Personaler rüsten sich erneut für den War for Talents

Zukunft Personalmanagement

(PresseBox) (Mannheim, ) Der Aufschwung in Deutschland erhellt auch die Stimmung auf dem HR-Markt: 532 Aussteller freuten sich auf der Zukunft Personal, Europas größter Messe für Personalmanagement, über die zunehmende Investitionsbereitschaft ihrer Kunden. 11.837 Personalverantwortliche kamen vom 12. bis 14. Oktober nach Köln, um sich über aktuelle Trends für Recruiting, Weiterbildung oder Softwareunterstützung in Zeiten des Fachkräftemangels zu erkundigen - rund 300 mehr als im Vorjahr.

"Wir konnten viele hochwertige, erfolgversprechende Kontakte generieren", sagte Gertraude Gusmini im Rückblick auf die Zukunft Personal. "Wir hatten sogar schon einen Vertragsabschluss vor Ort", so die Partnermarketing- und Eventmanagerin der SBS Software GmbH.

Wie sie berichten viele weitere Aussteller von hochwertigen Gesprächen mit potenziellen Kunden, deren Kaufinteresse größer werde. "Seit dem Jahr 2010 geht es im Kontakt mit den Interessenten nicht mehr nur um die Idee, eine digitale Personalakte einzuführen, sondern auch um die schnelle Umsetzung des Projektes", hat zum Beispiel Lisa Widmann, Marketingmanagerin der aconso AG, beobachtet. Im vergangenen Jahr hätten sich zahlreiche Firmen noch eher an das Thema herangetastet, nun stünden viele kurz vor der Entscheidung. "Es wird wieder Geld ausgegeben und deshalb können die Unternehmen auch agieren und nicht nur planen."

Am stärksten ist auf der Zukunft Personal 2010 das Angebot an Produkten und Dienstleistungen für Personalentwicklung und Weiterbildung gewachsen: 245 Anbieter aus diesem Bereich stellen dieses Jahr in Köln aus - 20 mehr als in 2009. Und dieses Angebot kam an: So nutzte etwa das Unternehmen Zone 2 Connect GmbH, das digitale Lösungen mit unterhaltendem und weiterbildendem Charakter entwickelt, die Gelegenheit um ihr neues Produkt "SimuCoach" vorzustellen: ein spielerisches Online-Training, mit dem Kunden-, Mitarbeiter- oder auch Einstellungsgespräche simuliert werden können. "Die Resonanz war sehr positiv und fließt in die Weiterentwicklung ein", sagte Lisa Becker, zuständig für das Marketing des Weiterbildungsanbieters. Immer mehr Unternehmen machten sich konkret über den Einsatz von neuen Lernformen wie Game-based Learning Gedanken und realisierten die Projekte dann auch.

Software für die Personalwirtschaft ist noch nicht überall Standard

Insbesondere bei der Lohnsoftware und beim Bewerbermanagement erwägen laut Gusmini viele Kunden gerade, ein neues System einzuführen. "Da die Unternehmen wieder mehr Personal einstellen, steigt der Verwaltungsaufwand." Auch die Themen Talentmanagement und E-Recruiting bewegen derzeit die Verantwortlichen in den Personalabteilungen. "Wir stellen fest, dass die digitale Personalakte dabei eine essentielle Rolle spielt und total im Trend liegt", erklärt Lisa Widman. Die Unternehmen versuchten damit etwa herauszufinden, ob die richtigen Mitarbeiter bereits im Betrieb vorhanden seien. Überraschenderweise gebe es immer noch viele Unternehmen, die über solche Systeme nicht verfügten. Doch nun werde alles digitalisiert.

Neue Trends wie mobile und portable Anwendungen sind deshalb noch für viele Arbeitgeber Zukunftsmusik. Doch auch solche Entwicklungen stoßen laut Widman bereits heute auf ein großes Interesse bei Personalentscheidern. aconso hat die erste portable digitale Personalakte für das iPad, das iPhone oder den iPod Touch entwickelt und auf der Zukunft Personal vorgestellt: die aconso iAkte. 400 Mal hätten Interessierte die entsprechende App, mit der sich die Anwendung testen lässt, bereits heruntergeladen.

Mobile Recruiting und Social Media gewinnen langsam an Boden

Auch bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter spielen mobile Anwendungen eine immer größere Rolle. Die Jobbörse stellenanzeigen.de zeigte in Köln zum Beispiel ihre neuen Services zum Mobile Recruiting - darunter die iPhone App "Jobs", die sich für den individuellen Bedarf konfigurieren lässt, oder ein Portal zur mobilen Jobsuche, das Geräte automatisch erkennt und komfortable Suchfunktionen bietet.

Derzeit versuchen die Personaler jedoch vor allem, sich beim Thema Social Media fit zu machen: Vorträge dazu waren die Publikumsmagneten auf Europas größter Messe für Personalmanagement. Prof. Dr. Christoph Beck von der Fachhochschule Koblenz und Gero Hesse, Senior Vice President HR der Bertelsmann AG und Mitglied des Expertenteams von embrace, einer neuen Unternehmensberatung aus dem Hause Bertelsmann für Fragen rund ums Personalmarketing, haben den Status quo in DAX-, MDAX- und TecDAX-Unternehmen untersucht.

Die Ergebnisse ihrer Studie stellten sie bei einer Podiumsdiskussion der Zeitschrift Personalwirtschaft erstmals vor: Die Mehrheit der untersuchten Unternehmen stehen mit ihren Social-Media-Aktivitäten im Personalmarketing und Recruiting demnach noch am Anfang. "Wir hätten schon gedacht, dass noch mehr Unternehmen aktiv bei Social Media dabei sind", kommentierte Gero Hesse das Ergebnis. "Wenn man aber berücksichtigt, dass 2007 noch kaum ein Personaler etwas mit Facebook und Co. anfangen konnte, muss man sagen: Donnerwetter, in dem Zeitraum ist viel passiert."

Zurückhaltung der Personaler in punkto Social Media ist teilweise jedoch noch Programm. Tim Hanneforth, Leiter Talent Sourcing der Areva NP GmbH, berichtete bei einer Podiumsdiskussion der Süddeutschen Zeitung, dass sein Unternehmen bewusst auf zu viel Employer Branding mit Social Media verzichte. "Wir machen uns ausführlich Gedanken darüber, welche Ziele wir mit Social Media erreichen möchten und wann es überhaupt sinnvoll ist", so der Personaler. Denn im Internet müssten Unternehmen auch immer damit rechnen, missverstanden zu werden.

"Egal welches Medium ein Arbeitgeber nutzt, er sollte etwas zu sagen haben", pflichtete ihm Michael Groß, Leiter Personalmarketing der Audi AG, bei. "Die Betonung beim Personalmarketing liegt auf Personal: Die Medien sind dazu da, um in einen persönlichen Kontakt zu kommen." Das ließe sich in der Personalabteilung nicht mal so nebenbei erledigen. Gefragt seien entsprechende Kapazitäten und Kompetenzen.

Jobprofil der Personaler im Wandel: Vom Verwalter zum Allrounder?

Die Palette an Medien, mit denen Personaler heute versiert umgehen müssen, hat sich dementsprechend erweitert. "Die Anforderungen an die Technik und die Marketingmethoden steigen. Deshalb müssen sich Personaler ständig mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen", zeigte sich Gero Hesse von Bertelsmann überzeugt. Social Media einem Praktikanten zu überlassen, wie es in der Praxis nicht selten geschehe, sei der falsche Weg. Denn es gelte dabei oft spontan wichtige Entscheidungen zu treffen, wie das Unternehmen auf kritische Einträge von Mitarbeitern oder Kunden reagieren möchte.

Die Audi AG setzt deshalb auch auf den persönlichen Kontakt zwischen Spezialisten. Sogenannte Talentrelationship-Manager, die selbst Ingenieure sind, haben die Aufgabe, Fachkräfte wie beispielsweise Aggregate-Elektroniker auf der ganzen Welt ausfindig zu machen und eine Bindung zu ihnen herzustellen. "Sie sprechen die richtige Sprache", erklärte Groß. Das tatsächliche Recruiting komme dann meist erst nach Jahren.

"Persönlich kann heute niemand mehr alle für ein umfassendes Personalmarketing nötigen Kompetenzen in sich vereinen", folgerte Hesse. "Deshalb müssen sich Personalchefs ein gutes Team zusammenstellen."

Der War for Talents kehrt zurück

Letztlich erwies sich der demografiegetriebene Fachkräftemangel auf der Zukunft Personal als das alles bestimmende Thema einer zukunftsfähigen Personalarbeit. Ob es um Personalmarketing mit Social Media, den "Talentpool Frauen" oder neue Lernmethoden ging - der Engpass an Personal steckte als eigentliche Antriebskraft dahinter.

"Der War for Talents findet schon wieder statt", konstatierte Guido Schmitz-Krummacher, Managing Director von Talentory, einer Plattform, die rekrutierende Unternehmen und Personalberater europaweit zusammen bringt. Ein Kunde von Talentory habe beispielsweise ein halbes Jahr lang keinen iPhone-Entwickler gefunden. "Nur weil wir auf den europäischen Gesamtmarkt zugreifen können, ist es uns gelungen, einen zu vermitteln" erzählte er. Bei SAP-Consultants musste bisher aber auch sein Personalberaterportal teilweise passen. "Der Markt ist praktisch trocken."

Wie sich die Talentelandschaft verändert, demonstrierte auch die Expertin für Gender-Balance Avivah Wittenberg-Cox in einem herausragenden Keynote-Vortrag, der auf breites Besucherinteresse stieß. Sie stellte klar: Die aktuelle Kluft zwischen der Ausbildung von Frauen, die 60 Prozent der Hochschulabsolventen in Europa ausmachen, und der geringen Anzahl von weiblichen Führungskräften hat Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit nationaler Unternehmen.

