Elektroindustrie legt moderat zu

ZVEI: Koalitionsvereinbarung mit Licht und Schatten

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) Die deutsche Elektroindustrie steigert ihre Umsätze in diesem Jahr um knapp 1,5 Prozent auf 165 Mrd. Euro. Damit konnte die im Sommer veröffentlichte Umsatzprognose des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. nur unwesentlich übertroffen werden. „Nach wie vor leidet unsere Branche unter dem schwachen Inlandsgeschäft“, bilanzierte ZVEI-Haupt¬geschäftsführer Gotthard Graß anlässlich der Herbst¬pressekonferenz seines Verbandes. Getragen werde das moderate Wachstum der zweitgrößten deutschen Industriebranche ausschließlich vom Export, der bis Ende September um gut fünf Prozent auf rund 100 Mrd. Euro zulegte. Das Inlandsgeschäft hinke dem Weltmarkt deutlich hinterher, der in diesem Jahr um fünf bis sechs Prozent auf ein Umsatzvolumen von 2.600 Mrd. Euro zulege.

Das Gesamtvolumen des deutschen Elektro-Marktes liegt noch immer deutlich unter dem Niveau des Jahres 2000. Rühmliche Ausnahme sei in diesem Jahr lediglich das Geschäft mit Unterhaltungselektronik. Flachbildschirme, Digitalkameras, Festplattenrecorder, Set-Top-Boxen für digitales Fernsehen oder MP3-Spieler seien beim Verbraucher begehrt. „Mit diesen innovativen Produkten konnten unsere Unternehmen zum Teil hohe zweistellige Zuwachsraten erzielen“, berichtete Graß. Im Schnitt erwartet der ZVEI in diesem Bereich ein Umsatzplus von über zehn Prozent. Die Fußball-WM, der weitere Ausbau des digitalen terrestrischen Fernsehens DVB-T, die Fortschritte bei der digitalen Breitbandverkabelung und der Start des hoch¬auflösenden Fernsehens HDTV lasse diese Hersteller mit Zuversicht auf das kommende Jahr blicken.

Vorsichtiger Optimismus: 2006 legt Umsatz um zwei Prozent zu

Für die gesamte Elektroindustrie werde sich die Lage hingegen auch im kommenden Jahr nicht sonderlich verbessern. Zwar stehe der Weltmarkt weiterhin „unter Strom“ und der Export werde auch in 2006 tragende Säule sein, doch stagniere der private Verbrauch unverändert. Immerhin zeichne sich eine moderate Belebung bei den Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland ab. „Wir gehen im kommenden Jahr von einem gut zweiprozentigen Umsatzwachstum aus“, prognostizierte der ZVEI-Hauptgeschäftführer.

Diese etwas günstigeren Wachstumserwartungen würden von den Auftragseingangszahlen gestützt, die bis September um fast drei Prozent zulegten. Besonders kräftig haben sich dem ZVEI zufolge die Bestellungen aus dem Ausland um sechs Prozent erhöht. Aus dem Inland dagegen stagnierten sie auf Vorjahresniveau, das dritte Quartal habe eine Zunahme um zwei Prozent gebracht. Ein weiteres positives Signal sende der ifo-Geschäftsklimaindex, der im Oktober den höchsten Wert seit Dezember 2000 erzielte. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind auf einem neuen Jahreshoch. Neun von zehn Unternehmen rechneten insbesondere mit gleichbleibenden oder besseren Exportmöglichkeiten in den nächsten Monaten.

Erstmals sank die Zahl der Beschäftigten unter 800.000. Allerdings spielten die industrie- und technologienahen Dienstleistungen in der Branche, die nicht zum produzierenden Gewerbe gehören, eine zunehmend wichtige Rolle. ZVEI-Schätzungen zufolge arbeiten in diesen Bereichen weitere 160.000 Menschen für die Branche. „Ob die im dritten Quartal dieses Jahres erkennbare Bodenbildung anhält“, so Graß, „hängt sicher auch vom Verlauf der Tarifrunde 2006 und der Entwicklung der Investitionen ab.“

Mit hohen Investitionen in Ausrüstungen sowie in Forschung und Bildung habe die Elektroindustrie auch in diesem Jahr ihren Beitrag zur Zukunftssicherung geleistet. Die Bruttoanlageinvestitionen seien um fast neun Prozent auf sechs Mrd. Euro geklettert. Hinzu kämen etwa elf Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung. Zusammen mit den Investitionen in Aus- und Weiterbildung bedeute dies eine Investition pro Arbeitsplatz von 20.000 Euro Jahr für Jahr.

Mehr Mut von Großer Koalition erwartet

„Die Elektroindustrie leistet also konsequent ihren Beitrag“, so Graß, „von der Großen Koalition hätten wir ebenfalls mutigere Schritte erwartet.“ Die Koalitionsvereinbarung bringe Licht und Schatten. Im Arbeitsmarkt sei der Verzicht auf eine Öffnung des Tarifrechts für betriebliche Bündnisse ein schwerwiegender Mangel. Denn heute seien bereits 60 Prozent aller Beschäftigten und deutlich mehr als zwei Drittel aller Industrieunternehmen der Branche nicht mehr an den Flächentarifvertrag gebunden. Bei der Reform der sozialen Sicherungs¬systeme habe sich der ZVEI größere Fortschritte erhofft.

Die vorgesehene Stärkung von Innovationen und Technologie¬anwendungen findet hingegen die Zustimmung des ZVEI. Projekte wie Galileo, die Entwicklung von Null-Emission-Kraftwerken, die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die Weiterentwicklung der Brennstoffzellentechnologie und der Ausbau der Bahnschnellstrecken mit mindestens einer Transrapid-Referenzstrecke könnten die notwendigen Wachstumsimpulse setzen. Positiv sieht der Verband auch das klare Bekenntnis zu mehr Innovation und Wettbewerb im Energiesektor. Dass die Große Koalition auch im Hochschulbereich verstärkt auf Autonomie und Wettbewerb sowie auf Projektförderung setzen und zugleich die Ressortforschungseinrichtungen des Bundes überprüfen will, sei ebenfalls zu begrüßen.

Im steuerlichen Bereich sei man deutlich hinter der Vereinbarung des Jobgipfels zurückgeblieben. Die dreiprozentige Erhöhung der Mehrwertsteuer wirke für die konsumnahen Bereiche wie „eine Drosselung der Sauerstoffzufuhr“. „Uns ist nicht daran gelegen, den Aufbruch zu konterkarieren und möglichen Chancen im Wege zu stehen“, so Graß. Selbst wenn es die Frage sei, ob die nun verabredete Therapie ausreiche, müsse man alles versuchen, um die Situation im Inlandsmarkt und damit auch für eine Schlüsselbranche wie die Elektroindustrie zu verbessern.

Dabei gehe es der Branche nicht darum, nur über die schwierigen Rahmenbedingungen zu klagen. Vielmehr will sie mit zahlreichen eigenen Initiativen ganz konkrete Wege zu mehr Wachstums-, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit aufzeigen. Das Spektrum der ZVEI-Initiativen reiche von der Deutschen Telematikinitiative über die private Finanzierung von Infrastrukturaufgaben bis zur Verbesserung für die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

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