Swisscom erarbeitet neue Strategie

(PresseBox) (Bern, ) Ende November hat der Bundesrat seinen Vertreter im Verwaltungsrat angewiesen, gegen einen allfälligen Beteiligungserwerb von Swisscom im Ausland zu stimmen und sich für eine Ausschüttung der freien Eigenmittel an die Eigenkapitalgeber einzusetzen. Seither hat der Swisscom-Verwaltungsrat verschiedene Handlungsalternativen ausgelotet und Gespräche mit Vertretern des Bundes geführt. Der Verwaltungsrat geht davon aus, dass der Bundesrat bis Ende Jahr die für 2006 bis 2009 geltenden strategischen Ziele des Hauptaktionärs für Swisscom verabschieden wird. Die Gespräche für eine Übernahme der irischen Eircom wurden abgebrochen.


Die öffentliche Kontroverse der vergangenen Tage um die Fragen der Mehrheitsbeteiligung des Bundes an Swisscom, die Ambitionen im Ausland wie auch die Ausschüttungspolitik haben zu einer grossen Verunsicherung bei Aktionären, Kunden und Mitarbeitenden geführt. In Gesprächen mit Vertretern des Bundes versuchten die Swisscom-Verantwortlichen eine Klärung der Haltung des Bundes zu diesen Fragen zu erreichen und haben ein gemeinsames Verständnis in Bezug auf das weitere Vorgehen definiert.
Swisscom wird eine neue Strategie für das Unternehmen erarbeiten

Der Bundesrat wird seine geänderten Vorstellungen betreffend Swisscom im Rahmen seiner strategischen Ziele für die Jahre 2006 bis 2009 bis Ende Jahr konkretisieren. Der Swisscom-Verwaltungsrat wird die neuen strategischen Ziele des Bundes eingehend prüfen und gestützt darauf eine neue Strategie für die in der Schweiz führende Telecom-Gruppe erarbeiten. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung von Swisscom haben vereinbart, bis zu diesem Zeitpunkt keine ihre eigene Person betreffenden personellen Entscheide vorzunehmen.

Aufgrund der vom Bundesrat am Freitag getroffenen Entscheide und seiner daraufhin am Wochenende vorgenommenen eigenen Beurteilung sichert der Swisscom-Verwaltungsrat dem Bund zu, bis zur Inkraftsetzung der strategischen Ziele des Bundes für die Jahre 2006 bis 2009 keine Entscheide über eine Beteiligung von Swisscom an einem ausländischen Telecom-Unternehmen mit Grundversorgungsauftrag zu treffen. Swisscom hat die am 9. November bestätigten Gespräche mit der irischen Eircom über eine mögliche Transaktion abgebrochen. Unter den gegebenen Umständen sieht Swisscom keine Möglichkeit für eine Übernahmeofferte.

Politischer Prozess für weiter gehende Privatisierung ist eingeleitet

Der Bundesrat hat beschlossen, den politischen Prozess für eine vollständige Abgabe der Bundesbeteiligung am Unternehmen zu starten. Im Lichte der Ereignisse der vergangenen Wochen vertritt Swisscom die Auffassung, dass die zu veröffentlichenden strategischen Ziele des Bundesrates für Swisscom 2006 bis 2009 zwingend präzise Aussagen enthalten müssen, insbesondere in Bezug auf die Konformität mit dem Telekommunikationsunternehmungsgesetz, die Auslandstrategie, die Ausschüttungsstrategie, den Privatisierungsprozess (in Optionen), die Konsequenzen einer Instruktion des Staatsvertreters (Haftungs- und Sanktionsfragen), die Kommunikation zwischen Bundesrat und Swisscom und die unveränderbare Gültigkeit dieser strategischen Ziele während der vierjährigen Dauer. Damit soll das Anlegervertrauen gewährleistet werden und der Verwaltungsrat seine Aufgabe als ein dem Unternehmen verpflichtetes Organ in Übereinstimmung mit dem Aktienrecht und dem Kapitalmarktrecht wahrnehmen können.

Bei einem möglichen Abbau der Bundesbeteiligung ist für Swisscom zwingend, dass Beteiligungsanteil und Rechte im Sinne des Aktienrechts übereinstimmen, d.h. dem Bund keine Sonderrechte vor anderen Aktionären vorbehalten werden. Swisscom wird ihre Haltung zur Frage der Privatisierung nach der Verabschiedung der neuen strategischen Ziele überprüfen.

