Harmonie, Streit oder das ganz normale Chaos der Liebe

Soziologen der TU Chemnitz veröffentlichen Ergebnisse eines Forschungsprojektes zu Entwicklungsprozessen von Partnerschaften

(PresseBox) (Chemnitz, ) Wie entwickeln sich Partnerschaften heute? Folgen sie Entwicklungspfaden und Verfestigungsmustern oder herrscht das ganz normale Chaos der Liebe, in dem sich Partner ihre Beziehung eigenwillig gestalten? Diese und ähnliche Fragen standen 2007 am Beginn eines Forschungsprojektes zu Entwicklungsprozessen von Partnerschaften am Institut für Soziologie der Technischen Universität Chemnitz, an dem mehr als 600 Paare aus der Region beteiligt waren. Dessen wichtigste Ergebnisse, die einen wichtigen ersten Schritt hin zu einem Verstehen partnerschaftlicher Verfestigung liefern, sind nun in Buchform erschienen.

"Partnerschaften unterliegen auch heute noch einer Logik trotz des zeitlichen Auseinanderfallens einiger wichtiger Schritte im Rahmen der Paarentwicklung - wie etwa das erste Kennenlernen, der Beginn einer sexuellen Beziehung, das Zusammenziehen, die Familiengründung und die Eheschließung", sagt Prof. Dr. Johannes Kopp, Inhaber der Professur für empirische Sozialforschung an der TU. Neben einer Vorstellung des Partners bei Eltern und Freunden und dem Liebesbekenntnis bilde die Veralltäglichung etwa durch das Deponieren von Gegenständen in der jeweils anderen Wohnung, dem Austausch der Wohnungsschlüssel und Gesprächen über das Zusammenziehen die nächste Stufe.

"Verfestigungsprozesse müssen also wesentlich feiner differenziert werden, als dies oft unter Bezug auf Zusammenzug, Heirat und Familiengründung geschieht", ergänzt Kopp. Die Dynamik von Partnerschaften, aber auch ihre Magie und die Antwort auf die Frage, ob Beziehungen nur das vorübergehende Aufflackern von gemeinsamen Wegen oder doch dauerhafte und bedeutsame Teile der Biographie darstellen, finde sich in wesentlich feineren Differenzierungen.

Wie stark die Bindung der Partner aneinander ist, lässt sich dabei gut erklären: Neben einer fast automatischen Verfestigung der Partnerschaft im Beziehungsverlauf spielt auch das Alter der Partner eine wichtige Rolle. "Grundsätzlich kann die Verfestigung der Paarbeziehung sowohl auf der gegenseitigen Anziehung zwischen den Partnern beruhen als auch durch Beschleunigungsfaktoren wie eine Familiengründung begünstigt werden", sagt Projektmitarbeiter Dr. Daniel Lois. Wenn man die Paare anhand ihrer Merkmale in Gruppen einteilt, kommt man laut Lois zu folgenden Ergebnissen: "Zum einen findet sich ein Beziehungstyp, in der die Partnerschaft insgesamt sehr harmonisch verläuft, was sich unter anderem in einer hohen Zufriedenheit und einer geringen Konflikthäufigkeit äußert. Diese Paare zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die Partnerschaft in einem höheren Alter begonnen wurde und beide Partner häufig schon im Erwerbsleben stehen. Den Gegenpol zu diesem Typ bilden belastete Beziehungen, in denen die Partner sich häufig streiten und unzufrieden sind. Personen in dieser Gruppe sind oft Scheidungskinder und haben ihre Partnerschaften häufig sehr früh begonnen. Im Vergleich zu den harmonischen Paaren trennen sich die belasteten Paare häufiger, und auch die Verfestigung der Partnerschaft vollzieht sich langsamer." Zudem zeige sich, dass Verfestigungsprozesse von den sozialen Nahumwelten, den jeweils relevanten sozialen Beziehungen und Netzwerken beeinflusst werden.

"Enge Freunde und Verwandte haben offensichtlich eine Vorbildfunktion: Die Befragten gründen häufig dann eine Familie, wenn im Freundeskreis ebenfalls Kinder geboren werden. Wenn jedoch Eltern oder Freunde den aktuellen Partner ablehnen, dann verlangsamt sich auch die Verfestigung der Paarbeziehung", ergänzt Lois.

Bibliographische Angaben: Johannes Kopp, Daniel Lois, Christina Kunz, Oliver Arránz Becker, Verliebt, verlobt, verheiratet.

Institutionalisierungsprozesse in Partnerschaften, Wiesbaden 2010, VS Verlag, ISBN: 978-3-531-16860-9, Preis: 39,90 Euro

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