Traggerüstpremiere für neue Schwerlaststütze S 150

Brückenschlag an der Oder: Vormontage verhinderte lange Vollsperrung

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Sie ist fertig: die neue Eisenbahnbrücke zwischen Deutschland und Polen, die in Frankfurt über die Oder führt. Mitte Dezember ist die 443 m lange neue Bogenbrücke nach nur zehn Monaten Bauzeit in Betrieb gegangen. Doch erst kurz zuvor verschwand exakt an gleicher Stelle die alte, marode Brückenverbindung, die den Eisenbahnverkehr noch bis Mitte Oktober aufrecht erhalten hatte. Wie das funktionieren kann? Die beiden Stahlbeton-Überbauten der Vorlandbrücken und auch der Stahlbogen wurden vorgefertigt und erst kurz vor Ende der Baumaßnahme in Position gebracht. Wesentlich am Gelingen beteiligt waren ein durchdachtes Hydraulik-Verschiebekonzept und leistungsfähige Traggerüste auf Basis einer neuartigen Schwerlaststütze - beides stammt aus dem Hause RöRo Traggerüstsysteme.

Als "ingenieurtechnische Meisterleistung" bezeichnet Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee den Brückenneubau, der ein wesentliches Nadelöhr auf der Fernstrecke Paris-Berlin-Warschau-Moskau beseitigen soll. Als Maxime für die Bauarbeiten galt vor allem eines: Die Vollsperrung der Strecke sollte auf knapp zwei Monate begrenzt werden. Deshalb war es nötig, während des Neubaus wenigstens eine der beiden an identischer Stelle verlaufenden alten Eisenbahnbrücken so lange wie möglich zu erhalten. Ihr Abriss erfolgte erst kurz vor Inbetriebnahme der neuen Brücke.

Weil also die alte Brücke dem Neubau während nahezu der kompletten Bauphase im Weg war, haben die Brückenbauer alle Potenziale einer möglichen Vorfertigung ausgeschöpft. Der 104 m lange Stahlbogen für die Brückenmitte wurde beispielsweise am Ufer vormontiert und erst als letztes, schließendes Brückenteil "eingeschwommen", also auf Pontons verladen, zur Flussmitte gebracht und dort mit den Vorlandbrücken verbunden.

Auch für die Spannbeton-Überbauten der beiden Vorlandbrücken, die an den stählernen Bogen in Brückenmitte anschließen und auf beiden Seiten das Überschwemmungsgebiet der Oderwiesen queren, hat man sich eine spezielle Fertigungsweise einfallen lassen. Die Überbauten sind auf speziellen Traggerüstkonstruktionen entstanden, die direkt neben dem alten Viadukt entlang der neu gebauten Brückenpfeiler verlaufen. Nach dem Abriss der noch störenden alten Brückenteile sind die Brückenteile dann am 6. und 8. November angehoben und seitwärts in ihre Endposition auf die Pfeilerachsen verschoben worden (s. Infotext).

Sowohl die Traggerüste zur Herstellung der beiden 128 m (polnische Seite) bzw. 206 m langen Überbauten wie auch deren hydraulisches Verschieben lagen in den Händen des Wuppertaler Unternehmens RöRo Traggerüstsysteme. Beide Aufgaben zählen zu den Spezialitäten der Experten für Vorschubtechnik, Traggerüstbau und Hydraulik. Beim Frankfurter Brückenbau stellten sie einmal mehr ihre Ingenieurkompetenz unter Beweis: Erstmalig wurde das von RöRo entwickelte neue Stützensystem S 150 in großem Stil eingesetzt und brachte - trotz des enorm hohen Anspruchs der Aufgabenstellung - deutliche Zeit- und Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Verfahren.

Premiere für Stützeninnovation S 150

Die neue Schwerlaststütze für bis zu 140 Tonnen Last bietet im Traggerüsteinsatz deutlich mehr Flexibilität als die sonst für diesen Einsatzzweck verwendeten Stützen. Bei der Traggerüstmontage für die Oderbrücke brauchten beispielsweise keine Stützjoche aus einzelnen Schwerlaststützen und Rohren montiert zu werden. Beim Stützensystem S 150 sind die erforderlichen Querverbände bereits fest eingeschweißt. In Längsrichtung können die Stützen bis zu Höhen von 18,50 m als freistehende Pendelstütze eingesetzt werden.

