Nutzfahrzeugindustrie verzeichnet massive Auftragsrückgänge

VDA-Präsident fordert befristete Aussetzung der Mauterhöhung

(PresseBox) (München/Frankfurt am Main, ) "Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise führt zu einem Nachfrageeinbruch in bislang ungekanntem Ausmaß. Für Deutschland wird der schärfste Einbruch der Wirtschaftsleistung seit dem Zweiten Weltkrieg erwartet. Die Krise ist dadurch gekennzeichnet, dass alle wichtigen Automobilmärkte davon betroffen sind. Dabei ist der Rückgang bei den Nutzfahrzeugherstellern noch gravierender als im Pkw-Bereich", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), beim 8. VDA-Logistikkongress, den der VDA in Kooperation mit BMW und Webasto in München veranstaltet.

Die Nachfrage nach schweren Lkw und Trailern sei regelrecht zusammengebrochen. Der Bestelleingang aus dem In- und Ausland bei schweren Lkw ging im 4. Quartal 2008 um fast 80 Prozent zurück und lag im Januar um 62 Prozent unter dem Vorjahresvolumen. Bei den deutschen Herstellern von Anhängern und Aufbauten waren die Aufträge bereits seit Beginn 2008 zweistellig rückläufig; in den letzten Monaten musste ein Minus von teilweise über 90 Prozent verzeichnet werden. "Dieser Absturz ist für viele Unternehmen, die im Kern gesund sind, eine starke Marktstellung in Europa haben und über eine hohe Innovationskraft verfügen, existenzgefährdend und zwingt sie zu raschen und schmerzhaften Anpassungsprozessen. Die Zahlen zeigen: 2009 wird für die Automobilindustrie das schwierigste Jahr seit vielen Jahrzehnten", erklärte Wissmann.

"Wir stellen uns auf die großen Herausforderungen ein. Die deutsche Automobilindustrie hat sich das klare Ziel gesetzt, gestärkt aus dieser außerordentlich schwierigen Phase hervorzugehen", betonte Wissmann. Eine notwendige Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum bilde dabei eine effiziente und leistungsstarke Logistik, die das "Rückgrat der weltweit größten Exportnation Deutschland" bilde, so Wissmann. Der Wunsch der Menschen nach individueller Mobilität sei ungebrochen und werde weiter wachsen. Pkw und Lkw blieben damit die Verkehrsmittel Nr. 1. "Es wäre eine Illusion zu glauben, dass das Mobilitätsbedürfnis in Zukunft sinken wird oder von der Politik mit dirigistischen Instrumenten gesenkt werden könnte", betonte der VDA-Präsident. Vielmehr müssten für Wachstum nachhaltige Lösungen gefunden werden. Derzeit verschärfe jedoch eine gravierende Investitionsunsicherheit in der Speditions- und Logistikbranche die bereits sehr schwache Nachfrage auf dem Nutzfahrzeugmarkt.

Um aus der jetzigen schwierigen Wirtschaftssituation gestärkt hervorgehen zu können, fordert der VDA-Präsident von der Politik "verlässliche und günstige Rahmenbedingungen". Eine Verkehrspolitik, die der Nutzfahrzeugindustrie und ihren Kunden in der schwersten Wirtschaftskrise zusätzlich milliardenschwere Belastungen aufbürde, verhindere notwendige Investitionen in neue, effiziente Transportlösungen. Statt einer seit Anfang 2009 geltenden Mauterhöhung sollte rasch über deutliche Entlastungen für die Branche nachgedacht werden. "Oberste Priorität hat dabei der Stopp der Preisspirale für die Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche durch eine sofortige Aussetzung der Mauterhöhung für mindestens ein Jahr", forderte Wissmann.

Es sei zudem bedenklich, dass trotz der Mauterhöhungen die Investitionen in die Fernstraßen nach der Mittelfristplanung bereits 2011 wieder unter den Stand von 2008 - also noch vor der Mauterhöhung - sinken werden. "Es ist dringend notwendig, die Investitionen in die Verkehrswege auf bedarfsgerechtem Niveau zu verstetigen", betonte Wissmann. Auch die in Brüssel geplanten Maßnahmen unter dem Stichwort "externe Kosten" machen ihm Sorgen: "Niemand in dieser Branche wird sich der Aufgabe entziehen, negative externe Effekte des Verkehrs, also Umweltbelastung oder Unfallzahlen, weiter zu reduzieren." Nach dem Kommissionsvorschlag würden aber vermeintliche "Kosten", die aus keinem sachlichen Grund dem Nutzfahrzeug angelastet werden könnten, zusätzlich auf die Maut aufgeschlagen. Dadurch werde eine zügige Flottenerneuerung mit modernen, besonders umweltfreundlichen Fahrzeugen, die zudem über den höchsten Sicherheitsstandard verfügen, ohne Not verhindert.

Notwendige Investitionen in neue und effiziente Transport-Lösungen dürften nicht länger behindert werden. Gleichzeitig sollten auch Unternehmen der Nutzfahrzeugindustrie - dabei handelt es sich vor allem um mittelständische, familiengeführte Unternehmen in oftmals strukturschwachen Regionen der Bundesrepublik - das Kredit- und Bürgschaftsprogramm der KfW nutzen können, auf europäischer Ebene sollten hierfür Mittel der Europäischen Investitionsbank EIB zur Verfügung gestellt werden. Wissmann sprach sich gegen protektionistische Tendenzen aus, die in einer wachsenden Anzahl von Staaten zu beobachten seien. Mechanismen, die den länderübergreifenden Warenaustausch erschweren, schadeten insbesondere Deutschland als weltweit größter Exportnation: "Ein Wettlauf um die Abschottung der nationalen Märkte würde die Erholung der Weltwirtschaft auf die lange Bank schieben", so der VDA-Präsident.

Mehr als 20 hochrangige Experten von Automobilherstellern, Zulieferern, IT-Unternehmen, aus der Politik, aus Forschung und aus Wissenschaft werden beim 8. VDA-Logistikkongress unter dem Titel "Automobile Logistik verbindet - Menschen, Unternehmen, Märkte" referieren, Praxisbeispiele vorstellen, Lösungswege präsentieren und so die verbindende Funktion der Logistik in den Mittelpunkt stellen. Zudem wird zum zweiten Mal nach 2008 in München der VDA-Logistikaward vergeben.

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