- Pressemitteilung BoxID 517871
Auftragsmord in der Ameisenkolonie
Forscher zeigen: Ältere Männchen lassen junge Rivalen töten
Bei der Ameisenart Cardiocondyla obscurior gibt es zwei Arten von Männchen, friedfertige Exemplare mit Flügeln und aggressive flügellose Männchen. Die flügellosen Männchen wandern durch die Kolonie und sind dabei ständig auf der auf der Suche nach schlüpfenden Jungköniginnen, mit denen sie sich paaren können, aber auch nach jungen Rivalen, die sie sofort attackieren. Ihre Mundwerkzeuge eignen sich allerdings sehr gut zum Greifen, aber nicht zum Beißen. Daher halten sie ihre jungen Gegner lediglich fest und beschmieren sie mit einer chemischen Substanz. Dieser Duft bringt die Arbeiterinnen dazu, die markierten Jungmännchen zu töten. Bis zu einem Alter von zwei Tagen sind die jungen Männchen dabei den Angriffen der älteren Ameisenmännchen schutzlos ausgeliefert. Erst dann greifen sie auf dieselbe Praxis zurück, was zu wilden Kämpfen führen kann, die nicht selten für beide Seiten tödlich enden.
Die friedfertigen Männchen mit Flügeln schützen sich vor ihren älteren Rivalen, indem sie einen Duft absondern, der dem Geruch junger Königinnen ähnelt. Dies führt zwar zu Annäherungsversuchen älterer Männchen, aber die getarnten Männchen erreichen trotzdem ähnlich hohe Paarungsraten wie ihre aggressiven Geschlechtsgenossen.
Die jungen, flügellosen Männchen haben diese Möglichkeit der chemischen Friedenssicherung nicht. Sie verraten ihre Identität schon im Puppenstadium. Dennoch warten die aggressiven älteren Männchen bis zum Schlüpfen, ehe sie die Tötung der Jungtiere in Auftrag geben. Die Forscher gehen davon aus, dass sie es nicht riskieren wollen, versehentlich eine Paarungspartnerin anstelle eines Konkurrenten zu beseitigen. Denn die chemischen Erkennungsmerkmale von Puppen sind schwieriger zuzuordnen als die Signale geschlüpfter Tiere.
Nach Ansicht der Forscher erfüllt das brutale Treiben in der Ameisenkolonie durchaus einen wichtigen Zweck. Durch die fortlaufende Produktion von flügellosen Männchen ist sichergestellt, dass beim Tod des dominanten Männchens jederzeit ein Nachfolger vorhanden ist. Da die getöteten Männchen zudem als Futter für die Larven dienen, sind die Kosten dieser artspezifischen Verhaltensstrategie für die Gesamtkolonie überschaubar.
Die Ergebnisse der Untersuchungen des Forscherteams um Prof. Dr. Jürgen Heinze vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg und Prof. Dr. Sylvia Cremer vom IST sind in der renommierten Online-Fachzeitschrift "BMC Ecology" veröffentlicht worden (DOI: 10.1186/1472-6785-12-7).
Der Original-Aufsatz unter:
http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1472-6785-12-7.pdf
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