Social-Banking-Trend ungebrochen

(PresseBox) (Münster/Frankfurt, ) .
- Anhaltendes Wachstum sozial-ökologischer Banken bestätigt großes Kundenpotenzial des Social-Banking-Modells
- "Soziale Rendite" neue Differenzierungsdimension im umkämpften Privatkundengeschäft
- Social-Banking-Segment und Kundenpotentiale bleiben von Insolvenz der Noa Bank unberührt

Deutsche und europäische "Social Banks" sind auch drei Jahre nach Einsetzen der Finanzkrise weiter auf Wachstumskurs. Die prominentesten Institute in Deutschland, GLS Bank, Umweltbank und Ethikbank, haben im vergangenen Jahr 2009 entgegen dem allgemeinen Markttrend Wachstumsraten zwischen 28 und 33 Prozent vorgelegt. Parallel dazu haben sich die Kundenzahlen dieser Institute im letzten Jahr um bis zu 18 Prozent erhöht.

Die Zahl von Verbrauchern mit Affinität zu Social-Banking-Angeboten wird von zeb/ gegenwärtig auf über sechs Millionen geschätzt - Tendenz weiter steigend. Diese Kernzielgruppe, deren Ertragspotenzial den Bundesdurchschnitt laut zeb/ mit bis zu 2.200 Euro pro Haushalt deutlich übersteigt, konnte trotz des großen relativen Wachstums der in Deutschland tätigen sozialökologischen Banken erst in kleinen Teilen erschlossen werden. Nach wie vor verfügen diese Kreditinstitute gemeinsam über weniger als 200.000 Kunden.

Im Zentrum eines Social-Banking-Geschäftsmodells steht die Förderung sozialer, ökologischer oder kultureller Zielsetzungen. Der anhaltende Wachstumspfad der nach diesem Modell arbeitenden Banken bekräftigt eine Prognose des zeb/ aus dem Jahr 2009, wonach Erfolg und Bedeutung des Social Banking weiter zunehmen werden. Begründet wird dies zum einen mit einem durch die Finanzkrise bedingten Vertrauensverlust von Kunden konventioneller Banken, zum anderen mit gesellschaftlich wichtiger werdenden Werten und Handlungsorientierungen - darunter soziale Lebensqualität, Umweltbewusstsein, Mitbestimmung, Transparenz, Ehrlichkeit, Gemeinsinn und Sicherheit. Diese werden vom Geschäftsprinzip sozial-ökologischer Banken konsequent angesprochen. Im Zentrum steht dabei die "soziale Rendite", die Banken ihren Anlegern versprechen, indem sie Kundengelder wunschgemäß ausschließlich in nachhaltigen sozialen, ökologischen oder kulturellen Mehrwert schaffende Vorhaben investieren.

Angesichts historisch niedriger Sparzinsen und eines sich mittelfristig weiter verschärfenden Wettbewerbs im Privatkundengeschäft eröffnet der Erfolg sozial-ökologischer Banken auch bisher konventionell wirtschaftenden Kreditinstituten die Gelegenheit, im Angebot einer "sozialen Rendite" eine Möglichkeit zur markanten Differenzierung im Wettbewerb zu erkennen und umzusetzen. Hierfür stehen drei grundsätzliche strategische Ausrichtungen zur Auswahl, die hinsichtlich Aufwand und Wirksamkeit variieren. In einem ersten Schritt können Banken ihre Angebotspalette um nachhaltige Anlageprodukte erweitern. Ein weitergehender Ansatz sieht eine abgestufte, aber konsequente Verankerung einzelner Instrumente des Social Banking im bestehenden Geschäftsmodell vor. So kann die Bank ihren Kunden beispielsweise garantieren, die Einlagen eines bestimmten Sparproduktes nur in sozial, ökologisch oder kulturell nachhaltige Projekte zu investieren. Der umfassendste Social-Banking-Ansatz besteht in der Gründung einer neuen "Social Bank" unter eigener Marke.

