Mensch-Maschine-Beziehung im kulturellen Vergleich

DFG-Projekt untersucht Serviceroboter in Japan und Europa

(PresseBox) (Oldenburg, ) Die Alters- und Krankenpflege wird durch die Verschiebungen des Altersgefüges in etwa 20 Jahren kaum mehr ohne den Einsatz von Robotern auskommen. Japan ist dieser Entwicklung schon voraus. Das Land gilt als führend in der humanoiden Robotik-Forschung. Die öffentliche Hand investiert dort massiv in die Entwicklung von Pflege-Robotern, die alten und pflegebedürftigen Menschen den Alltag erleichtern sollen. Was in Japan als Hilfe willkommen ist, stößt in Europa eher auf Skepsis und Abscheu. "Die Entwicklung von Servicerobotern und humanoiden Robotern im Kulturvergleich - Europa und Japan" nennt sich ein neues von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Forschungsprojekt an der Universität Oldenburg, das der Akzeptanz von Robotern als Interaktionspartner auf den Grund gehen will. Unter der Leitung der Soziologin Prof. Dr. Gesa Lindemann bemühen sich Dr. Gregor Fitzi und Hironori Matsuzaki seit Mitte September um empirisch abgesicherte Antworten.

Die Fortschritte der Robotik-Forschung, so die SoziologInnen, werfen ethische und juristische Fragen auf. So sei es noch völlig unbestimmt, in welchem rechtlichen Rahmen die Pflege bedürftiger Menschen durch Roboter umgesetzt werden könne und in welchen Grenzen sie moralisch vertretbar sei. Für die Soziologie stelle die Entwicklung humanoider Roboter eine komplexe theoretische Herausforderung dar: "Sollten die vom Menschen produzierten Maschinen zukünftig komplexe Interaktionsvorgänge beherrschen, stellt sich die Frage, ob sie mit einem 'Personen-Status' versehen werden. Sind Roboter dann vollwertige Mitglieder der Gesellschaft oder lassen sich 'Grenzen des Sozialen' feststellen, die auch intelligente Maschinen nicht fähig sind, zu überschreiten?", so Lindemann.

Das Projekt will diesen Fragestellungen empirisch nachgehen. So soll eine teilnehmende Beobachtung in europäischen und japanischen Robotik-Laboren den Umgang der EntwicklerInnen mit den neuesten Roboter-Prototypen dokumentieren. Dabei wollen die Oldenburger Forscher untersuchen, wie die WissenschaftlerInnen humanoide Roboter situativ behandeln und gleichzeitig überprüfen, ob und welchem Druck anderer Sozialsysteme - etwa aus Politik oder Recht - sie unterliegen. In diesem Zusammenhang werden sie auch die religiösen sowie kulturellen Traditionen in den Blick nehmen, die sich auf die Akzeptanz oder Ablehnung der Interaktion mit Robotern auswirken.

Dieser Aspekt wird durch die Untersuchung der Art und Weise vertieft, wie die Endbenutzer mit bereits existierenden Robotern umgehen. Diese kommen im Bereich der Müllabfuhr, der Chirurgie sowie der einfachen Unterhaltung zum Einsatz. Dabei konzentriert sich das Projekt auf die gesellschaftliche Kodifizierung der Interaktion, um festzustellen, welche menschlichen Körpereigenschaften, Ausdrucksfähigkeiten und Emotionen als Grundlage für die Entwicklung humanoider Roboter dienen.

Infos: http://www.robo-com.uni-oldenburg.de

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