Investitionen im Inland sind unabhängig vom Auslandgeschäft

Swisscom wird ihre Strategie im Kerngeschäft fortsetzen und auch ausweiten. Die hohen Investitionen im Heimmarkt erfolgten auch in der Vergangenheit unabhängig von den Auslandaktivitäten. Swisscom investiert auch in Zukunft jährlich mehr als CHF 1 Mrd. in die weitere Entwicklung von Telekommunikations-Infrastrukturen und -Diensten in der Schweiz.

Die Schweiz nimmt als Folge dieser anhaltend hohen Investitionen heute bezüglich ihrer Versorgung eine im internationalen Vergleich führende Stellung ein: So beispielsweise in der Nutzung von Breitband-Internet, der Verfügbarkeit auch in Randregionen und der sehr guten Abdeckung mit Mobilfunk. Swisscom hält am geplanten weiteren Ausbau der Festnetz-Infrastruktur (VDSL) und der Einführung von neuen Diensten wie Fernsehen fest. Ebenfalls fortsetzen wird Swisscom den Aufbau neuer Geschäftsfelder in der Schweiz: So konnten sich Swisscom IT Services im Informatik-Outsourcing-Geschäft und die Swisscom-Tochtergesellschaft Accarda im Kundenkartengeschäft erfolgreich etablieren.

Begrenzte Wachstumschancen in der Schweiz – internationale Vernetzung

Weil die Wachstumschancen für Swisscom in der Schweiz begrenzt sind, hat das Unternehmen in den letzten Jahren den Kauf von Unternehmen im Ausland anhand von sehr strengen Akquisitionskriterien geprüft. Der Fokus lag dabei auf profitable Telecom-Marktführer in Europa, Mehrheitsbeteiligungen mit klarer Führung durch Swisscom und die Beschränkung der Grösse durch Beibehalten einer guten und stabilen Finanzierung.

Die Swisscom-Gruppe ist schon heute international vernetzt: So profitieren die Kunden in der Schweiz direkt von der strategischen Partnerschaft mit Vodafone, etwa beim Roaming. Seit dem Kauf des Broadcasting-Unternehmen Antenna Hungaria ist Swisscom in Ungarn tätig. Belgacom und Swisscom Fixnet haben ihr internationales Carrier-Geschäft in ein Joint Venture eingebracht, um die Wettbewerbsfähigkeit im Wholesale-Markt zu stärken und die dabei entstehenden Synergien gezielt zu nutzen. Und Swisscom Eurospot bietet insbesondere Geschäftsreisenden in mehreren Ländern Europas drahtlose und drahtgebundene lokale Netzwerke an Standorten wie Hotels und Kongresszentren an.

Hohe Ausschüttungen an die Aktionäre werden weiter geführt

Die seit Jahren unverändert starke Bilanz von Swisscom mit einem Eigenkapitalanteil von rund 50% hat auch im letzten Jahr erlaubt, hohe Ausschüttungen an ihre Aktionäre vorzunehmen und so vermehrt freie Mittel an die Aktionäre zurückzugeben. Kernelement der Ausschüttungspolitik ist die jährliche Ausschüttung von frei verfügbaren Mitteln (Equity Free Cash Flow, EFCF). Die Ausschüttung erfolgt jeweils über eine Dividende und einen allfälligen Aktienrückkauf.

Inklusive der Ausschüttung 2005 zahlte Swisscom seit dem Börsengang 1998 insgesamt CHF 15,9 Mrd. an seine Aktionäre aus. Dieser Betrag teilt sich in Dividendenzahlungen im Umfang von CHF 6 Mrd., in Nennwertreduktionen von CHF 1,6 Mrd. und in Aktienrückkaufsprogramme von CHF 8,3 Mrd. auf. In nur sieben Jahren schüttete Swisscom somit mehr als die Hälfte der aktuellen Börsenbewertung an seine Aktionäre aus. Im laufenden Jahr beträgt die gesamte Ausschüttung rund CHF 2,9 Mrd., dies in Form einer Dividende und eines Aktienrückkaufs.

Die maximale Höhe der Ausschüttungen ist durch die freien Reserven der Swisscom AG begrenzt, die zurzeit bei rund CHF 3 Mrd. liegen. Das Schweizer Aktienrecht schliesst Zahlungen an die Aktionäre aus, die über den in der Bilanz ausgewiesenen Gewinnrücklagen liegen.

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