Von 100 Ideen schaffen nur wenige den Durchbruch

Auf den Adlershofer Erfindertagen zeigen die freien Forscher ihre Innovationen - Stiftung soll Marktzugang erleichtern

(PresseBox) (Berlin, ) "Klick" macht es, als Dieter Küchenmeister auf den Abflussdeckel im Waschbecken drückt, der wieder nach oben springt. "Wie bei einem Kugelschreiber", erläutert der Erfinder die Sanitär-Neuheit, die ohne Hebelstangen auskommt und damit wesentlich einfacher zu reinigen ist. "Der Einsatz von Rohrreinigern wird damit überflüssig", preist der Chef der Berliner World-Imex GmbH den ökologischen Mehrwert seines "ST-Klick"-Abflusssystems.

Auf den Adlershofer Erfindertagen reihen sich im Bunsen-Saal derartige Innovationen dicht an dicht. Ihre Gemeinsamkeit: Sie stammen alle von freien Erfindern, die nicht zur Forschungsabteilung eines Unternehmens oder einer Universität gehören. Während 75 Prozent der Patente in Deutschland von Firmen angemeldet werden, stammen 22 Prozent von freien Erfindern und nur drei Prozent aus der Wissenschaft, erklärt Gerhard Steinmüller, Vorsitzender des "Innovationsfonds des Volkes", der die Erfindertage organisiert hat. "Das Problem der freien Erfinder ist, dass sie es sehr schwer haben, in den Markt zu kommen", ergänzt Steinmüller. Mit einer neuen "Stiftung für freie Erfinder" soll ab dem kommenden Jahr Unterstützung möglich sein. Derzeit wirbt der Innovationsfonds bei größeren Unternehmen um finanzielle Beteiligung.

Auch der junge Berliner Erfinder Sven Trotzinski hat den Markteinstieg jetzt vor sich. Für zwei Entwicklungen hat er mit seinem Partner jetzt das Gebrauchsmuster, die Patent-Vorstufe, angemeldet: einen "Tornado-Generator", der einen kleinen Wirbelsturm als Luftbefeuchter für die Wohnung produziert, und ein Computer-Mousepad, das auf festere Schläge mit einem akustischen "Autsch" reagiert. "Wir hoffen, dass es bald von einer Firma als Werbeträger entdeckt wird", sagt Trotzinski.

Für Siegfried Helling, bei der Technologiestiftung Berlin für die Patentberatung zuständig, spielen die freien Erfinder nur eine Nebenrolle. Gut 20 Beratungen hat er aus diesem Bereich pro Jahr, dagegen kommen 500 bis 700 Unternehmen mit ihren Erfindungsfragen zu ihm. Die Zahl der freien Erfinder in Berlin schätzt Helling auf mehrere hundert. Nur wenigen ist Erfolg vergönnt. "Von 100 Ideen sind etwa fünf letztlich verwertbar", ist Hellings Erfahrung.

Abfluß-Spezialist Küchenmeister denkt nicht daran aufzugeben. Zusammen mit einem chinesischen Partner hat er in Fernost die Produktion für sein Klick-System aufgebaut. Auch in die erste Baumarkt-Kette mit 250 Filialen hat er es geschafft. "Aber das Produkt ist erklärungsbedürftig", weiß der Erfinder. Deshalb sollen jetzt die Verkäufer besser geschult werden. Immerhin erwartet Küchenmeister, in diesem Jahr an die 10 000 seiner Patent-Abflüsse verkaufen zu können.

Gut im Geschäft ist die Berliner Sidag GmbH mit ihrem Einbrecherbekämpfungssystem "Housegard". Schon 300 der automatischen Aufpasser, die per Bewegungsmelder Alarm schlagen und sofort ein Reizgas versprühen, hat das Unternehmen in den drei Jahren seines Bestehens schon verkaufen können, überwiegend an Firmen und Handelsgeschäfte. In einem Fall wirkte der stählerne Wächter so gut, dass die Polizei die Einbrecher mit tränenden Augen vor ihrem Fluchtauto auflesen konnte.

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