrotechnik und Elektronikindustrie. Kathrein mahnt: "Wir sind dagegen, dass der Staat mit operativer Steuerung von Einzelvorgängen in die Marktprozesse eingreift. Wir brauchen also weniger marktverzerrende Rettungsschirme sondern mehr Konjunkturraketen, wie Investitionszulagen und Sonderabschreibungen, die einen Schub nach oben bringen und ein wirtschaftliches Feuerwerk entfachen!"

Kathrein bringt als Mittelstandsvertreter insbesondere zum Ausdruck, dass das staatliche Engagement Grenzen haben muss, aus finanziellen, wie aus grundsätzlichen Erwägungen. Er fährt fort: "Sinnlos heraus geworfene Steuergelder helfen dem Mittelstand nicht!"

Auf der Grundlage einer aktuellen Verbandsumfrage zur wirtschaftlichen Lage bei den bayerischen ZVEI-Mitgliedsfirmen gibt Kathrein zu, dass, so wörtlich, "wir nicht wissen, wo wir Ende des Jahres 2009 stehen werden".

Die Umfrage des Verbandes zeige ein eindeutiges Bild und stehe im völligen Gegensatz zu der Umfrage vor einem Jahr. 2008 haben 90 Prozent der Mitgliedsfirmen die Entwicklung gegenüber dem Jahr 2007 als besser oder gleich beurteilt. Nun beurteilen weit über 90 Prozent sowohl die Ertragsentwicklung, die Auftragsentwicklung, Produktion und den Umsatz als schlechter, beziehungsweise fallend.

Eine solche gravierende Umkehr der Einschätzungen innerhalb eines Jahres, habe es bei einer Verbandsumfrage, die der ZVEI seit 50 Jahren durchführt, nicht gegeben, so Kathrein.

Die gute Botschaft sei, dass Personalabbau bei fast allen Unternehmen aktuell nicht zur Diskussion stehe, beziehungsweise alles getan werde, dies zu vermeiden. Kurzarbeit, Abbau von Überstunden, Arbeitszeitkonten, Einstellungsstopp, Abbau von Leiharbeit würden jetzt genutzt. So sei es nicht verwunderlich, dass in der Verbandsumfrage 70 Prozent der bayerischen Mitgliedsfirmen die Zahl ihrer Mitarbeiter im Vergleich zu 2008 gleich hoch halten wolle und dass 84 Prozent die Zahl der Auszubildenden ebenfalls gegenüber dem Vorjahr konstant halten wolle.

Aber Kathrein schränkt ein, das man nicht verkennen dürfe, dass dies eine Momentaufnahme sei. Die Labilität dieser Prognose werde darin deutlich, dass ein Viertel der Firmen die Zahl der Mitarbeiter reduzieren wolle. Im Vorjahr erwarteten dies nur acht Prozent.

Kathrein prognostiziert, dass das Jahr 2009 ein Jahr der Konsolidierung und Restrukturierung, ein Jahr der Bewährung werde, damit 2010 eine Trendwende möglich sei. Allerdings könne man erst 2011 an die Erfolge aus dem Jahr 2007 anknüpfen, wagt Kathrein zu behaupten.

Aber, so Kathrein, er wolle realistisch sein und lieber auf einen soliden Aufschwung hoffen. Es helfe nicht, auf mögliche Strohfeuereffekte in diesem Jahr zu setzen, notwendig sei eine grundsätzliche Strukturbereinigung, insbesondere im Finanz- und Industriebereich, aber auch im gesamten staatlichen Bereich.

Nach diesen Kassandrarufen erklärt Kathrein aber auch sehr selbstbewusst, dass der ZVEI und seine Mitgliedsfirmen weiterhin die Weichen für Wachstum, Innovation und die künftige globale Wettbewerbfähigkeit stellen. So sei die Ressourcenschonung und der Klimaschutz nach wie vor ein wichtiges Thema und die ambitionierten Klimaziele der Bundesrepublik gelten trotz Krise nach wie vor. Deshalb habe der ZVEI nach der Entscheidung im Bundesrat für das Konjunkturpaket II, die Staatsminister Martin Zeil, Georg Fahrenschon, Dr. Markus Söder, Joachim Herrmann und Dr. Wolfgang Heubisch sowie die kommunalen Spitzenverbände schriftlich aufgefordert, dass nun eine zügige Umsetzung öffentlicher Investitionen in Energie-Effizienz notwendig sei.

Es sei in der Verantwortung der Länder, dafür Sorge zu tragen, so Kathrein, dass bei der Umsetzung des Konjunkturprogramms tatsächlich sofort und mutig in Technik investiert werde. Mit Investitionen in Energie-Effizienz-Technolgien bekomme die Wirtschaft einen starken Impuls, und die öffentlichen Haushalte würden zugleich nachhaltig entlastet. Und diese Entlastung seien keine "peanuts", betont Kathrein, da sich beispielsweise durch den Austausch der zum Teil 40 Jahre alten Beleuchtungssysteme von Straßen, Büro- und Schulgebäuden durch hocheffiziente Beleuchtungstechnologien die jährlichen Kosten der Kommunen in Deutschland um ca. 900 Millionen Euro reduzieren lasse.

Damit würden die Haushalte von Städten und Gemeinden durch verminderte Betriebskosten entlastet, und darüber hinaus würde ein Beitrag zu einem wirksamen Schutz des Klimas geleistet, da umgerechnet 1,6 Mio. Tonnen CO2-Emissionen vermieden würden.

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