VCD: Einige Autohersteller können lasche Vorgaben bald erreichen

T&E veröffentlicht Studie zum CO2-Ausstoß europäischer Neuwagen in 2009

(PresseBox) (Berlin, ) Anlässlich der Veröffentlichung der neuesten Analyse des CO2-Ausstoßes von Neuwagen in der EU durch Transport & Environment (T&E) weist der ökologische Verkehrsclub VCD darauf hin, dass einige Autohersteller auf dem Weg sind, die verbindlichen CO2-Vorgaben der EU für 2015 vorzeitig zu erreichen. So hätten Toyota und der PSA-Konzern (Peugeot und Citroen) bereits sechs Jahre vor Inkrafttreten des Grenzwerts ihre herstellerbezogenen Vorgaben fast erfüllt. Auch BMW sei mit einem Abstand von acht Prozent relativ nah am Ziel.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD kritisiert: "Die Autohersteller erreichen jetzt die CO2-Minderungen, die sie bereits vor Jahren kontinuierlich hätten schaffen müssen. Durch ihre betrügerische Selbstverpflichtung, den durchschnittlichen CO2-Wert bis 2008 auf 140 g/km zu senken, hat es die Industrie geschafft, den Gesetzgebungsprozess für Grenzwerte um zehn Jahre zu verschleppen. Da die Selbstverpflichtung keine bindende Wirkung hatte, wurde sie mit Karacho gerissen. Erst danach gab die Politik einen Grenzwert vor - der durch das Lobbyieren der Autoindustrie mit 130 g/km viel zu schwach ausfiel. Trotzdem haben die europäischen - allen voran die deutschen -Autohersteller noch vor zwei Jahren behauptet, sie bräuchten mehr Zeit, um die laschen Vorgaben zu erreichen." Auf ihren Druck hin sei eine Verschiebung von 2012 auf 2015 bewirkt und ein weiteres Schlupfloch von bis zu 7 g/km für sogenannte Öko-Innovationen durchgesetzt worden.

Gerd Lottsiepen: "Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Wehklagen maßlos übertrieben war und die Autolobby damit Politik und Öffentlichkeit getäuscht hat. Schlimmer noch: die gleiche Industrie behauptet in der aktuellen Debatte um entsprechende CO2-Vorgaben für leichte Nutzfahrzeuge, dass die Grenzwerte nicht erreichbar sind. Die Politik darf nicht noch einmal auf das Jammern der Autoindustrie reinfallen, sondern muss realistische aber ambitionierte Klimaziele für Kleinlaster setzen."

Insgesamt sei der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller in der EU verkauften Neuwagen im letzten Jahr um 5,1 Prozent auf durchschnittlich 145,7 g/km gesunken. Ab 2015 dürfen Neuwagen im Schnitt nicht mehr als 130 g/km ausstoßen. Eine gesonderte Analyse zeige, dass in der gesamten EU über die Hälfte der CO2-Einsparungen auf verbesserte Technik und nicht - wie oft behauptet - auf die in verschiedenen Ländern gewährte "Abwrackprämie" zurückzuführen sei. Deutschland spiele hier aber eine Sonderolle, weil die Abwrackprämie besonders hoch ausgefallen und für 2 Millionen Pkw gezahlt worden sei. Hier habe vor allem der Kleinwagenbereich von der Abwrackprämie profitiert und damit einen höheren Anteil an der CO2-Minderung.

Wie der VCD weiter ausführt, kommt die Studie auch zu dem Ergebnis, dass die deutschen Hersteller ihren CO2-Austoß im Vergleich zu den europäischen und asiatischen Konkurrenten geringer gesenkt haben. BMW erreichte 2009 nur ein Minus von knapp zwei Prozent. Daimler und die Volkswagen- Gruppe lagen mit minus 4,8 bzw. 4,1 Prozent zwar besser als BMW, aber immer noch unterhalb des Durchschnitts. Dennoch ist BMW aufgrund der Erfolge aus den Vorjahren nur noch um acht Prozent von dem Zielwert für 2015 entfernt, während VW noch 13 und Daimler 18 Prozent fehlen. Dem um acht Prozent geringerem Gewicht und der um 27 Prozent niedrigeren Leistung zum Trotz ist der durchschnittliche CO2-Austoß des VW-Konzerns immer noch höher als der von BMW. "Trotz sehr effizienter BlueMotion-Modelle scheint die Strategie von VW, zunächst lediglich einige Modelle mit Effizienztechniken auszustatten, wenig zielführend, um den Verbrauch der gesamten VW-Flotte zu senken", bewertet Lottsiepen die Analysen der T&E-Studie. Außerdem machten nicht nur die deutschen Hersteller, sondern auch der deutsche Markt Sorgen. Laut aktueller Information aus dem Kraftfahrtbundesamt sank der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller in Deutschland verkauften Pkw in 2009 zwar um 6,5 Prozent, von Januar bis September 2010 aber nur noch um 1,2 Prozent. "Die Gefahr ist groß, dass die Hersteller angesichts weltweit boomender Verkaufszahlen Investitionen in die Energieeffizienz vernachlässigen und dem Klimakollaps entgegensegeln", sagte Lottsiepen.

Die vollständige T&E-Studie »How clean are Europe's cars? An analysis of carmaker progress towards EU CO2 targets in 2009« kann auf der Internetseite www.transportenvironment.org heruntergeladen werden. T&E ist der europäische Dachverband von Nicht-Regierungs-Organistationen aus dem Bereich Verkehr und Umwelt, dem auch der VCD angehört.

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