Die bittere Seite von Süßstoffen

Spuren synthetischer Süßstoffe in Wässern mit neuem Analyseverfahren nachgewiesen

(PresseBox) (Heidelberg/New York, ) Synthetische Süßstoffe werden in den Kläranlagen nicht rückstandslos entfernt. Schlimmer noch: unser Wasser wird durch diese Schadstoffe abwasserseitig verunreinigt und Rückstände können noch in unserem Trinkwasser enthalten sein. Marco Scheurer, Heinz-Jürgen Brauch und Frank Thomas Lange vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe konnten verschiedene synthetische Süßstoffe im Abwasser nachweisen und ein neues robustes Analyseverfahren entwickeln, mit dem sieben allgemein verwendete synthetische Süßstoffe analysiert werden können. Ihre Erkenntnisse1 werden diese Woche in der Springer-Fachzeitschrift Analytical and Bioanalytical Chemistry veröffentlicht.

Eine Reihe synthetischer Süßstoffe werden häufig in Nahrungsmitteln und Getränken sowie in Arzneimitteln und Hygieneartikeln verwendet. Die möglichen Gesundheitsrisiken von synthetischen Süßstoffen sind seit geraumer Zeit Gegenstand verschiedener Diskussionen. Bislang konnte lediglich Sucralose in Wasser nachgewiesen werden. Durch die Verwendung eines neuen Analyseverfahrens konnten die Wissenschaftler nach sieben unterschiedlichen synthetischen Süßstoffen gleichzeitig suchen (Cyclamat, Acesulfam, Saccharin, Aspartam, Neotam, Neohesperidin- Dihydrochalkon und Sucralose) und zum ersten mal nachweisen, dass eine Vielzahl von häufig verwendeten synthetischen Süßstoffen im deutschen Abwasser und Oberflächenwasser enthalten ist.

Scheurer und seine Kollegen nahmen Wasserproben aus zwei Kläranlagen in Deutschland - Eggenstein- Leopoldshafen und Karlsruhe - sowie aus einer Aufbereitungsanlage für gereinigtes Abwasser eines Mittelmeerlandes.

Sie untersuchten die Wasserproben mit Hilfe ihres neuen Analyseverfahrens und konnten vier (Acesulfam, Saccharin, Cyclamat und Sucralose) der sieben synthetischen Süßstoffe im Wasser der beiden deutschen Kläranlagen nachweisen. Dadurch wird belegt, dass die Schadstoffe während der Abwasserbehandlung nur unzureichend eliminiert werden. Durch ihre Analysen läßt sich auch nachweisen, dass Bäche und Flüsse, in die Wasser aus den Kläranlagen fließt, mit diesen Schadstoffen verunreinigt werden.

Die Autoren verglichen dann die herkömmliche Abwasserbehandlung mit einer weitergehenden Abwasseraufbereitungzum Zwecke der Abwasserwiederverwendung . Spuren synthetischer Süßstoffe waren in beiden Fällen vorhanden, was eine unzureichende Wasserreinigung belegt.

Marco Scheurer kommt zu dem Schluss: "Die Verwendung von synthetischen Süßstoffen in Nahrungsmitteln und ihr Vorkommen im Wasser können zu einem zentralen Thema für die Verbraucher werden."

Quelle 1. Scheurer M, Brauch H-J, Lange F. (2009). Analysis and occurrence of seven artificial sweeteners in German waste water and surface water and in soil aquifer treatment (SAT). Analytical & Bioanalytical Chemistry; DOI 10.1007/s00216-009-2881-y

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