Dass der deutsche Bankenmarkt für die genannten Strategien genügend Potenzial vorhält, zeigt die eingangs benannte Größe der Social-Banking-Zielgruppe. Die Diskrepanz zwischen diesem großen latenten Potenzial und der bislang geringen Marktdurchdringung hat mehrere Gründe. Zum einen sind nachhaltige Bankdienstleistungen, z. B. im Vergleich zu Bio-Lebensmitteln, noch ein relativ junges Phänomen, sodass sich ein entsprechendes Verbraucherbewusstsein, -interesse und -vertrauen bis hin zu einer substanziellen Marktnachfrage über Jahre hin entwickeln wird. Weiterhin sind die noch verhältnismäßig kleinen bisherigen sozial-ökologischen Banken mit internen strukturellen Wachstumsgrenzen konfrontiert. So wird ihre Expansion beispielsweise durch gegebene Kapazitäten an Eigenkapital, Personal oder Marketingbudget begrenzt. Schließlich erfordert die Weiterverwendung nachhaltig anzulegender Kundengelder Zugang zu ausreichender korrespondierender Finanzierungsnachfrage, die den jeweiligen Social-Banking- Standards der Kreditinstitute genügt.

Sowohl der Erfolg sozial-ökologischer Banken als auch die Positionierungschancen neuer Marktteilnehmer bleiben nach Ansicht von zeb/ unberührt von der im Sommer 2010 erfolgten Insolvenz der Noa Bank. Diese war im vergangenen Jahr mit einem an sozial-ökologische Banken erinnernden Versprechen von Kundenmitbestimmung, Spekulationsverzicht und Transparenz gestartet, später jedoch infolge mangelhafter Eigenkapitalausstattung von der Finanzmarktaufsicht geschlossen worden. "Für alle Banken gilt, dass Marketingversprechen gehalten werden müssen. Ein Geschäftsmodell, das Nachhaltigkeit verspricht, muss selber umso nachhaltiger sein", sagt Ulrich Hoyer, Partner und verantwortlich für Vertrieb im zeb/. "Die Noa Bank hat den selbstgesetzten hohen Anspruch, der für den immensen Zulauf von 15.000 Kunden innerhalb von sieben Monaten mitverantwortlich war, nicht erfüllt und sich insofern nicht zur Ethikbank qualifiziert".

So illustriert dieser Fall, dass ein Social-Banking-Versprechen bei Verbrauchern sehr hoch im Kurs liegt, Kreditinstitute, die einen solchen Ansatz gehen wollen, dabei jedoch wichtige Grundregeln beachten müssen. Gehört beispielsweise eine nachhaltige Kreditvergabe zu den geplanten neuen Aktivitäten einer Bank, muss diese hinsichtlich der erforderlichen Branchenexpertise, dem Zugang zu sozial-ökologischer Finanzierungsnachfrage und mit Blick auf eine auch starkem Einlagenzuwachs genügende Eigenkapitalbasis gründlich vorbereitet werden. "Im späteren Bankbetrieb steht die strikte Einhaltung gemachter Leistungsversprechen im Mittelpunkt. Dies betrifft zu allererst eine transparente, nachvollziehbare Einhaltung der selbstgesetzten Mittelverwendungsstandards, um Kunden tatsächlich die versprochene 'soziale Rendite' zu erfüllen" sagt Katrin Lumma, Partnerin im zeb/.

Für die Zukunft rechnet die Managementberatung durch den verbraucherseitig wachsenden Stellenwert von sozial und ökologisch nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen sowie von transparenten Angeboten und Kommunikation auf Augenhöhe, mit einem steigenden Verbraucherdruck auch auf konventionelle Banken, Produktportfolios und Arbeitsweisen an die sich verändernde Kundennachfrage anzupassen. Hierbei wird angesichts des Trends zur Social- Media-Nutzung durch immer besser aufgeklärte Verbraucher eine proaktiv und authentisch geführte Web-2.0.-Kommunikation als wichtiges Werkzeug gesehen, um vertrauensbildend auf die kritischer werdende Kundschaft zuzugehen.

zeb/rolfes.schierenbeck.associates gmbh

zeb/rolfes.schierenbeck.associates ist eine auf den Finanzdienstleistungssektor spezialisierte Managementberatung, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien, der Ukraine sowie Ungarn zwölf Standorte unterhält. Mit über 670 Mitarbeitern und mehreren Tochterunternehmen zählt zeb/ zu den führenden Beratungsgesellschaften für Banken, Versicherungen und sonstige Finanzdienstleister.

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