"Motiviert, kompetent - chancenlos?"

Gründerinnen mit Migrationshintergrund

(PresseBox) (Dortmund, ) Der Wunsch nach Selbstständigkeit ist bei Frauen mit Migrationshintergrund stark ausgeprägt. Trotzdem ist die Gründungsquote von Migrantinnen nach wie vor deutlich geringer als deren Gründungsneigung. Derzeit wird nur jedes vierte Unternehmen von Frauen ge-gründet. Bei Migrantinnen ist die Quote noch einmal um ein Drittel geringer. Gründe dafür sucht zurzeit ein Forscherteam der TU Dort-mund. Im Rahmen der internationalen Tagung "Motiviert, kompetent - chancenlos?", auf der die Resultate des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts "Unternehmensgründungen durch Migrantinnen" präsentiert wurden, stellte das Team ebenfalls seine Ergebnisse vor.

Gerade der Migrationshintergrund bringt unternehmerische Vorteile mit sich, wie beispielsweise sprachliche und kulturelle Kompetenzen. Obwohl also Existenzgründungen durch Migrantinnen sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes Deutschland als auch für die Integration von Migrantinnen von großer Bedeutung sind, gibt es auf die Frage nach den Ursachen dieser Gründungszurückhaltung nur wenige gesicherte Erkenntnisse.

An dieser Stelle setzt das Projekt "Unternehmensgründungen durch Migrantinnen" ein, das von der Technischen Universität Dortmund in Zusammenarbeit mit der WWU Münster, der Stiftung Zentrum für Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen, der gaus gmbh - medien bildung politikberatung Dortmund sowie der Unique - Gesellschaft für Arbeitsgestaltung, Personal- und Organisationsentwicklung mbH Berlin, durchgeführt wird. Seit Oktober 2006 wird das Projekt vom BMBF im Themenschwerpunkt "Power für Gründerinnen - Maßnahmen zur Mobilisierung des Gründungspotenzials von Frauen" gefördert. Ziel ist die Unterstützung von Gründerinnen mit Migrationshintergrund. Um die Probleme bei Existenzgründerinnen und die Wirkung des Migrationshintergrundes für das Gründungspotenzial und den faktischen Gründungsverlauf von Unternehmen zu analysieren wurden mehr als 300 Gründerinnen befragt. Dabei wurden neben sozialen und kulturellen insbesondere auch geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigt. Im Fokus standen dabei Migrantinnen türkischer und polnischer Herkunft in den Regionen Berlin und Ruhrgebiet. Darüber hinaus begleitete und beriet das Forscherteam mehr als ein Dutzend konkreter Gründungsvorhaben von Frauen mit Migrationshintergrund.

Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Rahmen der Tagung "Motiviert, kompetent - chancenlos?" der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Im Austausch mit den "Betroffenen" wurden die unterschiedlichen Facetten des Gründungsgeschehens diskutiert. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt mit welchen Konzepten und mit welchen Instrumenten die Gründungsberatung zu einer Erhöhung der Gründungsquote von Frauen mit Migrationshintergrund beitragen kann.

Dr. Ute Fischer von der TU Dortmund ging in dem Zusammenhang auf die Rolle von Beratern und Beraterinnen im Gründungsprozess ein. Sie verdeutlichte, dass eine fallspezifische Beratung einem zielgruppenspezifischen Beratungsansatz vorzuziehen sei. Die beiden Arbeitswissenschaftler Georg Ciesinger (gaus gmbh, Dortmund) und Dr. Rüdiger Klatt (TU Dortmund) erklärten, dass es inzwischen erfolgreich erprobte Instrumente zur Beratung von Gründerinnen mit Migrationshintergrund gibt. Im Rahmen des Projektes wurde zum Beispiel ein "Gründungs-Wiki" entwickelt, in dem sich Gründerinnen über ihre Erfahrungen austauschen können, sowie ein Instrument zur Selbstbeurteilung der Gründungskompetenzen, mit besonderer Berücksichtigung interkultureller Kompetenzen.

Zugleich gingen sie auf ein häufig zu erkennendes Missverhältnis zwischen tatsächlichen Gründungsvoraussetzungen und selbst gesetzten Gründungszielen der angehenden Unternehmensgründerinnen ein. "Ein Grund für die überdurchschnittlich hohe Gründungsneigung ist eine häufig gefühlte oder real vorhandenen doppelte Diskriminierung in der Arbeitswelt, nämlich als Frau sowie als Migrantin. Die Migrantinnen sehen infolgedessen keine Chancen auf beruflichem Erfolg an ihrem Arbeitsplatz und gehen deshalb in die Selbständigkeit," so Klatt. Der Forscher verdeutlichte weiter, dass die außergewöhnlich hohe Gründungsneigung eigentlich eine gute Voraussetzung für Gründungserfolg sei, dass aber eine schlecht vorbereitete "Selbständigkeit um jeden Preis" das Risiko des Scheiterns erhöht.

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