Wissmann: Inlandsmarkt profitiert von neuer Kfz-Steuer und Umweltprämie - Export weiter schwach

Höchstes Zulassungsniveau im Februar seit zehn Jahren

(PresseBox) (Genf/Frankfurt am Main, ) Die Neuordnung der Kfz-Steuer sowie die Umweltprämie haben auf dem deutschen Pkw-Markt einen deutlichen Nachfrageschub ausgelöst. Der inländische Pkw-Auftragseingang, der bereits in der letzten Januarwoche um 16 Prozent zulegen konnte, wuchs im Februar sprunghaft um 63 Prozent und hat sich damit erheblich beschleunigt. Der inländische Auftragsbestand ist im Februar um 165.000 Pkw gewachsen und hat mit 482.000 Einheiten das höchste Volumen seit 2001 erreicht. Die Pkw-Neuzulassungen stiegen im Februar um 21 Prozent auf 278.000 Einheiten. "Dies ist das höchste Absatzniveau in einem Februar seit zehn Jahren. Die Neuzulassungen haben damit seit über sechs Monaten erstmals wieder positive Wachstumsraten. Wir erwarten, dass auch im gesamten 1. Quartal der Inlandsabsatz über Vorjahresniveau liegen wird", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf einer Pressekonferenz auf dem Genfer Automobilsalon.

Die sprunghaft gestiegenen Auftragseingänge aus dem Inland werden sich in den nächsten Monaten weiter positiv in den Neuzulassungszahlen niederschlagen, so der VDA-Präsident. Dieser Schub habe bei einigen Herstellern bereits dazu geführt, dass beabsichtigte Kurzarbeit wieder zurückgenommen oder deutlich reduziert werden konnte. "Wir haben die Chance, trotz des schwierigen Umfeldes in diesem Jahr die 3-Millionen-Marke bei den Pkw-Neuzulassungen 'zu knacken'", sagte Wissmann. Damit werden die neue Kfz-Steuer und die Umweltprämie ihre "Brückenfunktion" im laufenden Jahr erfüllen und ein Gegengewicht zum äußerst schwachen Exportgeschäft bilden.

Wissmann betonte, dass sich die Kunden, die jetzt in die Autohäuser kommen, nicht nur für einen neuen Kleinwagen entscheiden, sondern durchaus auch Modelle der Kompakt- und Mittelklasse wählen. "Eine erste Analyse zeigt zudem, dass nahezu jeder zweite Kunde, der sein Altauto zum Verwerter bringt, ein neues Modell einer deutschen Konzernmarke wählt." Der VDA habe von Anfang an der Versuchung widerstanden, eine Lösung zu fordern, die ausschließlich deutsche Hersteller begünstigt und Importmarken benachteiligt hätte. "Erfreulicherweise hat auch Frankreich auf die Kritik aus Brüssel rasch reagiert und ist jetzt von seinem ursprünglichen protektionistischen Ansatz, der den Handlungsspielraum der dortigen Industrie drastisch eingeschränkt hätte, wenigstens zum Teil abgerückt", unterstrich Wissmann. Die EU sollte dennoch ihrer "Wächterrolle" nachkommen und die weitere Entwicklung wachsam verfolgen.

Der VDA hat sich gegenüber der Bundesregierung für Verbesserungen im Detail bei der Umweltprämie ausgesprochen. So sollte einem Kunden, der ein neues Auto kaufen will, kein Nachteil entstehen, nur weil das Modell zunächst einmal produziert werden muss, was einige Wochen dauern kann. "Deshalb fordern wir, dass das Datum des Kaufvertrags entscheidend ist für den Antrag bei der Bafa. Die Prämie wird natürlich - um Missbrauch auszuschließen - erst dann ausbezahlt, wenn der Neuwagen auch auf dieselbe Person zugelassen ist", betonte Wissmann.

Auch bei der Jahreswagenregelung müsse noch nachjustiert werden. Dieses "zweite Standbein" der Umweltprämie sei für die deutschen Premiummarken von entscheidender Bedeutung. Gerade im Werksangehörigengeschäft - naturgemäß eine Domäne deutscher Hersteller - werden die Neuwagen in der Regel ein Jahr gefahren, bevor sie weiter veräußert werden können. "Damit fallen sie aber derzeit aus der Regelung heraus, obwohl diese Gruppe explizit in der Verordnung aufgeführt ist", so Wissmann: "Das macht keinen Sinn. Die ausdrücklich vorgesehene Einbeziehung der Jahreswagen darf kein leeres Versprechen bleiben. Wir drängen darauf, dass die Politik hier rasch nachbessert - auch im Interesse der Arbeitsplätze bei unseren Unternehmen hier in Deutschland - und damit die Verunsicherung bei vielen verärgerten Autofahrern beseitigt."

"Trotz der erfreulichen Februarzahlen im Inland sind wir von einer nachhaltigen Erholung der Weltmärkte noch weit entfernt", betonte Wissmann. Die dramatische Lage sei dadurch gekennzeichnet, dass alle wichtigen Automobilmärkte nahezu zeitgleich von der weltweiten Krise erfasst würden. In den ersten Monaten des laufenden Jahres habe sich die Lage auf den weltweiten Märkten noch verschärft. Die Talsohle sei noch nicht erreicht, auch in den kommenden Monaten sei nicht mit einer Erholung zu rechnen, der VDA-Präsident.

