1890 - 2012: The Right to Privacy - das Recht auf Privatheit, Warren/Brandeis - übersetzt von der Leitung des ULD

(PresseBox) (Kiel, ) Marit Hansen und Thilo Weichert: "Der Datenschutz in der Online-Welt zum Jahreswechsel 2011/2012 lässt grüßen bei der Lektüre des Artikels 'The Right to Privacy' von Samuel D. Warren und Louis D. Brandeis, veröffentlicht im Jahr 1890 im Harvard Law Review: Die beiden US-amerikanischen Autoren, einer Rechtsanwalt, der andere später Richter am Supreme Court, dem höchsten US-Gericht, wenden ihr damaliges Common Law an gegen die ungenierte Nutzung von Photografie und Presse, bei der das 'Recht, das Leben zu genießen - das Recht in Ruhe gelassen zu werden' auf der Strecke zu bleiben droht. Heute wenden Datenschutzbehörden in Europa ihr kontinentaleuropäisches Recht an gegen eine ungenierte Nutzung von Kommunikationsnetzen durch Apple, Facebook, Google & Co., bei der die Online-Aktivitäten der Nutzenden beobachtet werden und die Privatheit vieler Menschen unfreiwillig in die Öffentlichkeit gelangt.

Die heutige Situation weist bemerkenswerte Parallelen zur Schilderung von Warren und Brandeis auf: Auch damals verfolgten viele Anwender mit den neuen Technologien das profane Interesse, ein Geschäft mit den persönlichen Daten anderer Menschen zu machen, und dabei ignorierten sie oft ein grundlegendes Bedürfnis der Menschen - das auf Privatheit. Damals wie heute ist das Recht ein wesentliches Instrument zur Verteidigung dieses Bedürfnisses, der informationellen Ausbeutung anderer vernünftige Grenzen zu setzen. Warren und Brandeis begründeten damals unser modernes Verständnis von Privatheit, das keineswegs mit einem Abwehren aller Kommunikation oder Datenverarbeitung gleichzusetzen ist, wie das vielzitierte 'Right to be let alone' oft verkürzt interpretiert wird. Heute folgen wir Datenschützer und Datenschützerinnen den Spuren dieser Pioniere, um der globalen Herausforderung für die Privatheit durch die elektronische Vernetzung gerecht zu werden, das Recht auf Privatheit international zu etablieren und ihm die notwendige Geltung zu verschaffen und zugleich die Informationstechnik zum Nutzen von Demokratie und Bürgerrechten einzusetzen.

Für uns Datenschützer und Datenschützerinnen ist erstaunlich, dass in Deutschland - mit seiner ausgeprägten Datenschutzkultur - bis heute keine uns bekannte Übersetzung des grundlegenden Werks von Warren und Brandeis vorlag. Dies brachte uns dazu, das Überfällige zu tun: diesen Grundlagentext zu übersetzen und ihn der deutschsprachigen Datenschutzszene - sozusagen als Weihnachtsgeschenk oder als Besinnungslektüre für den Jahreswechsel 2011/2012 - zur Verfügung zu stellen. Für uns Datenschützer und Datenschützerinnen bleibt erstaunlich, dass die Inspirationen des Texts von Warren/Brandeis heutzutage so wenig in den USA aufgegriffen werden, kommen doch wesentliche Bedrohungen für das Recht auf Privatheit von der Politik und der Wirtschaft des Heimatlands dieser beiden Autoren. Zugleich ist der Text von Warren/Brandeis für uns eine Ermutigung, mit denjenigen in den USA - wie überall auf der Welt - den Schulterschluss zu suchen, denen das Bewahren und Voranbringen des Rechts auf Privatheit in unserer globalen Informationsgesellschaft ein zentrales Anliegen ist."

Die Übersetzung mit Fußnoten sowie Anmerkungen zu dem Text finden Sie unter https://www.datenschutzzentrum.de/allgemein/20111219-Warren-Brandeis-Recht-auf-Privatheit.html

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