Vor 200 Jahren: Humboldts Idee einer Stiftungsuniversität Hochschulfinanzierung war schon immer ein schweres Thema, wie der Rückblick von Dr. Klaus Neuhoff auf die Eröffnung der Berliner Uni zeigt

(PresseBox) (Witten, ) Vor 200 Jahren wurde die heute so genannte Humboldt-Universität in Berlin eröffnet. Zum Gedenken an den großen Bildungspolitiker Wilhelm von Humboldt starten die Wittener Volkshochschule und die Uni Witten/Herdecke eine gemeinsame Vortragsreihe. Den Auftakt machte der Gründungspräsident Dr. Konrad Schily, jetzt wird die Reihe fortgesetzt mit:

Dr. Klaus Neuhoff: "Humboldts Konzept einer Stiftungsuniversität" am 9. November um 20 Uhr in der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 50.

Neuhoff erklärt darin die Lage des Preußischen Staates nach den Niederlagen gegen Napoleon und den großen Landabtretungen: "Preußen musste sich als Staat neu erfinden. Die Ideen der Aufklärung, die auf Vernunft setzten und das Bürgertum gegen den König stärkten, hatten auch Auswirkungen auf die Bildungspolitik", beschreibt Neuhoff im ersten Überblick. Dazu gehörte auch eine andere Universität, eine Universität, die im Interesse von Wissensgewinn und der Verbesserung der Lebensbedingungen eine große Freiheit des Denkens und Lehrens gewährt.

Das Konzept dafür entwickelt im Jahre 1809 Wilhelm von Humboldt, Spross einer ehemals bürgerlichen, erst zwei Generationen zuvor geadelten Familie. Mit seinem damals berühmteren Bruder Alexander, dem großen Naturforscher und Amerika-Reisenden, gehört Wilhelm zur Elite des geistigen Deutschland, befreundet u.a. mit Goethe und Schiller.

Humboldt bringt die Forschung an die Universität zurück; auch die Studenten sollen eine wichtige Rolle spielen, sind sie doch neugierig auf die Welt und fordern mit ihrem Fragen die Professoren heraus, andere Sichtweisen zu wagen. Diese neue, ungewohnte Freiheit gilt es auch ökonomisch abzusichern, sie von den Willkürlichkeiten bei der Aufstellung jährlicher Budgets freizumachen. Da denkt Humboldt an Domänengüter, zumeist ehemaliges Klostervermögen, die der neuen Universität übertragen werden sollen und die dann mit den Erträgen ihres Wirtschaftens dem Institut ein eigenes Einkommen sichern. Das war eigentlich ein eher mittelalterliches überholtes Konzept. Aber auf die für lange Zeit defizitäre Staatskasse war kein Verlass. Allerdings: Berlin hat die Domänengüter nicht bewilligt, und so hat dieses Reformmodell in Deutschland, bis auf den Fall Frankfurt im Jahr 1914, keine weiteren Nachfolger gefunden. Dass damit jedoch kein Urteil gegen Humboldts Konzept gefällt wurde, beweisen die mit einem substanziellen Stiftungsvermögen unterlegten grossen Universitäten in den USA, die als moderne Forschungsuniversitäten heute weltweit als stilbildend gelten.

Dr. Klaus Neuhoff ist Wirtschaftswissenschaftler und hat 25 Jahre bei Stifterverband für die deutsche Wissenschaft am Aufbau eines Stiftungszentrums gearbeitet. Er berät in Stiftungsangelegenheiten und ist Autor zahlreicher Artikel und Bücher über Gemeinnützigkeitsrecht, Stiftungsrecht und Stiftungspraxis.

Die weiteren Termine der Reihe:

Dienstag, 16. November, 20 Uhr, