War for Talents im Jungakademiker-Segment

(PresseBox) (Herrenberg, ) Der Arbeitsmarkt erholt sich und der Kampf um die besten Köpfe geht in die nächste Runde. Es wird wieder ein Einbruch der Bewerberzahlen erwartet. In manchen Bereichen hatten Unternehmen sogar vor der Wirtschaftskrise einen Rückgang von bis zu 75% an eingehenden Bewerbungen vermeldet. Dieser Fachkräftemangel hat zur Folge, dass er sich negativ auf Innovationen und damit auf Wachstum und auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. Deutschland konnte in den vergangenen Jahren nach dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung seine Innovationsfähigkeit im internationalen Vergleich nicht verbessern, was in einer globalisierten Welt dramatische Folgen haben kann. Deshalb engagiert sich auch die School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) der Steinbeis-Hochschule im Bereich Nachwuchssicherung und kümmert sich dabei vor allem um (angehende) Jungakademiker.

"In der Wirtschaft ist ein Trend spürbar. Versucht wird, die Bewerber immer früher zu erreichen. In vielen Employer Branding-Konzepten von Unternehmen spielt die frühzeitige Ansprache von Studenten eine wichtige Rolle. Sehr viele Absolventen werden über Praktika und Abschlussthesen an das Unternehmen gebunden" erklärt Prof. Dr. Werner G. Faix, der sich als Hochschuldirektor der SIBE, Unternehmer und Personalexperte mit dem Thema Campus Recruitment intensiv beschäftigt. Durch den Bolognaprozess wird sich die Hochschullandschaft in Deutschland verändern. In Zukunft wird es kein Diplom mehr geben, sondern ein zweistufiges System. Zunächst wird der Bachelorabschluss erzielt. Dadurch soll der akademische Nachwuchs bereits frühzeitig dazu befähigt werden, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Danach schließen sich Masterstudium und die Master Thesis an. "Durch diese sich veränderten Prozesse durch Bologna wird sich auch die Rekrutierungspraxis der Unternehmen ändern müssen. Wo bislang viele Praktika während der Diplomstudienzeit angeboten wurden, wird sich auch dies durch neue Hochschulprozesse verändern.", so Prof. Faix.

Ebenso gehört die bislang drei- bis sechsmonatige Diplomarbeit, die häufig praxisbezogen im Unternehmen geschrieben wurde, bald der Vergangenheit an. Eine Stichprobe der Steinbeis- Hochschule an 70 Hochschulen hat ergeben, dass momentan 72% der Hochschulen für das Bachelor- Studium eine Regelstudienzeit von sechs Semestern vorsehen. In diesen Fällen bleibt kaum Zeit für Praktika. Außerdem gaben die befragten Studenten zu 90% an, dass sie auch während der Semesterferien keine praktische Erfahrungen sammeln können, da diese Zeit mit Prüfungen geblockt sei. Die Bereitschaft, freiwillig ein Zusatzsemester für Praktika einzuschieben, war fast nie gegeben. Bei 19% der Hochschulen kam heraus, dass die Regelstudienzeit sieben Semester betrage. Dabei ist in der Regel ein Semester für Praktika vorgesehen. 8% der Hochschulen bieten standardisiert ihr Studium in acht Semestern an. Hier ist ein Semester für ein Praktikum, das weitere Zusatzsemester für ein Auslandssemester vorgesehen. Nur 1% der befragten Hochschulen bot das Bachelor-Studium in neun Semestern an.

Dies bedeutet für die Einstellungspraxis der Unternehmen, dass die Ansatzmöglichkeiten für frühzeitige Bewerberbindung tendenziell geringer wird. Dies gilt auch für die Bindung über Bachelor Thesen. "Während in der Vergangenheit Bewerber verstärkt über Diplomarbeiten gebunden wurden, bleibt nach unserer Befragung für die zukünftige Bearbeitung von Bachelor Thesen nur noch ein Zeitraum von durchschnittlich neun Wochen. Das ist deutlich weniger Zeit, als früher für eine Diplomarbeit zur Verfügung stand.", erklärt Prof. Faix. Der Trend geht daher momentan zur Bearbeitung einer inneruniversitären Bachelor Thesis, während unternehmensrelevante Bachelor Thesen in der Unterzahl sind. Auch dies hat entsprechende Auswirkungen auf die Rekrutierungsmöglichkeiten von Unternehmen über Bachelor Thesen. Da das direkte Campus Recruitment in der Vergangenheit einen sehr hohen Stellenwert bei den Unternehmen eingenommen hat, müssen nun die Strategien angepasst werden.

