Wirtschaftsminister Ernst Pfister und Leiterin der Regionaldirektion Eva Strobel stellen Studie des IAW zu Fachkräftebedarf in baden-württembergischen Betrieben vor

"Vor allem im unternehmensnahen Dienstleistungssektor gibt es heute schon gravierenden Fachkräftemangel"

(PresseBox) (Stuttgart, ) "Vier von zehn Betrieben in Baden-Württemberg hatten in den Jahren 2000 bis 2008 gelegentlich oder dauerhaft Probleme bei der Besetzung von Fachkräftestellen. Für wichtige Branchen unseres Landes - vor allem im unternehmensnahen Dienstleistungssektor - müssen wir folglich bereits heute von einer strukturellen Fachkräftelücke ausgehen." Dies ist nach den Worten von Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister und der Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, Eva Strobel, das Hauptergebnis einer neuen Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen. Im Zentrum der Studie stand die Frage, wie ausgeprägt bereits heute der Fachkräftemangel in Baden-Württemberg ist.

Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums und der Regionaldirektion hatte das IAW Ausmaß, Eigenschaften und Struktur des Fachkräftebedarfs und Fachkräftemangels in baden-württembergischen Unternehmen untersucht. Demnach hatten rund 39 Prozent der Betriebe im Zeitraum von 2000 bis 2008 gelegentlich oder dauerhaft Probleme bei der Besetzung von Fachkräftestellen. Diesen standen 61 Prozent der Betriebe gegenüber, die keine Probleme bei der Besetzung offener Stellen für qualifizierte Arbeitnehmer beklagten.

Die unbesetzten Fachkräftestellen der letzten Jahre konzentrieren sich zunehmend im Dienstleistungssektor. "Zwei Drittel der unbesetzten Stellen in Baden-Württemberg entfielen in 2008 auf Dienstleistungsunternehmen", zitierte Ernst Pfister aus der Studie. Besonders stark sind dabei unternehmensnahe Dienstleister betroffen, fanden die IAW-Forscher heraus. Während Dienstleister über ein Drittel ihres Stellenangebots nicht befriedigen konnten, fällt die Quote für das Verarbeitende Gewerbe mit einem Fünftel deutlich geringer aus. Allerdings finden sich gleichzeitig unter den beschäftigungsstarken Schlüsselbranchen häufiger als in anderen Wirtschaftszweigen Betriebe, die zumindest einen Teil ihrer Stellen nicht besetzen konnten. Hierzu gehören Maschinenbau, Automobilsektor sowie Metall- und Elektrotechnik.

Fachkräftebedarf macht Umdenken zwingend erforderlich: Aus- und Weiterbildung und mehr Beschäftigung von Frauen und Älteren stärken Fachkräftepotenzial

"Aufgrund demografischer und struktureller Entwicklungen steigt der Fachkräftebedarf", stimmten Eva Strobel und Ernst Pfister den Autoren der Studie zu. Die voranschreitende Alterung der Gesellschaft im Rahmen des demografischen Wandels zeigt sich auch im steigenden Anteil der Betriebe, die Arbeitnehmer im Alter von 50 oder mehr Jahren aufweisen. Waren dies 2002 noch 58 Prozent, so beschäftigten 2008 bereits 68 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen Arbeitnehmer der so genannten Altersgruppe 50 Plus.

"Noch zu wenig Unternehmen stellen sich auf die Bedürfnisse alternder Belegschaften ein, zum Beispiel im Gesundheits- und Qualifizierungsmanagement", betonte Eva Strobel. So ermittelten die IAW-Forscher, dass 86 Prozent der baden-württembergischen Betriebe bislang keine Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer durchführen. Bedenkt man, dass gut die Hälfte der übrigen 14 Prozent der Betriebe als Maßnahme für Ältere allein die Altersteilzeit praktiziert, so sind besondere Instrumente für die Beschäftigtengruppe 50 Plus kaum vorzufinden. "Eine derart geringe Verbreitung betrieblicher Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung älterer Mitarbeiter macht ein Umdenken zwingend erforderlich", so Ernst Pfister.

