Künstlicher Darm aus Rostock soll Tierforschung erleichtern

(PresseBox) (Rostock, ) Joghurt mit verdauungsanregenden Bakterien, Margarine mit herzschonenden Fettsäuren, Süßigkeiten mit Vitaminen - die moderne Lebensmittelindustrie bringt täglich neue Produkte auf den Markt, die den Konsumenten angeblich gesünder oder wenigstens sein Leben leichter machen sollen. Hinzu kommt, dass über kurz oder lang auch immer mehr gentechnisch veränderte Produkte in die Regale finden werden. Alle neuen Stoffe müssen jedoch vor ihrer Zulassung getestet werden, unter anderem darauf, ob sie im Darm in den Körper aufgenommen oder ausgeschieden werden. Dafür sind bislang aufwändige und teure Tierversuche nötig.

Experten des Bereichs Tiergesundheit an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock um Professor Elmar Mohr arbeiten an einem künstlichen Schweinedarm, mit dessen Hilfe viele dieser Tierversuche überflüssig gemacht und Kosten eingespart werden könnten. Erstmals ist es ihnen nun gelungen, aus einer Zellkultur ein Stück Dünndarm zu züchten. Der Schweinedarm wurde ausgewählt, weil er dem des Menschen am ähnlichsten ist.

Das etwa ein Quadratzentimeter große Gewebestück besteht aus der obersten Schicht des Darms, dem Epithel. Ziel der Forschung ist es laut Mohr, ein mehrschichtiges Stück Darm zu erstellen, das genauso aufgebaut ist wie ein natürlicher Darm und auch so funktioniert. Dafür wären mindestens drei bis vier verschiedene Zellarten nötig. Dieses Ziel soll bis 2011 erreicht werden. Bereits zuvor ist es den Rostockern gelungen, die gesamte Funktionskette der tierischen Verdauung vom Maul bis zum Enddarm im Reagenzglas zu simulieren. Mit dem zweiten Schritt zur Entwicklung des künstlichen Darms ist die Universität nach Erkenntnissen Mohrs derzeit weltweit der einzige Standort, an dem eine solche Kompetenz gebündelt ist.

Vorteile der simulierten Verdauung sind laut Mohr zunächst die Kosten, die bei nur einem Viertel der Kosten von Tierversuchen liegen. Auch erlaube sie eine bessere Ursache-Wirkung-Betrachtung: Der im Labor gezüchtete Darm ist immer gleich aufgebaut, während sich Därme, die etwa aus Schlachthöfen geholt werden, von Tier zu Tier unterscheiden können. Wenn also ein Versuch bei identischem Aufbau unterschiedliche Ergebnisse hervorbringt, kann man ausschließen, dass Unterschiede bei den genutzten Därmen die Ursache sein könnten.

Die Forschung ist Teil der Initiative BioOK, die die Region Rostock-Schwerin als europäisches Kompetenzzentrum für die Analyse, Bewertung und Überwachung von agrobiotechnologischen Produkten und Verfahren etablieren will. Ziel ist dabei auch die Verknüpfung von Forschung und wirtschaftlicher Nutzung der Ergebnisse, um so Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Auch der künstliche Darm soll laut Mohr von der Rostocker Firma BIOSERV Analytik und Medizinprodukte GmbH genutzt werden. Im Oktober ist das seit 2005 laufende Projekt bis 2011 verlängert worden.

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