Hier hat die SIBE gleich zwei interessante Möglichkeiten entwickelt: Zum einen hat sie die Plattform 15Talents.com übernommen, die Bacheloranden aller deutscher Universitäten, im Stile einer studentischen Unternehmensberatung, projektbezogen an Unternehmen vermitteln soll. "Dahinter steckt die Idee, dass Unternehmen in Zukunft Studenten während ihres Studiums über Projekte und nicht nur klassische Praktika binden.", erklärt Bettina Rominger, Geschäftsführerin der beiden Rekrutierungstöchter SAPHIR und 15Talents. "VW hat beispielsweise über 15Talents ein studentisches Team gefunden, das einen Projektauftrag direkt bearbeitet hat. Bezahlt wurden die Studenten für das Ergebnis. Bearbeitet werden konnte das Projekt zu großen Teilen auch von zu Hause aus." Dadurch gelingt es engagierten Studenten auch bei straffen Bachelor-Zeitplänen, sich für Unternehmen zu engagieren, in Teams zu arbeiten und direkt Unternehmen kennenzulernen. "Damit haben wir den Zahn der Zeit getroffen", freut sich auch Professor Faix, und Bettina Rominger ergänzt: "Wenn die Unternehmen bei uns ortsunabhängig und projektbezogen ausschreiben, dann steigt die Zahl der Bewerbungen um über 70%." Auf der Suche nach Studenten, die 15Talents ausprobiert haben, bestätigt auch Christopher W.: "15Talents ist eine tolle Sache! Man kann sich die Arbeitszeit selbst einteilen und von zu Hause arbeiten - so ist man flexibel, und kann auch während des Semesters praktische Erfahrungen sammeln."

15Talents bearbeitet damit eine spannende Nische mit Zukunftspotenzial, denn auf klassische Praktika und Werkstudententätigkeiten gehen immer weniger Bewerbungen ein. An dieser Stelle hilft dann auch die IT-Infastruktur von 15Talents, da sich deutschlandweit Studenten aller Hochschulen auf der Plattform registrieren können und nicht nur regional verfügbare Bewerbergruppen angesprochen werden. So steht ein großer Talentpool zur Verfügung, den Unternehmen oftmals in dieser Größe nicht betreuen könnten. Steffen Setzer, Director of Marketing der Canto GmbH, sieht ebenfalls Vorteile gegenüber der klassischer Bewerbersuche: "Wir suchten für unser Projekt ein sehr spezielles Profil. 15Talents hat den geeigneten Studenten in Süddeutschland gefunden. Er hat das Projekt von Zuhause aus bearbeitet und die Ergebnisse bei uns in Berlin präsentiert. Der Ablauf war für uns sehr erfreulich und mit geringem Aufwand verbunden."

Man darf gespannt sein, mit welchen Strategien die Unternehmen im Berufseinsteigermarkt auf den War for Talents bei Jungakademikern reagieren werden - 15Talents ist dabei sicherlich ein interessantes Puzzleteil. Mit welchen Gesamtstrategien die Firmen agieren werden, ist in den seltensten Fällen heute schon klar. Denn die wenigsten Unternehmen haben sich hierzu bereits systematisch Gedanken gemacht. Wenige starten konkrete Maßnahmen wie z.B. "Bachelor welcome"- Initiativen. Dabei engagieren sich beispielsweise Unternehmensberatungen sowie große Kreditinstitute und werben aktiv um Bachelor-Absolventen. Vor allem Unternehmen, die sich mit ihrer Unternehmenskultur an angloamerikanischen Vorbildern orientieren können, tun sich diesbezüglich deutlich leichter. Wenige andere, wie z.B. die Robert Bosch GmbH, bieten ein offizielles »Pre-Master- Programm«, über das sie Bachelor-Absolventen motivieren, während der Masterzeit ihre Praxisphasen im Unternehmen zu realisieren. Interessanter Weise schließt sich hier wieder der Kreis zur SIBE, denn diese bietet neben 15Talents auch ein auf den War for Talents abgestimmtes berufsintegriertes Masterprogramm, welches Unternehmen wie BASF, Siemens, T-Systems, ABB, Daimler oder Bosch engagierte und talentierte Jungakademiker vermittelt.

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