AAW weist Gesprächsangebot ab

(PresseBox) (Karlsruhe, ) Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden hat auf den offenen Brief von VDVC und Pirate Gaming reagiert. An einem sachlichen Dialog scheint es nicht interessiert. Die Gamerorganisationen hatten zur Abkehr von verletzenden Kampfbegriffen aufgerufen und eine vorurteilsfreie Diskussion angemahnt. Ein funktionierender Jugendschutz sowie eine Gesellschaft ohne Gewalt seien auch ein ernsthaftes Anliegen der Gamer.

In einer ersten Stellungnahme auf das Schreiben warf Hardy Schober, der Vorsitzende des Winnendener Bündnisses, den Gamern Undifferenziertheit vor, man "habe sich nie für ein generelles Verbot von Computerspielen starkgemacht, lediglich gegen die realitätsnahe Simulation der Tötung von Menschen. Das virtuelle Abschlachten von Menschen oder Trainingsmethoden, die auch von US-Militär zur Herabsetzung der Hemmschwelle eingesetzt würden hätten nichts mit dem Begriff Spiel zu tun." Zur Unterstreichung der eigenen Position lässt das Bündnis Werner Hopf vom Verein Mediengewalt zu Wort kommen, dieser sagt: "Ein Hobby das virtuelles Töten und andere Verbrechen zum Zeitvertreib macht, ist kein Hobby oder Spiel". Er impliziert, es sei nicht möglich, Realität von Virtualität zu unterscheiden, und wirft den Gamern vor, Ergebnisse der Wirkungsforschung zu ignorieren. Dass die Nutzung von Computerspielen zur Desensibilisierung nichts weiter als eine Legende ist und es eine Vielzahl an Studien gibt, welche Zweifel an einem Zusammenhang zwischen gewaltdarstellenden Medien und realer Gewalt aufkommen lassen, ignorieren sie. Scheinbar lassen die Unterstützer des AAW keine anderen Interpretationen von Spielen zu, als ihre eigenen.

"Die Darstellung von Inhalten bedeutet noch lange keine Simulation. Wer Counter-Strike als Tötungssimulation bezeichnet, sollte auch Carrerabahnen zu Fahrsimulatoren erklären", unterstreicht der VDVC-Vorsitzende Patrik Schönfeldt.

Rudolf H. Weiß, der ebenfalls auf der Webseite des AAW zu Wort kommt, geht noch einen Schritt weiter und wirft den Computerspielern Realitätsverlust vor. Er behauptet, Erwachsene seien von den geforderten Verboten nicht betroffen. Schon Schober hatte in seiner ersten Reaktion gesagt, man solle "sich erst einmal mit den Forderungen des Aktionsbündnisses differenziert auseinander (...) setzen." Dass durch die stattgefundene Hexenjagd bereits Veranstaltungen für Erwachsene abgesagt wurden, wird dabei außer Acht gelassen. Hopf unterstellt sogar, mündige Bürger müssten sich für Verbote stark machen. Argumente, die besagen, dass Prohibition eben keinen Schutz - insbesondere nicht von Jugendlichen - bedeutet, bleiben unberücksichtigt. Selbst wenn Kinder das eigentliche Ziel von Verboten sind, so treffen diese fast ausschließlich Erwachsene.

Obwohl Generalverdacht und Stigmatisierung in allen vom AAW veröffentlichten Reaktionen zumindest dem Wortlaut nach abgelehnt wurden, unterstellt Hopf neben Morddrohungen eine allgemeine Blutrünstigkeit. Der VDVC jedoch hat sich immer gegen Gewalt bekannt und diese klar von Gewaltdarstellung unterschieden. Dieser Position betont auch Schönfeldt:

"Wir distanzieren uns entschieden von Beleidigungen, Drohungen und jeglicher Form von realer Gewalt. Es ist bedauerlich, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich provozieren lassen. Gerade bei respektlosen Anschuldigungen sollten man seine eigene Würde durch besonnenes Handeln herausstellen."

Weiß verwendet sogar über drei Viertel seines Textes, um die Verfasser des offenen Briefes und andere Gamer in eine Ecke mit Süchtigen zu stellen. Auch er schreibt von "unbeschreiblichen verbalen Aggressionen (...) bis hin zu versteckten Morddrohungen". Gamer dürften sich nicht wundern, "wenn man über sie den Kopf schüttelt oder gar verachtet".

"Unter diesen Umständen sehen wir zur Zeit leider keinen Sinn mehr, mit dem Aktionsbündnis zu reden", bedauert Schönfeldt diese jüngsten Entwicklungen. "Die Weiterentwicklung des Jugendschutzes liegt dem VDVC aber weiterhin sehr am Herzen."

Offener Brief von Pirate Gaming und VDVC: http://vdvc.de/?p=933

Erste Reaktion des AAW:
http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/index.php/aktionen/medienarc[..]

Zweite Reaktion des AAW:
http://www.stiftung-gegen-gewalt-an-schulen.de/index.php/aktionen/332-gamer[..]

Ausführlichere Version des Statements des VDVC: http://vdvc.de/?p=981

Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler

Der "Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler" wurde von Spielern für Spieler gegründet. Er steht für Kooperation, Aufklärung und den Dialog für ein Miteinander ohne Vorurteile. Als gemeinnütziger, parteipolitisch neutraler Verband sucht er den Dialog mit allen Menschen, die dazu bereit sind, das Thema 'Video- und Computerspiele' zu erörtern. Zu den Aktivitäten des VDVC zählen unter anderem Informationsveranstaltungen für Eltern, um diese über die Möglichkeiten von Jugendschutz am Computer zu informieren.

Bekannt geworden ist der VDVC durch die Demonstration für Spielkultur unter dem Titel 'Wir sind Gamer', die am 25.07.2009 in Berlin, Karlsruhe und Köln statt fand. Inzwischen hat sich der VDVC als unabhängige Verbraucherorganisation etabliert, die aktiv Elternarbeit betreibt, sich an der öffentlichen Debatte beteiligt und auch vor der Auseinandersetzung mit unbequemen Themen nicht zurückschreckt.

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