Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet starken Rückgang für 2009

Nach fünfjährigem Boom mit Rekordergebnissen steht Branche vor großen Herausforderungen

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie bestätigt ihre Prognose, die einen Produktionsrückgang für 2009 um 15 Prozent erwartet. Carl Martin Welcker, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), erklärte dazu in Frankfurt am Main vor Journalisten: "Wenn sich die "Schockstarre" der Investoren nicht in den nächsten Wochen spürbar entkrampft, wird dies bestenfalls der obere Eckwert sein, denn die Indikatoren mehren sich, dass es noch schlimmer kommen könnte."

Die Erwartungen basieren vor allem auf dem jähen Absturz der Bestellungen im vierten Quartal 2008 mit minus 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zum ersten Mal seit fünf Jahren lagen damit die Bestellungen für das Gesamtjahr 2008 wieder im Minus, mit zehn Prozent.

Trotz der Belastung ist die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie nach Einschätzung Welckers besser aufgestellt als ihre internationalen Wettbewerber und besser als zu Beginn früherer Konjunkturabschwünge.

Beispielloser Aufschwung in den vergangenen fünf Jahren verschafft Polster

2008 hat der Werkzeugmaschinenbau mit einem Zuwachs von 13 Prozent auf rd. 14,3 Mrd. Euro zum vierten Mal in Folge eine neue Bestmarke erreicht. In den vergangenen fünf Jahren ist die Branche damit um fast 60 Prozent gewachsen.

Zum Erfolg trug im vergangenen Jahr insbesondere das Inland bei. Der Verbrauch stieg um mehr als ein Fünftel auf 8,9 Mrd. Euro und wurde zu rd. 60 Prozent aus heimischer Produktion gedeckt. Die Ausfuhren legten auf ebenfalls einmalig hohem Niveau um weitere 5 Prozent auf rd. 8,2 Mrd. Euro zu. Wachstumstreiber waren Südamerika sowie Ost- und Südostasien.

Die Kapazitäten waren 2008 im Schnitt zu 94,7 Prozent ausgelastet; der Auftragsbestand lag durchschnittlich bei 8,7 Monaten. Aktuell ist insbesondere die Kapazitätsauslastung im Januar dieses Jahres bereits deutlich auf 83 Prozent gesunken. Besonders von Einbußen betroffen sind Hersteller von Universal- und Standardmaschinen, die auf die effiziente Herstellung großer Stückzahlen abonniert sind. Bei Sonderanlagen hingegen ist der Auftragsbestand nach wie vor hoch.

Im Schnitt hat die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie 2008 fast 71 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, 6,7 Prozent mehr als binnen Jahresfrist. Seit dem Höchststand im Oktober sinkt die Zahl wieder.

Gestärkt im internationalen Wettbewerb

Im internationalen Wettbewerb wuchs Deutschland mehr als viermal so stark wie der Hauptkonkurrent Japan, der nur noch 3 Prozent zulegte. Mit einem Exportanteil von fast 22 Prozent festigten die deutschen Hersteller ihre führende Stellung im Weltmarkt ein weiteres Mal mit einigem Abstand vor Japan und Italien.

Große Herausforderungen im laufenden Jahr

Werkzeugmaschinenhersteller beliefern die gesamte Industrie mit Maschinen für die Metallbearbeitung. Je 30 Prozent des Umsatzes tätigen sie mit der Automobilindustrie und ihren Zulieferern sowie mit dem Maschinenbau. Insbesondere das Volumengeschäft mit Standardwerkzeugmaschinen ist durch die weltweite Absatzkrise der Autoindustrie und die großen Strukturprobleme speziell der amerikanischen Automobilisten in Mitleidenschaft gezogen. Hier werde laut Welcker erst auf mittlere Sicht wieder Produktionstechnik nachgefragt.

Im Maschinenbau ist der Boom zu Ende. Ähnlich sieht es in den meisten internationalen Kundenbranchen und rund um den Globus aus.

Deutsche Werkzeugmaschinenhersteller haben in den Boomjahren ihre Hausaufgaben gemacht. Das betrifft die Intensivierung von Forschung und Entwicklung, die Optimierung der Beschaffungs- und Produktionsprozesse, die Verbesserung der Kostenstrukturen und den Beschäftigtenstand, der nur moderat aufgebaut wurde.

"Die Sicherung der Kernbelegschaften ist eine der obersten Prämissen für den Werkzeugmaschinenbau, da im nächsten Aufschwung kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend benötigt werden", bekräftigte Welcker. Hilfreich seien die flexibleren Strukturen am Arbeitsmarkt mit Arbeitszeitkonten, und Ausweitung der Kurzarbeit. Beides helfe, Durststrecken zu überwinden.

Stützend wirkt sich aus, dass deutsche Werkzeugmaschinenanbieter häufig auf Speziallösungen für die Fertigung setzen. Damit sind sie vielfach im Projektgeschäft verankert. Beschaffungsalternativen gibt es hier deutlich weniger, und die Herstellerfirmen sind unabhängiger von kurzfristigen Nachfrageschwankungen. Problematisch ist allerdings, dass laufende Projekte derzeit nicht zum Abschluss gebracht werden. Das bindet Kapital und belastet die Unternehmen zusätzlich.

Deutsche Werkzeugmaschinenhersteller sind langjährige Partner ihrer internationalen Kunden. Die Einschätzung der VDW-Mitglieder zeigt, dass der Gesprächsfaden mit Einkäufern und Produktionsplanern nicht abgerissen ist. Es werden nach wie vor Projekte definiert und verhandelt. Was derzeit fehlt, ist die Unterschrift auf dem Kaufvertrag.

Vertrauenskrise schnell überwinden

Die Unternehmen können von den guten Voraussetzungen nur profitieren, wenn die Nachfrage anspringt. Oberste Pflicht sei es daher, das globale Finanzsystem wieder funktionsfähig zu machen und Vertrauen zu schaffen. "Auch wenn unsere Branche im Schnitt derzeit noch für gut ein halbes Jahr Aufträge hat, rennt ihr möglicherweise die Zeit davon, bis Erfolge sichtbar werden", gab Welcker zu Bedenken.

Abschottungsstrategien einzelner Länder erteilte er eine klare Absage. Die Werkzeugmaschinenindustrie sei auf den freien Welthandel angewiesen. Als wenig lösungsorientiert betrachtet er auch einen Länderwettbewerb um die höchsten Subventionen.

Mit Blick auf die deutsche Politik kann es bei allen Aktivitäten nach Überzeugung des VDW-Vorsitzenden nur darum gehen, mit konzentrierten Maßnahmen Investitionen in Deutschland entschlossen zu stärken, unabhängig von Branchen und Betriebsgrößen.

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