Bräunig: Deutsche Automobilindustrie verstärkt Marktpräsenz in Indien

Zulieferer erhöhen Indien-Export um 53 Prozent / Deutscher Gemeinschaftsstand in New Delhi

(PresseBox) (Berlin/New Delhi, ) "Die deutsche Automobilindustrie verstärkt ihre Präsenz auf dem Wachstumsmarkt Indien. Allein der Export deutscher Pkw nach Indien ist 2011 um gut 70 Prozent auf 25.000 Einheiten gestiegen. In den vergangenen sechs Jahren hat sich das Exportvolumen verzehnfacht. Gleichzeitig bauen die deutschen Automobilhersteller ihre Produktion vor Ort konsequent weiter aus", betonte Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der Pressekonferenz am Deutschen Gemeinschaftsstand auf der Automobilmesse Auto Expo, die bis 11. Januar 2012 in New Delhi stattfindet. Auf der Pressekonferenz sprach auch Cord Meier-Klodt, Geschäftsträger der Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Botschaft New Delhi, zu den deutsch-indischen Beziehungen. Auf dem offiziellen Deutschen Gemeinschaftsstand stellen 36 Zulieferer aus. Diese bislang höchste Beteiligung stellt einen Zuwachs um 80 Prozent dar. Hinzu kommen die Stände der deutschen Automobilhersteller und großen Zulieferer. Insgesamt sind auf der Auto Expo 75 deutsche Unternehmen mit rund 10.000 Quadratmeter Fläche in neun Hallen vertreten. Das entspricht einem Fünftel der gesamten Ausstellungsfläche der Messe. Im Deutschlandjahr in Indien bilden damit die deutschen Aussteller die größte Länderbeteiligung.

"Die deutschen Marken wachsen in Indien schneller als der Markt. Im Jahr 2011 konnten sie ihren Marktanteil gegenüber dem Vorjahr auf 5 Prozent nahezu verdoppeln", so Bräunig. Während der Gesamtmarkt um 8 Prozent auf über 2,5 Mio. Einheiten zulegte, konnten die deutschen Konzernmarken ihren Absatz um 80 Prozent auf über 120.000 Pkw steigern. Insbesondere im Premiumsegment sind die deutschen Hersteller führend: Ihr Marktanteil beträgt hier über 85 Prozent. Im Kompaktwagensegment, das rund ein Drittel des gesamten indischen Pkw-Marktes ausmacht, konnten die deutschen Konzernmarken ihren Absatz um gut 70 Prozent steigern. "Die deutschen Hersteller weiten damit ihre Marktpräsenz auch im Volumenbereich strategisch aus", betonte Bräunig.

Auch die deutschen Zulieferer profitieren von dieser Entwicklung: Im Jahr 2011 haben sie Waren und Dienstleistungen im Wert von 660 Mio. Euro nach Indien exportiert. Das entspricht einem Zuwachs von 53 Prozent gegenüber 2010. Damals lag der Exportwert bei rund 430 Mio. Euro.

"Der indische Automobilmarkt mit seinem großen Potenzial ist langfristig auf Wachstumskurs. 2011 war, aufgrund mehrerer Zinserhöhungen und höherer Benzinpreise, ein Jahr mit vergleichsweise moderatem Wachstum. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Marktdynamik wieder zunehmen wird. Bereits im Jahr 2013 kann der Pkw-Markt Indien mit 3,3 Mio. Einheiten ein höheres Volumen aufweisen als der deutsche Pkw-Markt. Und bis Ende des Jahrzehnts wird sich der Automobilabsatz in Indien auf über 5 Mio. Einheiten verdoppeln", betonte Bräunig.

In Indien leben 1,2 Milliarden Menschen. 60 Prozent von ihnen sind jünger als 30 Jahre. "Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung bildet sich eine einkommensstarke Mittelschicht heraus. Rund 2 Prozent der indischen Bevölkerung verfügen bereits über eine Kaufkraft, die die Anschaffung eines Neuwagens ermöglicht. Das ist ein Kundenpotenzial von über 20 Millionen Käufern", erläuterte Bräunig. Der Nachholbedarf ist enorm: Heute kommen in Indien 14 Autos auf 1.000 Einwohner, Anfang des nächsten Jahrzehnts werden es über 30 Autos sein. Zum Vergleich: In Deutschland sind es über 500 Pkw je 1.000 Einwohner.

Die deutschen Pkw-Hersteller sind auch in Indien mit eigenen Fertigungsstandorten präsent. In Pune werden Pkw-Modelle von Volkswagen (Polo, Vento) und Skoda (Fabia und Rapid) gefertigt. Das Werk in Aurangabad produziert die Pkw-Modelle von Audi (A4, A6 und Q5), Volkswagen (Jetta und Passat) sowie Skoda (Laura, Yeti, Superb). Ebenfalls in Pune hat Daimler seinen Standort mit CKD-Fertigung der C-, E- und S-Klasse. Das Unternehmen prüft derzeit eine Ausweitung seiner lokalen Produktionskapazitäten. In Chennai, an der Ostküste Südindiens, ist die BMW Group seit 2007 mit einem eigenen Werk präsent. Dort werden BMW 3er, 5er, X1 und X3 (jeweils Benziner und Diesel) im CKD-Verfahren gefertigt.

