Publicitas streicht 90 Stellen - ohne echten Sozialplan

(PresseBox) (Bern, ) Die Lausanner Arbeitnehmenden von Publicitas Léman erfahren morgen, Mittwoch, wem gekündigt wird, die Genfer am Donnerstag. Im Rahmen der obligatorischen Konsultationsfrist im Fall von Massenentlassungen hat Publicitas bisher nur einen inhaltlosen Sozialplan präsentiert. Die Arbeitnehmenden hatten bis zum 18. Juni Zeit, ihre Vorschläge zu unterbreiten. In einem Kollektivschreiben forderten sie Verhandlungen über einen echten Sozialplan. Die Mediengewerkschaft Comedia unterstützte diese Vorgehensweise und verlangte, ebenfalls als Verhandlungspartnerin akzeptiert zu werden. Am 19. Juni lehnte Publicitas fast alle Vorschläge und jegliche Verhandlungen ab. Comedia hält an ihrer Forderung nach einem echten Sozialplan fest. Dies nicht zuletzt, weil Publigroupe, der Schweizer Werbe-Riese, über ausreichende finanzielle Mittel verfügt.

Von 139 Mitarbeitenden der Publicitas Léman werden deren 70 (56 in Lausanne und 14 in Genf) heute und morgen ihre Kündigung per 31.Dezember 2009 erhalten. Sechs weitere bekamen Mindestangebote für eine Frühpensionierung.13 Personen haben bereits einen Vertrag mit Edipresse unterschrieben. 14 Entlassene sind mit Edipresse im Gespräch, zu welchen Bedingungen sie übernommen werden könnten. Für die anderen - mindestens 56 - ist gar keine Lösung in Sicht, ausser einiger magerer Begleitmassnahmen.

Zur Erinnerung Vor der Bekanntgabe der Übernahme von Edipresse durch die Zürcher Tamedia AG (Tages-Anzeiger, Berner Zeitung, Bund, .), hat der Lausanner Verleger seine Verträge mit Publicitas gekündigt. Ab 2010 wird Edipub in der Westschweiz alle Edipresse-Erzeugnisse vermarkten.
Die Kündigung dieses Vertrages trifft Publicitas Léman, Filiale des Lausanner Medienriesen Publigroupe, mit voller Wucht.

Publicitas sieht in ihrem Sozialplan nur das absolute Minimum vor: Begleitung der Entlassenen und Zahlung von Entschädigungen in der Höhe von zwei Monatsgehältern für Leute über 50 mit 20 Jahren Firmentreue. Und selbst davon könnten nur einige Wenige profitieren. In einem Kollektivschreiben machten die Arbeitnehmenden zahlreiche Vorschläge, um Kündigungen zu vermeiden oder deren Folgen zu mildern: Ausweichen auf Teilzeitarbeit; Weiterbildungsmöglichkeiten; Prämien für freiwillige Abgänge; Abgangsentschädigungen für alle. Sie forderten «dass die Geschäftsleitung mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gewerkschaft comedia und einer Mitarbeiter-Delegation der Publicitas Léman über einen konsequenten Sozialplan verhandelt».

Publicitas hatte das Ende der rechtlichen Konsultationsfrist bei Massenentlassung einseitig auf den 18. Juni um 12 Uhr festgelegt. Am 19. Juni schrieb die Direktion ihren «lieben Mitarbeiterinnen und lieben Mitarbeitern», dass sie fast alle Vorschläge ablehne, dass sie wirklich das Maximum mache und nicht die Mittel habe, mehr zu tun.
Zudem lehne sie jegliche Verhandlung mit einer Personalvertretung und mit comedia ab. Auch Edipresse hat jede Form der Diskussion mit comedia und Vertretern der Entlassenen abgelehnt,, um zuerst die Übernahme all jener sicherzustellen, die für ihre Medienprodukte bei Publicitas arbeiten.

Für Comedia besteht noch Handlungsspielraum, um einen echten Sozialplan zu auszuhandeln. Publigroupe verfügt über die nötigen finanziellen Mittel: Ihre Rentabilität ist im Jahr 2008 von 2,6 auf 3,2 Prozent gestiegen. Zudem hatte die Aktionärsversammlung Ende April beschlossen, sich 7,91 Millionen Dividenden auszuzahlen. _ Ohne Reserven für einen Sozialplan vorzusehen, obwohl das unmittelbare Bevorstehen ebenso wie das Ausmass der Kündigungen seit anfangs März bekannt waren.
Publigroupe erhält jährlich 3,6 Millionen Zinsen für ein Darlehen an Edipresse (40 Millionen à 9%) und könnte auch eine beschleunigte Rückerstattung dieses Darlehens fordern. (Schliesslich haben sich die Aktionäre von Edipresse am 2. Juni auch 6,5 Millionen Dividenden gegönnt). Ausserdem besitzt Publigroupe 20% Edipresse-Aktien. Bei einem Verkauf, wie mittelfristig schon geplant, könnte Publigroupe zum aktuellen Kurs nahezu 50 Millionen zurückholen. Comedia fordert deshalb weiterhin im Namen der Arbeitnehmenden einen Sozialplan, der diesen Namen verdient. Bereits erreicht hat comedia, dass das Amt für Wirtschaft des Kantons Waadt (Service de l'Emploi du canton de Vaud) für Freitag, 26. Juni ein Treffen am Runden Tisch mit Publicitas und comedia verlangt .

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