ZEW Energiemarktbarometer: "Abschaltverordnung" bedingt sinnvoll - Stromnetzausbau wichtiger

(PresseBox) (Mannheim, ) Die aktuellen Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) zur Regelung eines "Lastabwurfs" von Großverbrauchern im Stromnetz gehen nach Einschätzung von Fachleuten durchaus in die richtige Richtung, ein weiterer Netzausbau ist jedoch die wichtigste Maßnahme zur Sicherung der Stromversorgung. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle ZEW Energiemarktbarometer. Es befragt halbjährlich rund 200 Experten der Energiewirtschaft zu aktuellen Themen.

Das ZEW Energiemarktbarometer hat im November 2011 seine rund 200 Experten um eine Einschätzung gebeten, welche Maßnahmen sinnvoll wären, um die Netzstabilität bei der Stromversorgung zu gewährleisten. 64 Prozent der Befragten sprechen sich für den weiteren Ausbau der Stomnetze aus. Die Hälfte aller Befragten befürwortet eine Versteigerung eines möglichen Lastabwurfs. Hierbei würden die Netzbetreiber die Möglichkeit kurzfristiger Versorgungsunterbrechungen unter ihren Großkunden ausschreiben und die jeweils günstigsten Gebote auswählen. Der aktuelle Entwurf für eine Abschaltverordnung des BMWi legt hingegen die Kompensationszahlungen für bilaterale Verträge zwischen Großabnehmern von Elektrizität und den Netzbetreibern fest. Prof. Dr. Andreas Löschel, Leiter des Forschungsbereichs "Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement" am ZEW, gibt zu bedenken: "Auf Seiten des Regulierers ist wenig bekannt über die tatsächlichen Flexibilisierungspotenziale bei den industriellen Großkunden. Erst deren Berücksichtigung ermöglicht aber eine effiziente Regelung des Lastabwurfs. Es muss sich zeigen, ob die jetzt geplante Regelung die Flexibilisierung der Nachfrage vorantreibt. Dies wäre ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung der Energiewende."

Auch die Stromnachfrage von Haushaltskunden kann zur Stabilisierung der Netze beitragen. So sehen knapp die Hälfte (49 Prozent) der befragten Energiemarktexperten im Einsatz von Smart Metern ein geeignetes Mittel, um den Stromverbrauch von Haushalten bei Höchstlast zu reduzieren. Smart Meter sind "intelligente" Stromzähler, die den Haushalten anzeigen, zu welchen Zeiten Strom besonders günstig zur Verfügung steht. Sie können so dazu beitragen, den Stromverbrauch in nachfrageschwache Zeiten zu verlagern. Wenig optimistisch sind die Experten, dass Informations- und Werbekampagnen zielführend wären. Lediglich 30 Prozent von ihnen können sich vorstellen, dass den Haushalten durch Werbung ein anderes Verhalten beim Stromverbrauch abgerungen werden kann, um Lastspitzen zu vermeiden.

Das ZEW Energiemarktbaromter:

Das ZEW Energiemarktbarometer ist eine halbjährliche Befragung von rund 200 Experten aus Wissenschaft und Praxis (Energieversorgungs-, -handels- und -dienstleistungsunternehmen, Regionalversorgern ebenso wie EVU und Ökostromunternehmen). Sie werden zu ihren Erwartungen hinsichtlich der kurz- und mittelfristigen Entwicklungen auf den nationalen und internationalen Energiemärkten befragt. Die vollständigen Ergebnisse der aktuellen Befragung (Befragungszeitraum: November 2011) werden in den ZEWnews Januar/Februar 2012 erscheinen.

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Das ZEW arbeitet auf dem Gebiet der anwendungsbezogenen empirischen Wirtschaftsforschung. Dabei hat es sich insbesondere durch die Bearbeitung international vergleichender Fragestellungen im europäischen Kontext sowie den Aufbau wissenschaftlich bedeutender Datenbanken (z. B. Mannheimer Innovationspanel, ZEW Gründungspanel) national und international profiliert. Die zentralen Aufgaben des ZEW sind die wirtschaftswissenschaftliche Forschung, die wirtschaftspolitische Beratung und der Wissenstransfer. Das ZEW wurde 1991 gegründet. Derzeit arbeiten am ZEW 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund zwei Drittel wissenschaftlich tätig sind.

Forschungsfelder des ZEW:

Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement; Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung; Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung; Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft; Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement; Informations- und Kommunikationstechnologien; Wachstums- und Konjunkturanalysen; Wettbewerb und Regulierung.

www.zew.de / www.zew.eu

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