"Der VDA hat bereits zum vierten Mal den Deutschen Gemeinschaftsstand im Rahmen des offiziellen Auslandsmesseprogramms auf der Auto Expo in Neu Delhi initiiert, unter dem Motto 'Made in Germany'", betonte Bräunig. Der Deutsche Gemeinschaftsstand wird vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) unterstützt. Die Organisation liegt bei der Messegesellschaft IMAG. Der VDA betreut als Initiator der Beteiligung den Gemeinschaftsstand während der Messe vor Ort und steht für Geschäftsauskünfte, Kooperationsgesuche und Medienanfragen am Stand in Halle 16 bereit. Zudem unterstützt der VDA als Mitorganisator verschiedener Veranstaltungen - darunter ein Empfang in der Deutschen Botschaft - den Auftritt der deutschen Automobilindustrie in Indien.

"Gerade für Zulieferer bietet der Wachstumsmarkt Indien außerordentliche Chancen", sagte Bräunig. Dabei werde der Lokalisierungsgrad - die Fertigung vor Ort - weiter zunehmen. "Dies entspricht nicht nur den Zielen der indischen Regierung für den Aufbau einer eigenen, leistungsfähigen Automobilindustrie, sondern auch der Strategie der deutschen Automobilhersteller, die ihre Fertigung in Indien kontinuierlich steigern. Der große indische Markt lässt sich nicht allein durch Exporte aus Deutschland bedienen. Natürlich haben auch die immer noch vorhandenen Handelshemmnisse hier einen eindeutigen Einfluss", so Bräunig.

Eine große Chance - sowohl für Indien als auch für die EU - kann laut Bräunig der Abschluss des Freihandelsabkommens bieten, das derzeit mit der EU verhandelt wird. Auf beiden Seiten gebe es noch Zölle, die mit dem Abkommen vollständig abgebaut werden sollten. Allein der Pkw-Zoll in Indien betrage 60 Prozent, hinzu kommen weitere Steuern und Abgaben. "Indien ist wettbewerbsfähig und selbst zunehmend Exportstandort. Die Zölle müssen daher über ein Abkommen auf null Prozent herunter gefahren werden. Mit längeren Übergangsfristen könnte die besondere wirtschaftliche Situation in Indien berücksichtigt werden. Darauf sollten sich die Verhandlungen mit der EU konzentrieren", erklärte Bräunig. Bereits heute habe Indien einen Überschuss im Pkw-Handel mit Deutschland, der in den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 rund 92 Mio. Euro betrug. Insgesamt seien im Jahr 2011 die automobilen Importe der EU aus Indien um 14 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro gestiegen, gut zwei Drittel davon entfielen auf Pkw, rund 500 Mio. Euro auf Teile und Zubehör.

Die Sorge, dass Indien an Wettbewerbsfähigkeit einbüße, wenn es den Markt weiter öffne, sei unbegründet. Bräunig: "Ganz im Gegenteil: Die Qualität der in Indien produzierten Güter steigt stetig - auch mit Hilfe der deutschen Wirtschaft. Der indische Automobilkäufer ist qualitätsbewusst - er orientiert sich nicht an reinen Billig-Angeboten, sondern am besten Wert-Preis-Verhältnis. Von diesen Markt- und Produktbedingungen können auch deutsche Zulieferer profitieren, denn sie setzen seit vielen Jahren auf qualitativ hochwertige Innovationen", unterstrich der VDA-Geschäftsführer. Ob Elektrik (wie Scheinwerfer, Kompressor oder Klimaanlage), ob Interieur (Instrumententafel oder Mittelkonsole), ob Exterieur (Stoßfänger, Dichtungen) oder Chassis (Bremsen, Abgasanlage, Kraftstoff-leitungen) - für all diese Bereiche werden künftig zunehmend Lieferanten vor Ort beauftragt, um den "local content" und damit die Wertschöpfung in Indien zu erhöhen.

"Der deutsche Gemeinschaftsstand zeigt die große Kompetenz der oft mittelständischen Zulieferer und der Familienbetriebe", sagte Bräunig. Er erläuterte dies anhand einiger Beispiele:

So stellt der Zulieferer Brose - dessen erstes indisches Produktionswerk 2011 in Pune in Betrieb genommen wurde - in New Delhi aus seinen Produktbereichen Schließsysteme und Fensterheber Erzeugnisse vor, die speziell für den indischen Markt entwickelt wurden. Diese kosteneffizienten Produkte sind an die Umwelt- und Klimabedingungen des Subkontinents angepasst und erfüllen somit die Ansprüche auch der indischen Automobilhersteller. Zudem entsprechen sie internationalen Qualitäts- und Sicherheitsstandards und eignen sich dadurch auch zum Einsatz in Exportfahrzeugen.

