Energiewende - effizient und sozialverträglich

Helmholtz-Allianz: Veranstaltung mit Ministerin Schavan

(PresseBox) (Stuttgart, ) Der von der Bundesregierung 2011 beschlossene Umbau der Energieversorgung ist nicht nur von technischen Entwicklungen und Versorgungsstrukturen abhängig, sondern auch von sozialen Rahmenbedingungen. Es ist wichtig, die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Infrastrukturprojekte und das Verbraucherverhalten einzubeziehen. Dies zu tun, zählt zu den Kernaufgaben der neugegründeten Helmholtz-Allianz "Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung - Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit". Ziel der Forschung der Helmholtz-Allianz ist es, die Energiewende effizient und sozialverträglich zu gestalten. Die Universität Stuttgart wird gemeinsam mit vier Helmholtz-Zentren und weiteren Partnern die Schnittstelle zwischen den technischen und sozialen Faktoren erforschen, die den Veränderungsprozess hin zu neuen Energie-Infrastrukturen beeinflussen. Zur Gründung des dafür vorgesehenen universitätsweiten Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung hat die Uni Stuttgart am 20. Januar Wissenschaftler, Energieversorger, Energiepolitiker und die interessierte Öffentlichkeit zu einer Vorstellung der Initiative mit anschließender Podiumsdiskussion eingeladen.

"Der Umbau der Energieversorgung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, für die wir gesellschaftliche Akzeptanz brauchen. Deshalb ist sozialwissenschaftliche Energieforschung notwendig, um das Energiesystem in seiner Gesamtheit zu betrachten. Wir müssen technologische mit gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpfen. Das belegen die schon heute geführten Diskussionen um Standorte für Windkraftanlagen oder Trassen für Hochspannungsleitungen", erklärt Bundesforschungsministerin Prof. Annette Schavan im Rahmen der Veranstaltung. "Um eine zukunftsweisende Energieversorgung dauerhaft zu gestalten und die Energiewende zu stemmen, reicht es nicht, wenn die Wissenschaft technische Innovationen bereitstellt. Vielmehr müssen wir die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an auf diesem Weg mitnehmen. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat diese wichtige Schnittstelle zwischen Technik und Gesellschaft fest im Blick. Die neue Helmholtz-Allianz wird auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Energieforschung wesentliche Beiträge liefern", sagt Prof. Eberhard Umbach, der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), das die Koordination der Allianz übernommen hat. Prof. Ortwin Renn von der Universität Stuttgart, der gemeinsam mit Prof. Armin Grunwald vom KIT, Sprecher der neuen Allianz ist, kommentiert die Dringlichkeit der Forschungsinitiative: "Die Energiewende ist auf die aktive Mitwirkung der Gesellschaft angewiesen: Ohne Veränderung unseres Verbrauchsverhaltens und ohne eine aktive Unterstützung für die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen werden die von einer breiten Mehrheit getragenen Ziele der Bundesregierung nicht zeitgerecht erreicht." Die Prorektorin für Forschung der Universität Stuttgart, Prof. Sabine Laschat, ist erfreut über die erste Helmholtz-Allianz an der Universität Stuttgart: "Dies zeigt, dass unsere Uni in den Bereichen Nachhaltigkeits- und Energieforschung zu den führenden Einrichtungen gehört."

Die angestrebten Veränderungen der Energieinfrastrukturen, wie beispielsweise der beschleunigte Ausstieg aus der Kernenergie, erfordern das Zusammenspiel des technologischen und des gesellschaftlichen Wandels quer durch alle Lebensbereiche. Hier interagieren technische Systeme zur Strom-, Wärme- und Kraftstoffversorgung mit dem Verbraucherverhalten, den politischen Rahmenbedingungen und mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie zum Beispiel den demographischen Veränderungen, Lebensstilveränderungen und dem Wertewandel. Dieses komplexe Zusammenspiel ist das zentrale Thema der Helmholtz-Allianz. Um Wege eines abgestimmten Wandels für den gesamten Komplex beschreiben und diskutieren zu können, entwickeln die Forscher Szenarien des Veränderungsprozesses. Die Szenarien sollen für Politik und Gesellschaft alternative Entwicklungspfade aufzeigen, mit deren Hilfe die angestrebten Ziele technisch machbar, wirtschaftlich vertretbar und sozial verträglich erreicht werden können. Darüber hinaus beleuchten die Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen möglichen Entwicklungen bei den Energieanlagen und -infrastrukturen und den damit verbundenen Risiken und Konfliktpotenzialen.

Verbraucherverhalten ist von zentraler Bedeutung
Die Ausgestaltung der Energiewende effizient und sozialverträglich zu begleiten, ist ein wichtiges Ziel der Helmholtz-Allianz. Neben wissenschaftlicher Erkenntnis wollen die Forscher daher "Wissen zum Handeln" entwickeln und dies dann aktiv in die gesellschaftlichen Debatten, in Diskussionen der beteiligten Einrichtungen und in die Politikberatung einbringen. Die Allianz fühlt sich der Aufgabe verpflichtet, gegenüber der breiten Öffentlichkeit zum besseren Verständnis der komplexen Zusammenhänge im Energiebereich beizutragen. Zudem untersuchen die Wissenschaftler, wie die Marktintegration der Erneuerbaren Energien, Investitionen in Speichertechnologien oder zum Netzausbau die Ziele, Strategien und Optionen der beteiligten Akteure beeinflussen. Welche Rolle könnten neue soziale Bewegungen, Nichtregierungs-Organisationen und neue Firmen für die Akzeptanz und den Gebrauch neuer Technologien spielen und wie könnten sie den Innovationsprozess beschleunigen?

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Helmholtz-Allianz ist das Verbraucherverhalten. Im Fokus stehen hier die privaten Haushalte, deren Anpassung und Beteiligung an den Veränderungen der Energieinfrastrukturen von großer Bedeutung ist. Denn die Haushalte werden nicht mehr nur Verbraucher scheinbar "unbegrenzter" Energieressourcen sein, sondern sind gefordert, nachhaltig und effizient mit Energie umzugehen und ihre Energienutzung zeitlich auf das aktuelle Energieangebot abzustimmen. Gleichzeitig können sie als Erzeuger lokal produzierte Energie in die neuen Netze einspeisen.

Acht Partner beteiligt
An der Allianz beteiligen sich folgende Forschungseinrichtungen: die vier Helmholtz-Zentren Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Forschungszentrum Jülich, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Universitäten Stuttgart, Magdeburg und FU Berlin sowie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Vertreter dieser acht Projektpartner und ein Sprecher der Helmholtz Gemeinschaft beleuchten am 20. Januar im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Bedeutung der sozialwissenschaftlichen Energieforschung und des Verbraucherverhaltens bei der Gestaltung der Energiewende. Die Helmholtz-Allianz verfügt über die fünf Jahre Laufzeit bis 2016 über ein Projektvolumen von 16,5 Millionen Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert das Projekt mit insgesamt 8,25 Millionen Euro.

Weitere Informationen im Internet unter www.helmholtz.de/energieinfrastrukturen

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