Studiengänge öffnen und Qualitätsmanagement: Uni Rostock startet zwei ambitionierte Bildungsprojekte

(PresseBox) (Rostock, ) Wer billig kauft, kauft doppelt, lautet eine verbreitete Binsenweisheit. Mit anderen Worten: Qualität hat ihren Preis, zahlt sich aber aus. Und das gilt auch und vor allem für Forschung und Lehre an einer Universität. Aus diesem Grund wird an der Universität Rostock massiv in die Verbesserung und Förderung von Qualität in Forschung und Lehre investiert. Gleich zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekte sollen in Rostock die Vermittlung von Wissen an die gut ausgebildeten Fachkräfte von morgen weiter verbessern. Dazu werden in Rostock völlig neue Wege gegangen.

10 Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren in das Projekt "Qualität garantieren: Professoren, Studierende und Dienstleister im Dialog für eine kompetenz- und forschungsorientierte Lehre" (kurz: QualitätsDialog), das am 25. Januar 2012 offiziell startet. Rektor Professor Wolfgang Schareck sieht darin ein Qualitätssiegel für die Vorhaben der Universität Rostock zur Verbesserung von Studium und Lehre, also Kernkompetenzen einer Universität. Ziel ist es, ein Qualitätsmanagementsystem für Studium und Lehre in den Fakultäten zu entwickeln und einzuführen. Professor Stefan Göbel, Prorektor für Studium, Lehre und Evaluation und Projektleiter des QualitätsDialogs: "Da lohnt jeder investierte Euro".

Das Vorhaben trifft an der Universität auf breite Zustimmung. "Ich sehe vor allem Potenzial bei der Zertifizierung von Studiengängen", sagt zum Beispiel der Studiendekan der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik, Professor Christoph Woernle. Auch der Studiendekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Hans-Dieter Sill, erwartet, dass sich durch die Bildungsoffensive der Universität etwas in der Lehre ändern wird. "Dozenten werden angeregt, über ihre Lehrveranstaltungen und Ziele neu nachzudenken. Dazu ist eine kritische Selbstreflexion notwendig, um bereit zu sein, Veränderungen in Struktur und Inhalt zugunsten der Studierenden in Angriff zu nehmen."

"Das Projekt ist mit viel Engagement in den Fakultäten gestartet worden. Abläufe werden standardisiert und transparenter", hebt der Rektor hervor. Am Ende soll es auch für Studieninteressierte eine zusätzliche Motivation sein, nach Rostock zu kommen, um hier zu studieren. Projektleiter Prof. Göbel hat auch einen ganz unmittelbaren Nutzen im Sinn. Er ist überzeugt, dass die Universität Rostock sich dadurch "die richtigen Studierenden aussuchen kann und dadurch auch die in manchen Bereichen hohe Abbrecherquote sinken wird".

An der Universität Rostock wirken jetzt zumindest für die nächsten fünf Jahre 14 Qualitätsbeauftragte. Sie haben die Aufgabe, die Zusammenarbeit mit den Fakultäten zu verbessern und Probleme während des Studiums zu analysieren und abzustellen. Prorektor Göbel geht davon aus, dass das Lehrniveau durch den sich entwickelnden Wettbewerb zwischen den Fakultäten weiter wachsen wird. Jetzt will er zunächst die Frage klären, wie Qualität an einer Universität gemessen wird. "Das heißt auch, dass man sich über andere Formen der Lehre Gedanken machen muss." Fakultäten und Institute werden deshalb einen Wettbewerb ausschreiben, um die besten Projekte im Bereich der Lehre zu ermitteln. "Beides, Lehren und Lernen, soll umfassend gefördert werden", unterstreicht Göbel. Er erwartet, dass die Projekte Reformmodelle zum Gegenstand haben, die als Praxis guter Lehre verstetigt werden können.

Neu gestartet ist an der Universität Rostock zudem das Projekt KOSMOS (Konstruktion und Organisation eines Studiums in offenen Systemen), dessen Gesamtvolumen sich bis 2017 auf sechs Mio. Euro beläuft. In einer ersten Förderphase bis 2015 sind 3,4 Mio. Euro vom BMBF bereits bewilligt. Inhalt des Projektes ist das lebenslange Lernen. Einer der fünf Projektleiter ist Professor Wolfgang Nieke von der Philosophischen Fakultät, der sich mit der Entwicklung neuer Studienformate beschäftigen wird. "Wenn wir Erfolg haben, dann sind wir eine von zwei Universitäten in Deutschland, die innovative Studiengänge für nicht herkömmliche Studierende anbietet", sagt Wolfgang Nieke. "Das ist eine große Herausforderung". Die Universität Rostock wird dann auch für Menschen ihre Türen öffnen, die nicht den üblichen Bildungsweg gehen. Konkret ist ein Projekt zur Windenergie in Vorbereitung. "Auch für Frauen, die nach der Familienphase neu starten wollen, wird es Angebote geben", so Nieke. Diese Chance soll auch Bewerbern eingeräumt werden, die kein Abitur haben, beruflich aber ein Studium brauchen.

"Die Entwicklungen in Wissenschaft und Wirtschaft erfordern es zudem, dass Leute für eine bestimmte Zeit an die Universität zurückkommen, um ihr Wissen praxisbezogen erweitern zu können", sagt Professor Göbel. Das hat weit reichende Konsequenzen. Wie muss das universitäre Bildungsangebot aussehen, damit Beruf und Studium unter einen Hut gebracht werden können? Wie muss eine Hochschule, die sich so weit öffnet, organisiert sein? Dazu ist in Rostock die Diskussion eröffnet.

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