Mobilfunknetze aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers

Von der ersten Planung bis zum Abriss: Professur Unternehmensrechnung und Controlling der TU Chemnitz hat ein Modell entwickelt, um die Kosten zu ermitteln, die Funkstationen - auch über ihren Bau hinaus - verursachen

(PresseBox) (Chemnitz, ) "Telekommunikationsnetze, beispielsweise für den Mobilfunk, sind in den vergangenen 15 Jahren in rasantem Tempo flächendeckend ausgebaut worden", sagt Romy Lindner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur Unternehmensrechnung und Controlling an der TU Chemnitz, und ergänzt: "Auch zukünftig sind milliardenschwere Investitionen für den Umbau sowie den weiteren Auf- und Ausbau zusätzlicher Netzinfrastrukturen zu erwarten." Bislang drehe sich bei der Entscheidung, wo und wofür investiert wird, fast alles um die Anschaffungskosten - also den Preis für die Planung, Errichtung und Inbetriebnahme von Funkstationen und -netzen. Kaum Beachtung fänden die Folgekosten, die beim Betrieb der Anlagen anfallen - vom Energieverbrauch über die Wartung und Reparatur bis hin zu Umbauten. Vielmals würden diese Folgekosten sogar die Anschaffungskosten der Anlagen übersteigen, könnten aber während der Betriebsphase nur sehr begrenzt beeinflusst werden. "Das ist wie bei dem Kauf eines Kühlschrankes, dessen Energieverbrauch erst während der Nutzung anfällt und zu Kosten führt. Die Höhe dieses Energieverbrauchs muss durch die Wahl der Energieeffizienzklasse aber bereits bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Eine Einflussnahme auf den Verbrauch des einmal erworbenen Gerätes ist nur noch eingeschränkt möglich", erklärt Lindner. Diese Überlegung übertragen die Professur Unternehmensrechnung und Controlling der Technischen Universität Chemnitz und die MUGLER AG auf Funkstationen und Funknetze und gehen dabei vor allem einer Frage nach: Wie können bestehende und zukünftige Funknetze so entwickelt, geplant, errichtet, instand gehalten, erweitert, betrieben und letztlich rückgebaut und entsorgt werden, dass die Kosten insgesamt minimal sind?

Dazu haben die Wissenschaftler die Lebenszyklusrechnung - ein Instrument aus dem Kostenmanagement - an die Gegebenheiten von Funkstationen und Funknetzen, speziell des Mobilfunks, angepasst. "Mittels Lebenszyklusrechnungen werden die gesamten während des Lebenszyklus eines Objektes anfallenden Kosten ermittelt, analysiert und gestaltet.", so Lindner. Die Wirtschaftswissenschaftler haben zunächst alle Kostenpositionen, die im Leben einer Funkstation anfallen, zusammengestellt: "Diese Kosten reichen von der Initiierung über die Planung, Realisierung und den Betrieb bis zur Stilllegung einer Anlage. In der Betriebsphase fallen beispielsweise Kosten für den Energieverbrauch, für die Wartung, für Umbau und Erweiterung ebenso an wie solche für die Miete von Grundflächen, auf denen Funkstationen stehen", zählt Lindner auf. Addiert man die Kostenpositionen aller Phasen, erhält man die Lebenszykluskosten. Anhand dieser lässt sich beispielsweise die Wirtschaftlichkeit verschiedener Bauvarianten einer Funkstation vergleichen. "Wir arbeiten daran, ein System zu entwickeln, mit dem die Berechnung dann individuell für jede Funkstation durchgeführt werden kann", fasst Lindner zusammen.

Die Chemnitzer Wissenschaftler können auf Grundlage ihres Systems nun Empfehlungen für das Vorgehen bei Standortakquise, Planung und Konstruktion, Instandhaltung, Erweiterung und Mehrfachnutzung von Anlagen ableiten und Hinweise geben, wo sich Kosten senken lassen. Außerdem haben sie herausgefunden, welche Informationen nötig sind, um Lebenszykluskosten zu ermitteln und gezielt beeinflussen zu können. "Auf dieser Basis könnte beispielsweise eine Software entstehen, die zukünftig Unternehmen und Behörden hilft, fundierte Kostenanalysen und Kostenoptimierungsrechnungen durchzuführen und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten", sagt Lindner und ergänzt: "Hierfür suchen wir noch entsprechende Kooperationspartner."

Das Projekt "Statistische Standortanalyse und Lebenszykluskostenoptimierung der Infrastruktur von Funknetzen" wurde bis Ende 2009 für zwei Jahre von der Europäischen Union gefördert. Während ihres Dissertationsvorhabens bearbeitet Romy Lindner das Thema weiter. Die Zusammenarbeit mit der MUGLER AG setzt die Professur Unternehmensrechnung und Controlling derzeit zudem im Rahmen einer weiteren Promotion fort, die aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird.

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