Fremde im Paradies

Ökologin der TU Berlin erforscht die Invasion gebietsfremder Pflanzen auf den Galápagosinseln

(PresseBox) (Berlin, ) Die Ausbreitung gebietsfremder, "invasiver" Tier- und Pflanzenarten gehört nach Einschätzung der UN zu den Hauptursachen des weltweiten Artenrückgangs. Dafür ist in erster Linie der Mensch verantwortlich, der Wälder abholzt, Flächen zersiedelt und neue Arten in Gebiete einbringt, wo diese natürlicherweise nicht vorkommen. Die Biologin und Ökologin Dr. Heinke Jäger warb ein Marie-Curie-Stipendium der EU ein, das ihr drei Jahre Forschungsarbeit zu diesem Thema im Ausland - an der USamerikanischen Brown University sowie auf den Galápagosinseln - und an der TU Berlin, in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ingo Kowarik vom TU-Institut für Ökologie, ermöglicht.

"Gerade das Einbringen gebietsfremder Arten kann schwerwiegende Folgen für die Ökosysteme haben, wenn sich diese Arten unkontrolliert ausbreiten und damit ,invasiv? werden", sagt Dr. Heinke Jäger. Sie untersucht konkret den Einfluss des Chinarindenbaums auf die einheimische Flora der ecuadorianischen Galápagosinseln. Frühe Siedler führten den Baum in den 1940er-Jahren ein, um Chinin gegen die heimtückische Malaria aus seiner Rinde zu gewinnen. Seitdem hat er eine Fläche von 12 000 Hektar im zuvor baumlosen Hochland des Galápagos-Nationalparks erobert, und auch angrenzendes wertvolles Weideland. "Besonders interessieren mich die Verdrängung einheimischer Pflanzenarten und andere ökosystemare Folgen des massiven Auftretens dieses eingeschleppten Baumes", sagt die Forscherin. Ihr Interesse für die Tier- und Pflanzenwelt wurde bereits in der Kindheit auf dem Lande geboren. Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung zur landwirtschaftlichtechnischen Assistentin, arbeitete an der Universität Kiel und studierte anschließend in Konstanz und Oldenburg. Ihr Diplomthema fand sie während eines Urlaubs auf den Galápagosinseln, einer Landschaft, die zum Weltkulturerbe gehört. Die Biologie-Studentin bewunderte nicht nur die hier herrschende biologische Vielfalt, sondern sah auch, wie das Naturparadies durch gebietsfremde Arten verändert wurde. Beherzt nahm sie Kontakt zur Charles-Darwin-Forschungsstation auf, die bald zum Partner für ihre Untersuchungen zum Chinarindenbaum wurde. Damit legte sie bereits den Grundstein für ihre spätere Dissertation. Nach dem Studium arbeitete sie von 2000 bis 2005 als Pflanzenökologin und Botanikerin an der Charles-Darwin-Station, danach in einem DFG-Projekt am Institut für Ökologie der TU Berlin, wo sie 2008 ihre Promotion abschloss.

"Für die Dissertation hatte ich die Vegetation unter einzelnen Chinarindenbäumen sowie in Dauerbeobachtungsflächen über einen Zeitraum von sieben Jahren beprobt." Die Langzeitstudie hatte unter anderem ergeben, dass der Chinarindenbaum im Begriff ist, die sogenannte Farn-Seggen-Zone im Hochland der Insel Santa Cruz in einen Wald umzuwandeln. Die Ausbreitung in eine zuvor baumfreie Umgebung hatte, wie sich zeigte, auch das Mikroklima verändert. Beispielsweise registrierte Heinke Jäger einen Rückgang der photosynthetisch aktiven Strahlung um 87 Prozent. Gleichzeitig sank die Artenvielfalt der einheimischen Vegetation drastisch. Andere eingeführte Pflanzen wurden dagegen gefördert.

Inhaltlich schließt die Forschungsarbeit der kommenden drei Jahre an das Dissertationsthema an. "Ich werde manipulative Experimente durchführen, um die Mechanismen zu untersuchen, die dieser erfolgreichen Invasion zugrunde liegen." Zudem soll auch die Rolle von Wurzelpilzen (Mykorrhiza), die mit dem Chinarindenbaum in Symbiose leben, untersucht werden. Nach ihrer Rückkehr an die TU Berlin will Heinke Jäger auch genetische Untersuchungen an den Pilzen vornehmen, in Zusammenarbeit mit Professor Matthias Rillig (FU Berlin). Die Forscherin vermutet nämlich, dass der Baum durch diese Pilze besser in der Lage ist, Stickstoff und Phosphor aufzunehmen, und daher einen Wachstumsvorteil gegenüber einheimischen Pflanzen hat. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden entscheidenden Aufschluss über die Anpassung der Vegetation in einer sich klimatisch verändernden Welt geben.

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