Die Woco Gruppe aus Bad Soden/Salmünster - Spezialist für Akustik, Aktuatorik und Polymersysteme - präsentiert Produkte, die die Wirtschaftlichkeit, den akustischen Komfort und die Sicherheit des Automobils weiter verbessern. Woco ist weltweit tätig und hat in Indien bereits zwei Produktionsstandorte.

Die HJS Emission Technology, Menden, steht für langjährige Erfahrung und Kompetenz im Bereich der Abgasnachbehandlung. Neben Systemen für Otto-Motoren bietet HJS heute vor allem Lösungen für Dieselmotoren an - insbesondere zur Minderung von Rußpartikeln und Stickoxiden. Seit 2008 baut HJS seine Aktivitäten in Indien aus. Um an der dort stetig wachsenden Automobilindustrie teilzuhaben, hat das Unternehmen im März 2011 die Tochtergesellschaft HJS Emission Technology India Pvt. Ltd. in Bangalore gegründet. Eine Produktionsstätte ist in Delhi im zweiten Quartal 2012 geplant.

Der zum Rheinmetall-Konzern gehörende Automobilzulieferer KSPG (vormals Kolbenschmidt Pierburg) mit Sitz in Neckarsulm verstärkt ebenfalls seine Präsenz in Indien und hat die Gleitlager-Aktivitäten der Kirloskar Oil Engines Ltd. (KOEL), Pune, übernommen. Zusätzlich zu diesen Aktivitäten stellt KSPG an seinem eigenen Produktionsstandort in Pune bereits Komponenten zur Schadstoffreduzierung sowie Pumpen für die indische Automobilindustrie her.

Aus Sicht der Schaeffler AG, Herzogenaurach, ist die Präsenz in Indien auch deshalb ein "Muss", weil die Bedeutung indischer Zulieferer auf dem weltweiten Automotive-Zuliefersektor deutlich zunehmen wird. Kennzeichnend für den indischen Markt sei zudem das wachsende Bewusstsein für umweltfreundliche und effiziente Technologien, mit denen sich Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen reduzieren lassen. Auch in Indien werden die Emissionsgrenzwerte immer anspruchsvoller. Effizienzsteigernde Produkte bietet das Unternehmen im Bereich Motor, Getriebe und Fahrwerk. Gezeigt werden auf die Bedürfnisse des indischen Marktes abgestimmte Kupplungslösungen, Radlager, Getriebekomponenten und auch moderne Ventiltriebselemente. Zu den Kunden des Zulieferers zählen auch die indischen Hersteller Suzuki Maruti und Tata.

Bosch ist seit 60 Jahren in Indien präsent und beschäftigt dort rund 25.000 Mitarbeiter. In der Kraftfahrzeugtechnik stehen im Mittelpunkt der dortigen Bosch-Aktivitäten: Produkte und Technologien, mit denen Verbrauch und Emissionen weiter reduziert werden können - z. B. kostengünstige Einspritztechniken für Diesel und Benziner. Allein bei Common-Rail-Systemen für Dieselmotoren erwartet Bosch bis 2014 eine Verdoppelung der Stückzahlen für den indischen Markt. Hinzu kommen Innovationen zur Verbesserung der aktiven Fahrzeugsicherheit. Ziel von Bosch ist es, in Indien kostengünstige Komponenten und Systeme für den wachsenden Markt der Low-Cost-Fahrzeuge zu entwickeln und anzubieten.

ZF, Friedrichshafen, ist seit mehr als drei Jahrzehnten in Indien präsent, sowohl mit Joint Ventures als auch mit Lizenzpartnerschaften, und beschäftigt dort rund 3.000 Mitarbeiter. Der ZF-Produktionsstandort Pune soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden, neben Achsen und Getrieben sollen Dämpfer, Kupplungen und Chassis-Komponenten gefertigt werden.

Folgende Unternehmen sind Aussteller auf dem deutschen Gemeinschaftsstand: ACT Aerosol-Chemie-Technik GmbH, ACTech GmbH, Brose Fahrzeugteile GmbH & Co., CTP-GmbH, Edag GmbH & Co. KGaA, Felss GmbH, Ferdinand Bilstein GmbH + Co. KG, FrankfurtRheinMain GmbH, Hirschvogel Holding GmbH, HJS Emission Technology GmbH & Co., HÜCO Automotive GmbH, Hunold, iwis motorsysteme, Kapolnek GmbH, Konvekta AG, KSPG AG, Kunststoff Helmbrechts AG, Maha Maschinenbau Haldenwang GmbH & Co. KG, Marston-Domsel GmbH, Scherdel GmbH, Vierol AG, W.E.T. Automotive Systems, Weber-Hydraulik GmbH, Witte Far East Pte. Ltd., Witzenmann GmbH, Woco Industrietechnik GmbH, Wulf Gaertner Autoparts AG, Hübner GmbH, Sandeep Engineers, Pierburg GmbH, KS Kolbenschmidt, Pierburg Pumptechnology, KS Aluminium-Technology, KS Gleitlager, OBS Group und Felss Burger GmbH.

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