Sie forderte, dass Manager bilingual werden: "Männer und Frauen sind unterschiedlich und kommunizieren unterschiedlich. Alle Manager müssen deshalb sowohl die Sprache der Männer als auch die Sprache der Frauen sprechen und verstehen." Dabei gehe es nicht darum, die Frauen zu bitten, das Problem zu lösen, sondern die Unternehmensführung müsse handeln. "Es ist für Unternehmen wichtiger, die Bedürfnisse und Ansichten der Frauen kennenzulernen als Chinesisch zu lernen oder die indische Mentalität zu verstehen."

"Erste Opfer" der demografischen Revolution: die Personaler

Auch Dr. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der F.A.Z., erreichte mit seinem Vortrag zur digitalen und demografischen Revolution ein großes Publikum, das teilweise aufgrund des immensen Andrangs sogar in den Messegängen stehen musste. Wie in seinem neuen Buch "Payback" führte er aus, dass die Veränderung des menschlichen Gehirns durch Zusammenarbeit mit Computern bereits nach zwei Wochen feststellbar sei. Multitasking, das damit einhergehe, beeinträchtige unser Kurzzeitgedächtnis und unser Konzentrationsvermögen. "Die Unterscheidung in Digital Natives und Immigrants ist unnütz: Wir verändern uns alle", so Schirrmacher.

Er appellierte an die anwesenden Personalverantwortlichen, in der volldigitalisierten Welt nicht den Menschen zum Computer zu machen, sondern das zu stärken, was Computer nicht können: Intuition und Gefühl. Wenn die eigene Intuition schwinde, sei eine geeignete Personalauswahl gefährdet. Schon jetzt finde die Personalauswahl zwar zum Großteil über Computer statt, aber die Maschine sollte laut Schirrmacher dabei als Zulieferer nicht die letzte Instanz sein.

Außerdem ging der F.A.Z.-Macher sehr eindrücklich auf den demografischen Wandel ein: "Ein Orkan braust auf unsere Insel heran." Angesichts einer Gesellschaft, in der die Babyboomer bald in Rente gehen und immer weniger junge Menschen nachkommen, sprach er von einer "revolutionären Energie". Die Politik sei sich des Problems bewusst, habe aber nicht den Mut offen darüber zu sprechen. "Zuwanderung ist dringend notwendig, aber sie wird nicht ausreichen", ist Schirrmacher überzeugt. Ein sicheres Auskommen im Alter sei zukünftig nur bei Arbeit bis 70 Jahre möglich. Da müsse die Politik handeln.

"Das Personalwesen wird das erste Opfer dieser Revolution werden", prophezeite Schirrmacher. Es werde eine völlig neue Workforce geben: längere Lebensarbeitszeiten und ältere Mitarbeiter. Einige Unternehmen wie zum Beispiel BMW Leipzig oder RWE entwickelten zwar schon Konzepte für die Arbeitsintegration von Mitarbeitern im Alter 55 und 60plus. Doch das sei nicht genug. Ein Umdenken in punkto Lernfähigkeit älterer Menschen, Frauen in Führungspositionen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie stehe an. "Angesichts der Verknappung der jungen Menschen wird es einen großen Wettbewerb um diese geben und eine große Debatte, wie wir mit unserer Jugend umgehen."

Die Zukunft Personal 2010 zeigte: Schon heute beschäftigen sich viele Personaler mit der Verknappung von Talenten. Inwiefern sich die Debatte darüber verstärkt, wird sich auf der nächsten Zukunft Personal erweisen. Sie findet vom 20. bis 22. September 2011 wieder in den Hallen 2.1, 2.2 und 3.2 der Koelnmesse statt. Weitere Informationen sind unter www.zukunft-personal.de erhältlich.

Über die Zukunft Personal

Vom 12. bis 14. Oktober 2010 öffnet die Zukunft Personal, Europas größte Fachmesse für Fragen rund um das Thema Personal in Unternehmen, bereits zum 11. Mal ihre Tore. Mehr als 11.000 Personalverantwortliche aus dem In- und Ausland informierten sich 2009 über Strategien und Lösungen für Personalmanagement. Bekannt ist die Messe insbesondere für ihr umfangreiches Vortragsprogramm zu den aktuellen Trends. Das Themenspektrum reicht von Recruiting und Retention über Leadership-, Weiterbildungs-, Arbeitsrechts- und Softwarefragen bis hin zur Zukunft der Arbeitswelt.

spring Messe Managment GmbH

spring Messe Management veranstaltet Messen für Personalmanagement, Arbeitssicherheit, kommunale Wirtschaft, IT & Unternehmenssteuerung, Online-Marketing und Motivation in sechs Ländern - Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Russland und Spanien. Der private Messeveranstalter bringt Interessenten, Experten und Anbieter zusammen. Auf diese Weise fördert das Unternehmen die Kommunikation und den Austausch der Marktteilnehmer. Die Messen von spring sind ein Seismograph für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen.


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