Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

(PresseBox) (Mannheim, ) Die Kunst, andersherum zu denken, findet in der Wirtschaft eher selten Anwendung. Umso mehr Aufsehen ziehen Unternehmer auf sich, die herkömmliche Führungsleitsätze in Frage stellen. Eine dieser Persönlichkeiten ist ohne Zweifel Prof. Götz W. Werner, Gründer, Gesellschafter und Aufsichtsratsmitglied des dm-drogerie marktes, der am 25. März auf der Fachmesse PERSONAL2009 sein Modell der "Dialogischen Führung" in einem Keynote-Vortrag veranschaulicht.

Das Vertrauen in die Selbstorganisation der Mitarbeiter ist ein zentrales Element in Werners Führungsmodell. "Dialogische Führung" meint, dass jeder gleichermaßen wichtig ist und zum Gelingen oder Scheitern eines Unternehmens beitragen kann. "Wenn es keine Mitarbeiter gibt, würde es das Unternehmen nicht geben", unterstreicht der Vordenker und führt den Gedanken weiter: "Ein Unternehmen ohne Mitarbeiter ist wie ein Laden nach Ladenschluss." Eine gute Führungskraft zeichnet sich demnach dadurch aus, dass sie andere Menschen befähigen kann, sich selbst zu führen.

Dieser Ansatz kommt beim dm-drogerie markt zum Tragen: So können etwa einzelne Filialen beziehungsweise Arbeitsgemeinschaften bei Gehaltsverhandlungen mitreden. "Wenn die Unternehmensleitung anhand der Perspektivplanung zu der Erkenntnis gelangt, dass eine Gehaltssteigerung um drei Prozent möglich ist, können sich die Arbeitsgruppen überlegen, wie sie das Geld verteilen", berichtet Werner. Eine Option wäre zum Beispiel, einer Mitarbeiterin sechs Prozent mehr Lohn zu bezahlen, weil sie sich so außergewöhnlich eingesetzt hat. In diesem Fall müsse ein anderer Kollege zurückstehen. Eine Alternative bestünde darin, das Geld in zusätzliche Mitarbeiter zu investieren. Durch solche Beschlüsse übernähmen an vielen Standorten die Beschäftigten das "Feintuning" in den Gehaltsrunden. Ausschließlich die Mitarbeiter verfügen hier über Entscheidungspotenzial, ist Prof. Werner überzeugt: "Diese Beurteilungen können nur aus sozialer Nähe entstehen." Kollegen würden genau sehen, ob eine Mitarbeiterin unfreundlich ist oder aber zuvorkommend.

Auch die wirtschaftliche Krise veranlasst Prof. Götz W. Werner nicht, verstärkt die Personalkosten zu kontrollieren. Schon der Begriff allein existiert im dm-drogerie markt nicht. "Es ist doch ein Irrsinn, von Personalkosten zu sprechen, da Kosten das Ergebnis reduzieren", betont der bekennende Anthroposoph. "Die Mitarbeiter sind diejenigen, die mit ihren schöpferischen Fähigkeiten das Unternehmensergebnis herbeiführen." So sprechen in Werners Drogeriemarkt alle vom Mitarbeitereinkommen, denn: Die Mitarbeiter bräuchten ein Einkommen, damit sie bei dm arbeiten könnten. Die meisten Menschen gingen immer noch von einer Selbstversorgungsgesellschaft aus, in der die Arbeit mit dem Einkommen entlohnt würde. Ein Trugschluss, wie Prof. Werner findet.

Dass derzeit viele Unternehmen angesichts der schleifenden Konjunktur am Personal sparen, kann er genauso wenig nachvollziehen. Je schwieriger die Verhältnisse, desto wichtiger seien qualifizierte Mitarbeiter. "Viele Unternehmer meinen, Personalarbeit sei nicht ihr Core-Business - und sparen dann zum Beispiel bei der Ausbildung", erzählt Prof. Werner. "Sie merken gar nicht, dass sie an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen." Deshalb sind bei dm keine Budgetkürzungen für Weiterbildung und Personal geplant.

Über Prof. Götz W. Werner

Götz Werner, dessen Eltern eine Drogerie in Heidelberg besaßen, absolvierte von 1961 bis 1964 eine Drogistenlehre in Konstanz. Anschließend sammelte er praktische Erfahrungen in verschiedenen Handelsunternehmen, bevor er 1968 in das elterliche Drogeriegeschäft einstieg. Doch das Familienunternehmen musste Insolvenz anmelden und so wechselte er zur Karlsruher Großdrogerie Idro der Firma Carl Roth. Dort trug er dazu bei, den Vertrieb zu reorganisieren, scheiterte jedoch an dem Vorschlag, ein Discounter-Prinzip mit kompetenter Kunden-Fachberatung einzuführen.

Deshalb gründete er 1973 seine erste eigene Drogerie in Karlsruhe: dm, eine Abkürzung für "Drogeriemarkt". Fünf Jahre später existierten bereits mehr als 100 Filialen in Deutschland. Als Nachfolger von Reinhold Würth wurde er 2003 zum Professor des Instituts für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH) ernannt. Im vergangenen Jahr zog sich Götz Werner aus der operativen Geschäftsführung zurück und wechselte in den Aufsichtsrat des dm-drogerie marktes.

Vortrag: Dialogische Führung

Am Mittwoch, 25. März, 12.55 - 13.25 Uhr,
Forum 3 der Fachmesse PERSONAL2009,
M,O,C, München

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