Wie viel Technik verträgt die Pflege?

Nach Tagung: Arbeitsstelle für Theologische Ethik und Anthropologie der Universität Bayreuth wird Forschungsantrag stellen

(PresseBox) (Bayreuth/Hannover, ) Im Hanns-Lilje-Haus in Hannover fand jetzt eine Tagung statt, die ethische Fragen der technischen Assistenz im Bereich von Pflege und Medizin zum Thema hatte. Zu der Tagung, die von der Hanns-Lilje- Stiftung finanziert und in Kooperation mit der Arbeitsstelle für Theologische Ethik und Anthropologie der Universität Bayreuth veranstaltet wurde, waren Experten aus Natur- und Geisteswissenschaften, aus der Praxis und Politik geladen. Das Ergebnis: 2011 soll ein Forschungsantrag gestellt werden, damit künftig die Frage, wie viel Technik Pflege am Menschen verträgt, noch intensiver bearbeitet werden kann.

Ambient-Assisted-Living lautet die Formel, mit der eine große Bandbreite von technischen Hilfen für den häuslichen Bereich benannt werden, die es kranken, alten oder hilfebedürftigen Menschen erlauben sollen, möglichst lange und eigenständig zu Hause zu leben. Diese Hilfen reichen von einfachen Abschaltvorrichtungen für elektrische Geräte, für das Wasser oder die Heizung bis hin zu aufwändigen Überwachungsanlagen, die die Vitalparameter und Lebensweise des Menschen kontrollieren und abweichende Werte an ein medizinisches oder pflegerisches Zentrum übermitteln.

Die Miniaturisierung und Vernetzung in der Technik erlaubt es zunehmend, Behandlung und Betreuung, die bisher nur im Krankenhaus möglich waren, in den häuslichen Bereich zu verlegen. Das spart nicht nur Kosten, sondern erhöht auch die Lebensqualität der Patienten. "Es wirft aber auch Fragen auf nach der Reichweite und Berechtigung von Kontrolle, nach dem Eindringen in die Intimsphäre von Menschen, nach der Sicherheit der hierfür erhobenen Daten", sagt Privatdozent Dr. Arne Manzeschke, Leiter der Arbeitsstelle für Theologische Ethik und Anthropologie der Universität Bayreuth. Neben den Konsequenzen, die sich aus der Anwendung einer einzelnen Technik ergeben, stand bei der Tagung deshalb auch die Frage nach dem großen Ganzen zur Debatte: Welche Gesellschaft schaffen wir, wenn wir menschliche Tätigkeiten wie Pflege und Sorge zunehmend durch technische Geräte ersetzen - haben wir angesichts von Pflegenotstand und steigender Gesundheitskosten überhaupt eine Alternative? "Umgekehrt wurde aber auch betont, welche Chancen und Freiheitsgewinne sich durch solche technische Assistenz für Menschen bietet, die in ihrer Mobilität, Selbständigkeit und Teilhabe an der Gesellschaft deutlich gestärkt werden", berichtet Manzeschke.

Die intensive Arbeit der Expertenrunde zielt auf die Erarbeitung von Handlungs- empfehlungen im Umgang mit dieser Technologie und hierbei insbesondere für die Beratung von Nutzern ab. Sie wird ihre Fortsetzung in einer ständigen Arbeits- gruppe unter dem Dach der Akademie für Ethik in der Medizin finden. Im kommenden Jahr sollen ein Forschungsantrag gestellt sowie ein Symposium durchgeführt werden.

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