"Interessant ist, dass offenbar Betriebe mit einem höheren Frauenanteil unter den Beschäftigten weniger häufig unbesetzte Stellen beklagen als solche mit weniger weiblichen Beschäftigten", hob Eva Strobel hervor. Die IAW-Wissenschaftler gehen davon aus, dass gerade Frauen mithin die "stille Reserve" für die Abmilderung der Fachkräftelücke in Betrieben darstellen. Ebenso wichtig sei die Ausbildungstätigkeit der Betriebe.

"Wer selbst ausbildet, schafft Personalressourcen, die an die betrieblichen Bedarfe genau angepasst sind", so Ernst Pfister, der in diesem Zusammenhang auf die Fachkräfteinitiative des Wirtschaftsministeriums verwies. Mit der Fachkräfteinitiative (Details unter www.fachkraefte-bw.de <http://www.fachkraefte-bw.de/> ) setzt sich das Wirtschaftsministerium für die nachhaltige Sicherung des Fachkräfteangebots in Baden-Württemberg ein. Mit vielfältigen und aufeinander abgestimmten Maßnahmen soll dem sich immer stärker abzeichnenden Fachkräftemangel begegnet werden, der sich durch den demografischen Wandel noch verstärken dürfte. Die Fachkräfteinitiative zielt auf:

- die Verstärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung
- die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von älteren Personen, von Frauen und von Personen mit Migrationshintergrund
- die Erleichterung der Zuwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften
- die Steigerung der Absolventenzahl in den technischen Berufen, insbesondere in den Ingenieurberufen
- die Verringerung der Steuer- und Abgabenbelastung, um die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten zu honorieren und zur Höherqualifizierung zu motivieren.

Anteil qualifizierter Beschäftigter steigt in Baden-Württemberg schneller als im Bund: mehr Einarbeitungs- und Fortbildungsaufwand bei Betrieben

Der steigende Fachkräftebedarf spiegelt sich auch in der Beschäftigtenstruktur in Baden-Württemberg wider. Die Ergebnisse des IAW-Gutachtens zeigen, dass sich die Qualifikation der Beschäftigten im letzten Jahrzehnt weiter in Richtung Qualifizierte verschoben hat. Baden-Württembergs Betriebe fragen im Bundesvergleich sogar überdurchschnittlich stark qualifizierte Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt nach, deren Tätigkeit eine Berufsausbildung, vergleichbare Berufserfahrung oder ein Hochschulstudium erfordert. Während im Bund die Zahl qualifizierter Beschäftigter seit der Jahrtausendwende bis Mitte 2008 um rund elf Prozent stieg, betrug deren Zuwachs in Baden-Württemberg 20 Prozent. Der Anteil qualifizierter Beschäftigter an der Gesamtbeschäftigung im Land nahm nach den Berechnungen des IAW im gleichen Zeitraum auf rund 75 Prozent zu.

Die Tübinger Arbeitsmarktexperten gehen in ihrer Studie auch davon aus, dass viele Betriebe im letzen Jahrzehnt zwar ihre offenen Stellen besetzen konnten, aber nur unter so genannten Einstellungskompromissen. Etwa 16 Prozent der Einstellungen von Fachkräften, so das IAW, seien beispielsweise im 1. Halbjahr 2008 nur unter Kompromissen bei Qualifikation, Gehalts- oder Arbeitszeitvorstellungen erfolgt. Am häufigsten kam es zu Einstellungskompromissen in Bezug auf die Qualifikation der Bewerber, wie z.B. zu einer Reduktion der Ansprüche an die Qualifikation sowie zu einem höheren Einarbeitungs- und Weiterbildungsaufwand seitens der Betriebe.

Für die Studie wertete das IAW das Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, aus. Das IAB-Betriebspanel ist eine jährliche, deutschlandweite und repräsentative Arbeitgeberbefragung, anhand der Auswertungen für das Land Baden-Württemberg möglich sind.

Die Studie kann heute ab 12 Uhr unter www.iaw.edu/iaw/De:Aktuelles <http://www.iaw.edu/iaw/De:Aktuelles> heruntergeladen werden.

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