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Hoffnung auf verbesserte Therapien: UKE-Wissenschaftler entschlüsseln Schaltvorgänge im Erbgut

(PresseBox) (Hamburg, ) Wie wird ein Gen im Körper gesteuert? Wie setzt es Informationen um? Und welcher Zusammenhang besteht dabei etwa zur Entwicklung von Tumoren? Erkenntnisse hierzu gewannen Wissenschaftler um Steven A. Johnsen, Professor am Institut für Tumorbiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Sie hoffen damit, die Therapiemöglichkeiten von Krebs und Osteoporose zu verbessern.


Mit einem Team von Wissenschaftlern untersuchte Prof. Johnsen die Mechanismen in Zellen, die zum Beispiel über Gesundheit oder Krankheit entscheiden. "Wir sind auf eine Eigenschaft von Stammzellen gestoßen, die wir auch bei der Entwicklung bösartiger Tumorzellen beobachten", verdeutlicht Johnsen, "sie wird uns möglicherweise neue Therapieformen für die Behandlung von Krebs und anderen Krankheiten eröffnen." Nachzulesen sind die Erkenntnisse im Fachmagazin Molecular Cell vom 8. Juni 2012.

Auch Verpackung entscheidet über Inhalt

Wie können etwa Knochen- und Fettzellen über identisches genetisches Material verfügen, beide spezielle Eiweiße in typischen Mengen produzieren, aber unterschiedliche Aufgaben im Körper wahrnehmen? Die Antwort liefert die Epigenetik, die sich als Forschungsfeld der Molekularbiologie mit den Eigenschaften von Zellen befasst: Im Bauplan, also in jeder einzelnen Zelle des menschlichen Körpers mit Genen und einem Faden aus Desoxyribonukleinsäure (DNS), steuern zum einen Gene selbst diese unterschiedlichen Aufgaben. Zum anderen koordinieren bestimmte Eiweiße die Zellaufgaben: Indem sich diese Proteine an die DNS heften und ein Enzym platzieren, helfen sie, den genetischen Code abzulesen. Als chemische Anhängsel auf dem Verpackungsmaterial der DNS knipsen sie das Gen wie einen Schalter an oder aus.

Vergleichbar sind diese Prozesse mit einer embryonalen Entwicklung: Nach der Befruchtung tragen alle Stammzellen dasselbe genetische Material, nach und nach bilden sie sich zu verschiedenen Zellen mit unterschiedlichen Funktionen aus. Auch ein Gesicht besteht zwar aus demselben Erbgut; Haare, Haut, Augen und Zähne aber erfüllen einen jeweils unterschiedlichen Zweck.

H2B beeinflusst Tumorwachstum

Die Wissenschaftler um Johnsen untersuchten in diesem Zusammenhang die Stammzellen, die für die Regeneration von Knochen und Muskeln zuständig sind. Dabei beobachteten sie, dass sich dort das Protein H2B chemisch verändert, um die Lesbarkeit von bestimmten Teilen des Erbguts zu beeinflussen. "Wenn Tumore bösartig werden, findet diese chemische Veränderung seltener statt", erklärt Johnsen. "Interessanterweise erlangen Tumorzellen häufig Stammzelleigenschaften, die es erst ermöglichen, bösartige Tumore und Metastasen zu bilden. Das Beachtliche: Wir glauben, diesen Prozess auch wieder rückgängig machen zu können. Hier könnten verbesserte Therapiemöglichkeiten künftig ansetzen."

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