Darwins REvolution, die Dritte: Ursprungsphantasien und Züchtungsträume

(PresseBox) (Augsburg, ) Am kommenden Montag spricht der Berliner Literaturwissenschaftler Peter Sprengel im Colloquium Augustanum über den Darwinismus in der deutschsprachigen Literatur um 1900.

Im dritten Vortrag der Colloquium Augustanum-Semesterreihe "Darwins REvolution" spricht am kommenden Montag, dem 29. Juni 2009, der Berliner Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Peter Sprengel zum Thema "Ursprungsphantasien und Züchtungsträume: Darwinismus in der deutschsprachigen Literatur um 1900". Die Veranstaltung beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaal III des Großen Hörsaalzentrums (Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg). Der Eintritt ist frei.

Zum Vortrag:

Die Spuren der Auseinandersetzung mit Darwins Evolutionslehre und den Konsequenzen, die sich daraus für die Abstammung des Menschen ergaben, ziehen sich durch weite Teile der deutschsprachigen Literaturgeschichte und betreffen mehrere Generationen.

Während im Realismus der Schock über die These von einem (oft kämpferisch missverstandenen) "Kampf ums Dasein" und die neue "Affenverwandtschaft" vorherrscht (Beispiele: Raabe, Busch, Sacher-Masoch), stehen für die Vertreter des Naturalismus (Holz, Schlaf, Hauptmann) und des Friedrichshagener Kreises (Bölsche, Hart) die positive Sicht auf die Verbundenheit des Menschen mit der ganzen Welt im Zeichen des Monismus und die Aufwertung der natürlichen Sexualität im Vordergrund. Die von Haeckel und Bölsche geförderte teleologische Ansicht der Evolutionsgeschichte führt auch zu verschiedenen Perspektiven auf die "Züchtung" eines "neuen" oder "Übermenschen" (Nietzsche).

Solchen optimistischen Zukunftshoffnungen tritt allerdings in der expressionistischen Literatur (Benn, Robert Müller) vielfach die Sehnsucht nach einer Regression in frühe Entwicklungsstadien oder die Vision eines neuen Barbarentums gegenüber, die sich in Döblins Roman "Berge, Meere und Giganten" mit Horrorvorstellungen von neuen Züchtungen und anorganisch-pflanzlich-tierischen Hybridwesen verknüpft.

Zum Vortragenden:

Prof. Dr. Peter Sprengel, geb. 1949, Studium der Germanistik und Klassischen Philologie (Gräzistik) in Hamburg und Tübingen. Promotion 1976, Habilitation 1981. Wissenschaftlicher Assistent Technische Universität Berlin (1976 - 1982), Heisenberg-Stipendiat (Vertretung von Professuren in Stuttgart 1982/83 und München 1985/86), Professor Universität Erlangen (1986 - 1989), Universität Kiel (1989/90), o. Professor FU Berlin (seit 1990), lehrt Neuere deutsche Literatur am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie. - Werkauswahl: Der Dichter stand auf hoher Küste. Gerhart Hauptmann im Dritten Reich.
Berlin: Propyläen 2009; Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900
- 1918. Von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.
München 2004 (= de Boor/Newald: Geschichte der deutschen Literatur IX/2); Herausgeberschaften: (zus. mit Jaap Grave und Hans Vandevoorde)
Anarchismus und Utopie in der Literatur um 1900. Deutschland, Flandern und die Niederlande. Würzburg 2005; (zus. mit Joanne McNally) Hundert Jahre Kabarett. Zur Inszenierung gesellschaftlicher Identität zwischen Protest und Propaganda. Würzburg 2003.

Zwei weitere Vorträge:

Ebenfalls jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaal III des Großen Hörsaalzentrums finden auch die zwei weiteren Vorträge in der Reihe "Darwins REvolution" des Instituts für Europäische Kulturgeschichte statt:

13. Juli 2009
"Sozialdarwinismus": Zur Evolution einer wissenschaftlichen Ideologie (Prof. Dr. Christian Geulen, Koblenz-Landau)

20. Juli 2009
Darwin und kein Ende. Zur philosophischen Aktualität der Evolutionstheorie (Prof. Dr. Christian Illies, Bamberg)

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