Mercator Bildungsdiskurs über Heterogenität als Chance

Sylvia Löhrmann, Jutta Allmendinger, Gisela Schultebraucks-Burgkart und Reinhard Kahl sprechen über Wege aus der Bildungsarmut

(PresseBox) (Essen, ) Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Mercator Bildungsdiskurs diskutierten Jutta Allmendinger, Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, und Gisela Schultebraucks-Burgkart, Leiterin der vielfach ausgezeichneten Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund, gestern Abend in der Stiftung Mercator die zwei beherrschenden Begriffe der Bildungsdebatte: Bildungsarmut und die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft. Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung, sprach zuvor über "Bildungsarmut in Nordrhein-Westfalen" und führte in das Thema ein. Gemeinsam mit dem Journalisten Reinhard Kahl und dem Publikum erörterten anschließend die beiden Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis, welche Voraussetzungen ein Bildungssystem erfüllen muss, das Heterogenität in den Vorteil verwandelt, von Unterschieden zu profitieren.

Schulministerin Sylvia Löhrmann: "Noch immer hängt Bildung zu stark von dem sozialen Status und dem Geldbeutel der Eltern ab. Aber jedes Kind hat das Recht auf individuelle und ganzheitliche Förderung. Wir müssen ein besseres und gerechteres Bildungssystem für alle schaffen. Nur so schaffen wir es, die Potenziale unserer Kinder zu entfalten - im Sinne ihrer Zukunft und der Zukunft unseres Landes."

"Es ist extrem wichtig, dass wir uns in der Bildung nicht mehr so sehr auf Exzellenz und Elite konzentrieren, sondern auf die Kinder und Jugendlichen, die Unterstützung am nötigsten haben und für die wir, wenn wir jetzt ansetzen, auch am meisten tun können", fordert Jutta Allmendinger, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass der Begriff der Bildungsarmut in Deutschland diskutiert wird.

Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart: "Die Antwort auf Heterogenität in der Schule ist eine konsequente individuelle Förderung des einzelnen Kindes. Dazu brauchen wir die Abkehr von einem Unterricht, der alle Kinder zur gleichen Zeit über den gleichen Inhalt belehrt und der sich am durchschnittlichen Leistungsvermögen der Lerngruppe ausrichtet. Dazu brauchen wir Lehrer, die diagnostizieren sowie differenziert fördern und die in einer gestalteten Lernumgebung didaktisch durchdachte und methodisch vielfältige Lernarrangements bereitstellen.

Mit dem Mercator Bildungsdiskurs möchte die Stiftung Mercator einer breiten Fachöffentlichkeit sowie intellektuell und kulturell interessierten Menschen aus Essen und dem Ruhrgebiet eine Plattform des Austauschs bieten und das Thema Bildung unter Einbezug anverwandter Disziplinen und Perspektiven beleuchten. Reinhard Kahl, deutscher Journalist und Autor, sowie Produzent und Regisseur, führt als Moderator und Gesprächspartner mit jeweils unterschiedlichen Gästen durch die Abende des Mercator Bildungsdiskurs. Zum Auftakt der Reihe sprach Reinhard Kahl 2009 in den Räumen der Stiftung Mercator mit seinem Gast Prof. Dr. Peter Sloterdijk, Rektor und Professor für Philosophie und Ästhetik an der staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, über die "Rehabilitierung des Übens". Mit dem deutschen Neurobiologen und Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther wurde die Gesprächsreihe 2009 fortgesetzt. Im März diesen Jahres widmete sich Reinhard Kahl im Gespräch mit der bildenden Künstlerin Diemut Schilling und Ulrike Kegler, Leiterin der staatlichen Montessori-Gemeinschaftsschule für die Klassen 1-10 in Potsdam, dem Thema "Eine Wurzelbehandlung der Langeweile".

Über Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D.

Jutta Allmendinger ist seit 2007 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und Professorin für Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie befasst sich vor allem mit der Frage, wie Lebensverläufe durch Bildung, Arbeitsmarkt und staatliche Institutionen geprägt werden. Mit ihren wissenschaftlichen Analysen der Bildungsarmut engagiert sie sich gegen soziale Ungleichheit. Jutta Allmendinger ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien und Gremien, u.a. der von der Bundesregierung berufenen Expertenkommission Forschung und Innovation.

Über Gisela Schultebraucks-Burgkart

Gisela Schultebraucks-Burgkart leitet die Grundschule Kleine Kielstraße im Dortmunder Norden. In diesem wirtschaftlich und sozial besonders benachteiligten Stadtteil gelang es der Schule eine Kultur zu schaffen, in der auch Kinder mit schlechteren Voraussetzungen aufblühen. Gisela Schultebraucks-Burgkart und die Schule sind für ihre gleichermaßen phantasievolle und pragmatische Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden. Als 2006 der Deutsche Schulpreis erstmals vergeben wurde, erhielt die Grundschule Kleine Kielstraße den Hauptpreis und Besuch vom Bundespräsidenten.

Über Reinhard Kahl

Der schreibende und filmende Journalist wurde unter anderem mit dem Grimme Preis und dem Civis Preis ausgezeichnet. Im Zentrum seiner Arbeit stehen die Lust am Denken und Lernen, die Zumutungen belehrt zu werden und die endlosen Dramen des Erwachsenwerdens. Mit dem Film "Treibhäuser der Zukunft - wie Schulen in Deutschland gelingen" legte er den Grundstein für das "Archiv der Zukunft", aus dem inzwischen ein Netzwerk mit mehr als 1500 Mitgliedern entstanden ist. Zuletzt produzierte er die Kinodokumentation "KINDER! - Über das Lerngenie".

Stiftung Mercator gGmbH

Die Stiftung Mercator gehört zu den großen deutschen Stiftungen. Sie initiiert und unterstützt Projekte für bessere Bildungsmöglichkeiten an Schulen und Hochschulen. Im Sinne Gerhard Mercators fördert sie Vorhaben, die den Gedanken der Weltoffenheit und Toleranz durch interkulturelle Begegnungen mit Leben erfüllen und die den Austausch von Wissen und Kultur anregen. Die Stiftung zeigt neue Wege auf und gibt Beispiele, damit Menschen - gleich welcher nationalen, kulturellen und sozialen Herkunft - ihre Persönlichkeit entfalten, Engagement entwickeln und Chancen nutzen können. So will sie Ideen beflügeln. Ihre Arbeitsweise ist geprägt von einer unternehmerischen, internationalen und professionellen Haltung. Dem Ruhrgebiet, der Heimat der Stifterfamilie, fühlt sie sich in besonderer Weise verbunden.

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