Deutsche Regionalbanken stehen vor großen Herausforderungen

(PresseBox) (Münster/Frankfurt, ) .
- Unternehmensfinanzierung trotz Krise auf Wachstumskurs
- Nur 60 % der Regionalbanken erzielen positives Ergebnis im Kundengeschäft
- Deutlicher Rückgang des operativen Ergebnisses bis 2014 zu erwarten
- Abhängigkeit vom Treasury muss weiter reduziert werden

Die deutschen Regionalbanken stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Zwar konnten Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Position als verlässliche Partner des Mittelstandes von Ende 2008 bis Mitte 2010 ausbauen. So haben sie ihre mittelständischen Kunden in der Krise weiterhin mit Krediten versorgt. Dennoch hat sich der Druck auf das Firmen- und Privatkundengeschäft dieser Institute in den letzten Jahren erheblich verstärkt. Nur noch 60 % der untersuchten Regionalbanken weisen 2009 ein positives Kundengeschäftsergebnis aus - 2007 waren es noch 90 %. Diese negative Tendenz kann auch durch den bisher positiven Beitrag aus der Fristentransformation (Treasury) zukünftig nicht mehr ausgeglichen werden, wenn die Zinskurve in den nächsten Jahren wieder abflachen wird. Im Ergebnis kann daher bis 2014 - sollten keine systematischen Korrekturen vorgenommen werden - bei hoher Abhängigkeit vom Treasury-Ergebnis von einem Rückgang des operativen Ergebnisses um bis zu 50 % ausgegangen werden. Die Herausforderung der Zukunft für Regionalbanken ist es folglich, sich unabhängiger von diesem Ergebnisfeld zu machen.

Dies sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen zeb/-Regionalbankenstudie. Die Studie wurde von der auf die Finanzdienstleistungsindustrie spezialisierten Managementberatung zeb/ erstellt und umfasst eine Befragung von 185 Instituten des deutschen Sparkassen- und Genossenschaftssektors sowie eine detaillierte Analyse der Daten dieser Häuser. Untersucht wurde der Zeitraum von 2005 bis 2009.

Nach Berechnungen von zeb/ gingen die ausstehenden Kredite der Großbanken und sonstiger Banken an Unternehmen im Zeitraum von September 2008 bis Juni 2010 um 22,4 Mrd. Euro zurück. Im gleichen Zeitraum haben Sparkassen ihr Volumen um 18,6 Mrd. Euro und Genossenschaftsbanken ihr Volumen um 13,8 Mrd. Euro gesteigert, sodass das Kreditvolumen insgesamt um 10 Mrd. Euro angewachsen ist. Sparkassen konnten ihren Marktanteil von 22 % auf 23 % und Genossenschaftsbanken von 12 % auf 13 % erhöhen. Regionalbanken haben somit die Volkswirtschaft nicht nur stabilisiert, sondern auch vom zyklischen Verhalten der anderen Marktteilnehmer profitiert und ihre Wettbewerbsposition verbessert.

Bei näherer Betrachtung der drei wichtigsten Geschäftsfelder dieser Institute (Firmenkundengeschäft, Privatkundengeschäft und Treasury) ergibt sich ein differenzierteres Bild. Nur ca. 60 % der untersuchten Regionalbanken erwirtschafteten 2009 im Privat- bzw. im Firmenkundengeschäft ein positives Ergebnis. Betrug dieser Anteil im Privatkundengeschäft 2005 noch 65 %, waren es 2007 sogar 88 %. Ursächlich für den Rückgang sind insbesondere rückläufige Zinserträge, in erster Linie aufgrund rückläufiger Margen. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich im Firmenkundengeschäft. Hier haben steigende Zinserträge den Anteil der defizitären Banken von 50 % auf 40 % verringert.

Bisher sind die negativen Kundengeschäftsergebnisse durch einen positiven Ergebnisbeitrag aus dem Treasury kompensiert worden. zeb/ geht allerdings davon aus, dass die Zinskurve in den nächsten Jahren abflachen wird. "Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind aus unserer Sicht immer dringender gefordert, auch im Kundengeschäft einen dauerhaft positiven Ergebnisbeitrag zu erzielen", so Dr. Alexander Henk, Partner bei zeb/.

Eine Berechnung über die nächsten vier Jahre - ohne die Berücksichtigung von notwendigen Verbesserungen im Kundengeschäft - führt zu einem massiven Rückgang des operativen Ergebnisses. Es wird deutlich, wie dramatisch dieses aufgrund des rückläufigen Zinsergebnisses zusammenschmelzen könnte. "Aktuell gehen wir davon aus, dass sich die Zinsspanne bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken durch die abflachende Zinsstrukturkurve und die damit verbundenen sinkenden Fristentransformationserträge bis 2014 um über 40 Basispunkte vermindern kann. Neben einigen anderen kleineren positiven und negativen Effekten könnte dies dafür sorgen, dass das operative Ergebnis der betroffenen Regionalbanken um 40-50 % sinkt, wenn die Abhängigkeit vom Treasury in den nächsten Jahren nicht deutlich reduziert wird", so Dr. Markus Thiesmeyer, Partner bei zeb/.

Außerdem werden die sich verschärfenden Eigenkapitalanforderungen im Zuge der Basel-IIIEinführung dafür sorgen, dass sich der Handlungsdruck auf einen Teil der Banken weiter erhöht. "Die Mehrzahl der Regionalbanken wird keine Probleme bei der Umsetzung der neuen Basel-IIIKriterien haben, aber ein kleiner Teil der Banken wird erhebliche Anstrengungen zur Steigerung Ihrer Rentabilität benötigen, um die Basel-Anforderungen zu erfüllen, gleichzeitig die Ausschüttungsfähigkeit zu erhalten sowie weiterhin Risikoaktiva - sprich Geschäftsvolumina - zu erhalten bzw. auszubauen", so Oliver Rosenthal, Leiter Research bei zeb/.

Erfolgreiche Regionalbanken im Sparkassen- und Genossenschaftssektor zeigen bereits jetzt auf, wie unter Druck geratene Institute ihre Situation mittelfristig verbessern können. zeb/ identifizierte im Rahmen der Studie sieben Handlungsfelder, die Top-Regionalbanken von weniger erfolgreichen Banken unterscheiden. So ist die wichtigste Basis für eine erfolgreiche Regionalbank ein solides wirtschaftliches Fundament. Top-Institute fokussieren zudem in der Regel auf wertschöpfende Tätigkeiten, außerdem arbeiten sie deutlich professioneller in der Vertriebssteuerung, beim Personal- und Sachkostenmanagement sowie beim Risikomanagement. Die Beherrschung des demografischen Faktors, nicht nur auf der Kundenseite, sondern auch beim eigenen Personal und die effiziente Vernetzung der Vertriebskanäle vor dem Hintergrund der veränderten Kundenbedürfnisse sind hier nur zwei der relevanten Faktoren. Ein weiterer, nicht unbedeutender Faktor ist die Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter. Top-Regionalbanken leiden deutlich weniger unter Fluktuationen der Kunden- und Personalbasis als andere Institute dieser Sektoren.

zeb/rolfes.schierenbeck.associates ist eine auf den Finanzdienstleistungssektor spezialisierte Managementberatung, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien, der Ukraine sowie Ungarn zwölf Standorte unterhält. Mit über 670 Mitarbeitern und mehreren Tochterunternehmen zählt zeb/ zu den führenden Beratungsgesellschaften für Banken, Versicherungen und sonstige Finanzdienstleister.

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