Studien: Stahl ist Basis der deutschen Wirtschaftsstärke

Kerkhoff warnt vor Überlastung der Branche durch Energiewende

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Die stahlintensiven Industrien bilden mit 3,5 Millionen Beschäftigten einen Kern der exportstarken Wirtschaft in Deutschland. Nur durch die enge Vernetzung der innova-tiven Stahlindustrie in Deutschland mit den Schlüsselbranchen wie Automobil- oder Maschinenbau könne die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes dauerhaft gesichert werden. Dies ist das Ergebnis von zwei wissenschaftlichen Studien des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Unternehmensbera-tung Booz & Company.

"Ohne die stabilen Cluster der stahlintensiven Industrien wäre die Wirtschaftskrise in Deutschland nicht so schnell überwunden worden", kommentierte Studienleiter Prof. Dr. Roland Döhrn vom RWI die Ergebnisse. Die Stahlindustrie in Deutschland sei besonders eng mit anderen Branchen verflochten. Deshalb komme ihr zentrale Be-deutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft zu. Insgesamt stünden die stahlintensiven Industrien für mehr als 1.000 Milliarden Euro Umsatz und die Hälfte des deutschen Warenexports. Beim deutschen Maschinenbau würden 21 Prozent aller Vorleistungen aus der Stahl- und Metallerzeugung stammen, bei der Automobilindustrie seien es 12,8 Prozent, bei der Elektrotechnik zehn Prozent und in den mittelständisch geprägten Unternehmen der Stahl- und Metallverarbeitung sogar 58,7 Prozent.

Dr. Joachim Rotering, Geschäftsführer von Booz & Company, erklärt den Erfolg des deutschen Geschäftsmodells mit den Vorteilen der verzahnten Entwicklung und Pro-duktion: "Deutschland ist ein weltweit einmaliger Verbundstandort für Investitionsgü-ter. Die langen Ketten der Wertschöpfung von der Grundstoffindustrie bis zu den besten Maschinen und Autos der Welt sind das Fundament unseres Wohlstands." Die globalen Megathemen wie Energieeffizienz, Umwelt- und Klimaschutz, neue Mo-bilität und Urbanisierung böten große Potentiale für die deutschen Unternehmen. Sie könnten aber nur im Verbund der Industriebranchen und der Forschungsnetzwerke realisiert werden. "Auch in Zukunft hängt unser wirtschaftlicher Erfolg davon ab, dass wir die enge Vernetzung bei Produktion und Innovation weiter stärken", erklärte Rote-ring. Dabei spiele Stahl mit einem Marktvolumen von rund 40 Millionen Tonnen und mehr als 1.000 Patenten pro Jahr unverändert die Hauptrolle unter den industriellen Werkstoffen in Deutschland: "Stahl ist aber nicht gleich Stahl. Für die vielfältigen An-wendungen der Industrie werden ständig neue Legierungen gebraucht, die nur aus der täglichen Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung entstehen können."

Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, bezeichnete die Branche als "Basisindustrie für das deutsche Wachstumsmodell": "Ohne eine in-novative Stahlindustrie können die komplexen Wertschöpfungsketten der modernen Industrieproduktion nicht funktionieren." Für die Herstellung von Windrädern und hocheffizienten Turbinen zur Energieerzeugung sei Stahl ebenso unverzichtbar wie für den wirtschaftlichen Leichtbau von Autos oder neue Elektromotoren. Die Ener-giewende braucht eine wettbewerbsstarke Industrie - auch im Hinblick auf dieses Projekt verbieten sich Differenzierungen der Branchen nach Gewinnern und Verlie-rern. Die Herausforderungen lassen sich nur in einer Anstrengung aller Partner der Wertschöpfungskette bewältigen. Zugleich warnte Kerkhoff vor einer drohenden Überlastung der Stahlindustrie durch die Politik: "Steigende Kosten der Energiewen-de und der Klimapolitik verschlechtern nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Stahl-industrie gegenüber anderen Wirtschaftsregionen, sondern sind eine Bedrohung für den gesamten Verbundstandort. Eine De-Industrialisierung darf es nicht geben."

Die drohenden Zusatzbelastungen für die Stahlindustrie bezifferte Kerkhoff auf bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Sollte es dazu kommen, seien weitere Investitionen am Standort Deutschland aus unternehmerischer Sicht kaum noch zu rechtfertigen. "Die industriellen Wertschöpfungsketten, an denen wir Deutschland aus der Krise gezo-gen haben, bleiben nur stabil, wenn sich jedes einzelne Glied betriebswirtschaftlich rechnet. Es ist die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Stahlindustrie ihre Schlüsselstellung für die deutsche Exportwirtschaft halten kann", erklärte Kerkhoff. Deshalb brauche die Stahlindustrie in Deutschland bei energiepolitischen Abgaben und Regulierungen angemessene Belastungsbremsen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Standorten. Eine systema-tische Benachteiligung gegenüber anderen Industrieländern könnten die Unterneh-men in Deutschland nicht auf Dauer verkraften.

Der im Dezember erklärte Ausstieg von Kanada aus dem Kyoto-Protokoll sowie die anhaltende Verweigerung der USA und Chinas zeigten, dass wir von gleichen Wett-bewerbsbedingungen auf absehbare Zeit weit entfernt seien. Da Deutschland und Europa das globale Klima nicht im Alleingang retten könnten, seien die Entwicklung und der Export klimafreundlicher Technologien der aussichtsreichste Weg. Dies set-ze jedoch voraus, dass die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit der deut-schen Industrie nicht durch immer höhere Abgaben erstickt werden.

2012 sei ein "Jahr der Weichenstellungen für die Zukunft unseres Industriestandor-tes", erklärte Kerkhoff: "Die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise, die Ausge-staltung der Energiewende in Deutschland und die europäische Klimapolitik ent-scheiden darüber, wie wettbewerbsfähig unsere Exportwirtschaft in Zukunft noch sein kann." Deshalb sei es so wichtig, dass die Erfolgsfaktoren der deutschen Volks-wirtschaft auch in der politischen Diskussion Anerkennung und Verbreitung fänden.

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