Österreichischer Philosoph tritt Leibniz-Professur an

(PresseBox) (Leipzig, ) Der österreichische Philosoph Christian Kanzian lehrt im Wintersemester 2010/2011 als Leibniz-Professor an der Universität Leipzig. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Zusammenhang von Philosophie und Naturwissenschaften und beleuchtet diesen im Sinne einer "Naturalismuskritik" auch in seiner Antrittsvorlesung am kommenden Donnerstag.

Zeit: 04.11.2010, 17:00 Uhr
Ort: Rektoratsgebäude
Alter Senatssaal
Ritterstraße 26

Der Titel des Vortrags lautet "Monaden haben keine Fenster (Leibniz, Monadologie § 7) - Über die Relevanz von Modellen im interdisziplinären Gespräch". Den Ausgang nimmt der 46-Jährige bei Leibniz und dessen Verwendung von Modellen.

Diese wird systematisch analysiert und im Hinblick auf den aktuellen interdisziplinären Dialog ausgewertet. "Bei einer unreflektierten Übernahme von Modellen entstehen aus meiner Sicht Fehler", so der Philosoph. "Etwas, das im Kontext einer Wissenschaft als Modell verstanden wird, in der anderen für bare Münze zu nehmen, führt in eine Sackgasse."

Wenn aber verstanden wird, wann und wie der jeweils andere bestimmte Modelle verwendet, können diese Fehler vermieden werden. "Das ist ein Motiv für die Wahl des Themas meiner Antrittsvorlesung gewesen. Schon Leibniz, als einer der sich in mehreren Disziplinen bewegte, hat Modelle verwendet, allerdings auf eine sehr vorbildliche, differenzierte Weise." In der aktuellen Philosophie hingegen führe die falsche Verwendung von Modellen mitunter zu einer Naturwissenschaftsgläubigkeit, die teilweise skurrile Züge trage und oft in einer sehr verkürzenden Darstellung bestimmter Sachverhalte ende.

Als Aufhänger dient der sogenannte Atomismus in der aktuellen Philosophie. Dort werden unteilbare materielle Elemente als Grundbausteine betrachtet, aus denen die gesamte Wirklichkeit rekonstruiert werden könnte. Das sei, so der Atomismus, als gesicherte Lehre der Naturwissenschaft in die Philosophie zu importieren.

"Unbeachtet bleibt bei atomistischen Philosophen, dass die Physik hier mit Modellen operiert, die sehr wichtig sind nach Maßgabe der Methodik einer Einzelwissenschaft und die zur Interpretation von empirischen Fakten im Kontext einer Naturwissenschaft sehr geeignet sind. Es ist aber sehr problematisch, aus diesen in der Philosophie quasi Dinge zu machen", ist der derzeitige Präsident der Österreichischen Ludwig-Wittgenstein-Gesellschaft überzeugt. "Die Philosophie darf einem derartigen 'scientistischen'

Weltbild nicht fraglos gegenüberstehen, sondern muss dieses immer wieder kritisch reflektieren."

Kanzian wurde am 17. November 1963 in Niederösterreich geboren. Er studierte Philosophie in München und Innsbruck und promovierte zu Kants Frühschriften. Seine Habilitation legte er zur Ontologie der Ereignisse vor. Der Leibnizprofessur gingen Gastprofessuren unter anderem in Frankfurt/M., Zagreb, Ljubljana, Brixen und Klagenfurt voraus. Kanzian ist verheiratet und hat drei Kinder.

An seiner Heimatuniversität Innsbruck ist der Hochschullehrer für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät tätig. Seine Spezialgebiete sind Ontologie, Analytische Philosophie und Philosophiegeschichte der Neuzeit. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Philosophischen Anthropologie, Sprachphilosophie, Religionsphilosophie sowie der Philosophiegeschichte des Altertums und des Mittelalters.

Die Interessen Kanzians liegen ebenso in interdisziplinären Diskursen, bei Wittgenstein und in islamischer Philosophie.

Ein aktuelles Forschungsprojekt widmet sich dem Gebiet der Ontologie der Eigenschaften und beschäftigt sich mit Fragen wie: "Was sind Eigenschaften?", "Welche Unterscheidungen kann man in ihrem Bereich machen?" oder "Wie kann man Eigenschaften im Kontext einer kategorialen Ontologie positionieren?"

Die Leibniz-Professur am Zentrum für Höhere Studien

Mit der Einrichtung der Leibniz-Professur am Zentrum für Höhere Studien (ZHS) verfolgt die Universität das Anliegen, interdisziplinäre Forschung und Graduiertenausbildung zu befördern und gleichzeitig internationale Kontakte zu vertiefen. Die Leibniz-Professur ist eine Forschungsprofessur, die semesterweise mit einer oder einem führenden Gelehrten besetzt wird. Sie ist mit der Verpflichtung verbunden, Lehrveranstaltungen zu einem engeren Forschungsvorhaben für Studierende zu geben, außerdem ein auf interdisziplinäre Kommunikation gerichtetes Kolloquium mit Kollegen und Graduierten durchzuführen.

Seit der Einrichtung der Leibnizprofessur 1994 haben Physiker, Philosophen, Kulturwissenschaftler, Historiker, Literaturwissenschaftler und Linguisten, Kognitions- und Neurowissenschaftler die Leibnizprofessur inne gehabt.

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