Die Experten aus Wuppertal sind sich sicher, mit der neuen Stütze einen großen Wurf gelandet zu haben. "Wir haben in diese Stützeninnovation unsere ganze Traggerüst-Erfahrung der letzten 20 Jahre einfließen lassen. Sie bietet so viele sinnvolle Finessen und Details, wie kein anderes System und ist außerdem die einzige dieser Art, die eine Typenprüfung für viele verschiedene Einsatzfälle besitzt", erzählt RöRo-Chef Dipl.-Ing. Rainer Rix. Seiner Meinung nach vereint die neue Stütze konsequent all jene Eigenschaften, die sich Traggerüstbauer für die alltägliche Praxis schon immer gewünscht haben: Neben ihrer hohen Tragfähigkeit bietet sie beispielsweise serienmäßig Möglichkeiten zum Abspindeln und zum stufenlosen Einstellen der Höhe, lässt sich unter Volllast ohne hydraulische Hilfe absenken, besitzt unverlierbare Schrauben und auch eine eingebaute Ladesicherung - um nur einige der vielen Details zu nennen.

Natürlich hat der neue Kraftprotz seinen Preis, denn die einzelnen Bauteile der Stütze bestehen aus hochwertigem Material; Absenkkeil und Kopfstück sind beispielsweise Maschinenbauteile und damit die teuersten Teile der Stütze. Doch der relativ hohe Anschaffungspreis wird sich rechnen: durch lange Lebensdauer, Montagezeit- und Materialeinsparungen. "Bei der Oderbrücke hätten wir sogar noch ein wenig mehr Material einsparen können, wenn wir von Beginn an mit der neuen Stütze hätten planen können. Aber da stand die Typenprüfung noch aus", erklärt Rainer Rix. Er ist sichtlich stolz auf das Wuppertaler "Baby": "Diese Stütze sichert die Zukunft unseres Unternehmens."

Hintergrundinformationen zum hydraulischen Verschieben der Überbauten:

Der 9 m lange seitliche Verschub der beiden 128 m (Ostufer) bzw. 206 m (Westufer) langen Überbauten erfolgte an vier bzw. sechs Achsen auf Streifenfundamenten mit seitlichem Kantenschutz (einbetonierte Winkelprofile). Die Verschubschlitten bestanden aus U-350-Profilen mit eingeschweißtem V2A-Blech. Auf den Fundamenten dienten gefettete Taktschiebeplatten als Gleitpaar zum V2A-Blech. Der Überbau wurde zunächst zum Einbau der Taktschiebeplatten achsweise geringfügig angehoben. Die Hebung erfolgte mit hydraulischen Stellringzylindern (Hubkraft: ca. 2 MN bei 400 bar). Anschließend erfolgte das eigentliche Meisterstück: das schwere Bauwerk mit Hilfe einer rechnergestützten Synchronhubanlage an allen Verschubachsen gleichmäßig zu verschieben. Der verantwortliche RöRo-Bauleiter und Koordinator Heinz G. Brandt: "Selbst bei einem Ausfall der Regelung hätten wir den Überbau auch manuell weiter verschieben können." Der Antrieb erfolgte in jeder Achse mit einem doppelt wirkenden hydraulischen Zylinder und einer Schubkraft von 400 kN bei einem Hub von 80 cm. Die Verschubkräfte wurden dabei in den jeweiligen Verschubbock des Fundamentes eingeleitet. Nach erfolgtem Hub wurden die am Überbau montierten Zylinder eingefahren und der Freiraum zum Verschubbock mit einem Mittelstück der Schwerlaststütze P 40 geschlossen. Nach sechs Meter seitlichem Verschub wurde der Stützenstrang mit einem Rohr-Kupplungs-Verband gegen Ausknicken gesichert. Nach Erreichen der Endlage wurden die Überbauten zum Ausbau der Verschubschlitten achsweise angehoben und auf die Stellringe der Zylinder abgesenkt. In nur 3,5 bzw. 5 Stunden Verschubzeit gelangten die Überbauten in ihre Endposition.

Die RöRo Traggerüstsysteme, ein Geschäftsbereich der ThyssenKrupp Bauservice GmbH, zählt zu den führenden Unternehmen im Ingenieurbau in Deutschland. Produkte und Dienstleistungen der Firma tragen zu sicheren und wirtschaftlichen Bauabläufen vornehmlich im Brückenbau, aber auch beim Schutz historischer Fassenden bei. Angefangen bei der technischen Beratung über Transport und Montage der Systeme bis hin zur Ausarbeitung von Sondervorschlägen.

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