Ehrendoktorwürde für Charles P. Slichter

(PresseBox) (Leipzig, ) Die Fakultät für Physik und Geowissenschaften der Universität Leipzig vergibt am 27. Oktober die Ehrendoktorwürde an Charles P. Slichter, Professor Emeritus für Physik und Chemie am Center of Advanced Study und Research Professor of Physics an der University of Illinois at Urbana-Champaign. Laudator wird der Nobelpreisträger für Physik, Professor Dr. K. Alex Müller, sein. Auch er ist Ehrendoktor der Leipziger Physik-Fakultät.

Zeit: 27.10.2010, 13:00 Uhr
Ort: Rektoratsgebäude
Alter Senatssaal
Ritterstraße 26

Mit der Auszeichnung werden Slichters bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der experimentellen Festkörper- und Oberflächenphysik sowie der Kern-Spin- und Elektronen-Spin-Resonanz gewürdigt. Der heute 86-Jährige hat an der Harvard University studiert und früh mit John H. Van Vleck zusammengearbeitet, der 1977 den Nobelpreis bekam. Professor Dr. Slichter erforschte dann unter Edward M. Purcell (Nobelpreis 1952 zusammen mit dem in Leipzig 1928 promovierten Felix Bloch) die Grundlagen der Elektron-Spin-Resonanz und wechselte als junger Wissenschaftler bereits 1949 an die University of Illinois, der er bis heute treu geblieben ist.

Herausragende Arbeiten aus den fünfziger Jahren sind unter anderem der Beweis und die Ausdehnung der Overhauser-Theorie (1953) der dynamischen Kernpolarisation (DNP) und die erstmalige absolute Bestimmung der elektronischen Spin-Suszeptibilität in Metallen (1954). Zudem erbrachte Slichter 1957 den ersten experimentellen Beweis einer der fundamentalsten Theorien des letzten Jahrhunderts, der BCS-Theorie der Supraleitung - einer Vielteilchentheorie zur Erklärung der Supraleitung in Metallen. Auch in den Folgejahren hat Slichter bahnbrechende Entdeckungen gemacht, die Physik und Chemie gleichermaßen betreffen. Beispiele dafür sind seine Arbeiten über Spingläser, Ladungsdichtewellen, metallische Katalysatoren und die Hochtemperatur-Supraleiter.

Professor Dr. Slichter ist ein herausragender Lehrer, was seine Schüler und sein Buch "Principles of Magnetic Resonance" belegen. Er hat höchste wissenschaftlichen Auszeichnungen erhalten, darunter den Oliver E. Buckley Condensed Matter Prize 1996 und die National Medal of Science der USA 2007. Er ist Mitglied bedeutender Akademien wie der American Academy of Arts and Sciences, der Americal Philosophical Society und der American Academy of Sciences. Weiterhin ist Slichter Ehrendoktor der Rechtswissenschaften der Harvard University sowie Ehrendoktor der Wissenschaften der University of Waterloo.

Slichter war auch wissenschaftspolitisch aktiv, unter anderem von 1965 bis 1969 als wissenschaftlicher Berater des Präsidenten der USA von 1965 bis 1969. Er hat 25 Jahre lang die Geschicke der Harvard University maßgeblich mitbestimmt, 15 Jahre als Vorsitzender der Corporation Harvard University. Er war 27 Jahre Direktor der bekannten Polaroid Corporation und Berater verschiedener global tätiger Firmen wie beispielsweise von Texas Instruments, Schlumberger und IBM. Charles P. Slichter genießt höchstes Ansehen in der Wissenschaft.


Die Verbindungen von Charles P. Slichter nach Leipzig sind vielfältig. Sie gehen zurück auf den Leipziger Chemie-Nobelpreisträger Peter Debye, dessen 1928 erschienenes Buch "Polar Molecules" auch für Slichter ein prägender Text war. Während der DDR-Zeit gab es kaum persönliche Kontakte, stattdessen einen Austausch durch die internationale Literatur. Die von Slichter eingeführten kohärenten Spektrometer wurden auch in Leipzig gebaut. Später gab es einen besonderen Kontakt zu einem seiner ehemaligen Mitarbeiter, Professor Sir Peter Mansfield aus England. Er hatte Leipzig in einer Zeit besucht, als er fundamentale Ideen zur Bilderzeugung mit Kernresonanz hatte, für die er 2003 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt wurde. Vor vier Jahren bekam Mansfield die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Physik und Geowissenschaften. Zu diesem Akt kam auch Slichter nach Leipzig.

In den späten achtziger Jahren führte eine andere Verbindung zu neuen Gemeinsamkeiten Slichters mit Leipziger Forschern. Es war die Entdeckung der Hochtemperatur-Supraleitung durch George Bednorz und K. Alex Müller (Zürich), für die beide 1987 den Nobelpreis für Physik bekamen. Sie brachte der Forschung in den Materialwissenschaften einen großen Schub. Fieberhaft wurde und wird heute noch an diesen und ähnlichen Materialien geforscht, insbesondere auch mit der Kernresonanz, die häufig von Slichter und Forschern in Leipzig angewandt wird.

Professor Alex Müller ist nach eigenem Bekunden ein Verehrer von Charles P. Slichter. Deshalb wird er die Laudatio für den renommierten Physiker halten.

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