Das Ausfuhrvolumen der deutschen Hersteller ging - nach sechs Rekordjahren in Folge - 2008 insgesamt um 4 Prozent auf 4,13 Mio. Pkw zurück, während der weltweite Automobilabsatz um 5 Prozent sank. Wissmann: "Wie stark gleichwohl die deutschen Marken sind, zeigt sich daran, dass sie auch unter schwierigsten Bedingungen auf strategisch wichtigen Märkten ihre Markanteile erhöhen konnten." So haben die deutschen Hersteller im vergangenen Jahr in Westeuropa 0,7 Prozentpunkte hinzugewonnen, auf dem dramatisch angespannten US-Markt war es ein Plus um 1 Prozentpunkt, in Russland plus 1,5 Prozentpunkte. Auch in China haben die deutschen Marken ihren Anteil leicht erhöht. Wissmann: "Diese Entwicklung setzte sich auch Anfang dieses Jahres fort. Auf den wichtigen Exportmärkten konnten unsere Hersteller ihren Marktanteil weiter ausbauen. In den USA schnitten wir auch im Februar besser ab als der Gesamtmarkt, der um 41 Prozent einbrach, und bauten unseren Marktanteil weiter aus."

Der Export der deutschen Hersteller ging im Februar um 51 Prozent auf 202.000 Einheiten zurück. Die Pkw-Produktion, die bereits im Januar um 34 Prozent verringert worden war, wurde erneut um 47 Prozent gesenkt. In zahlreichen Unternehmen wurde hierzu das Instrument der Kurzarbeit eingesetzt. Wissmann zeigte sich trotz der Krise zuversichtlich: "Für die deutschen Hersteller gilt: Wir werden mit innovativen Produkten die Basis dafür schaffen, um stärker als unsere Wettbewerber aus der Krise zu fahren. Die Premieren, die auf dem Genfer Salon vorgestellt werden, unterstreichen diese Strategie eindrucksvoll."

Dazu gehören auch alternative Antriebe und die Elektrifizierung des Automobils. Die Vorfreude auf neue Antriebstechniken sollte, so Wissmann, allerdings nicht den Blick für die Realitäten trüben: "Auch in den nächsten zehn Jahren wird der Verbrennungsmotor vorherrschend bleiben, in ihm steckt noch viel Optimierungspotenzial zur Verbrauchssenkung, ebenso in der Getriebetechnologie." Bereits heute bieten deutsche Marken fast 90 Modelle an, die weniger als 5 l/100 km Kraftstoff benötigen. Wie sehr die Unternehmen bei der Reduzierung der CO2-Emissionen vorankommen, wird an folgenden Zahlen deutlich: Nachdem 2007 der durchschnittliche CO2-Wert aller neu zugelassenen Pkw in Deutschland bereits um 1,7 Prozent zurückging, konnten die CO2-Werte im vergangenen Jahr insgesamt sogar um 2,9 Prozent gesenkt werden. Dabei erzielten die deutschen Hersteller mit minus 3,1 Prozent einen stärkeren Rückgang als die Importeure. Die geringsten Einsparungen erzielten die Franzosen (minus 0,8 Prozent) und die Japaner (minus 2,1 Prozent). Im Januar 2009 lag der durchschnittliche CO2-Wert der in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge mit 159,5 (minus 4,7 Prozent) erstmals unter 160 g/km CO2. lag. "Jeder sechste neu zugelassene Pkw erfüllt inzwischen die strenge Euro-5/-6-Norm. Das Angebot wird weiter steigen. Es wäre also völlig verkehrt, den Autokauf jetzt solange aufzuschieben, bis Elektrofahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Preisen auf dem Markt sind", betonte Wissmann.

Zu den Perspektiven auf den Automobilmärkten sagte Wissmann: "Sollten die in vielen Ländern bereits auf den Weg gebrachten Konjunkturprogramme sowie die zahlreichen staatlichen Maßnahmen, die derzeit zur Stützung der Automobilnachfrage in Angriff genommen werden, greifen und - wie derzeit im deutschen Markt zu beobachten - ihre Wirkung entfalten, könnte es in der zweiten Jahreshälfte zu einer ersten allmählichen Erholung der weltweiten Verkäufe kommen." Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass sich die Finanz-, Kredit- und Kapitalmärkte wieder stabilisierten.

Der VDA-Präsident betonte: "Auch wenn die Krise den Ruf nach protektionistischen Maßnahmen lauter werden lässt, so kann ich vor einem Wettlauf um eine Abschottung der nationalen Märkte nur massiv warnen. Denn damit würde die Erholung der Weltwirtschaft erst recht auf die lange Bank geschoben." Es sei zu begrüßen, dass die US-Regierung darauf verzichtet wolle, nichtamerikanische Produkte zu diskriminieren. Die deutsche Automobilindustrie setze sich konsequent für eine Verbesserung der internationalen Rahmenbedingungen und für den Abbau von Handelshemmnissen ein, sei es über die WTO oder Freihandelsabkommen. Alle Beteiligten müssten sich zum Freihandel bekennen.

Wissmann betonte auf dem Genfer Salon: "Die Vorbereitungen zur 63. IAA PKW, die im September 2008 in Frankfurt am Main stattfindet, laufen auf Hochtouren." Alle wichtigen Automobilhersteller werden wieder präsent sein, BMW wird erstmals in der neuen Halle 11 auf größerer Fläche seine Produkte präsentieren. Neu dabei sind die Hersteller Bitter, Lotus, Tesla und Think. Nahezu alle großen Zulieferer haben sich zur IAA angemeldet. Das IAA Motto - "Erleben, was bewegt" - unterstreiche den Anspruch der weltweit wichtigsten Mobilitätsmesse: "Die IAA-Besucher werden erleben können, was heute nachhaltige Mobilität sichert. Und gleichzeitig werden sie auch sehen, was die automobile Zukunft bewegt", sagte Wissmann.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.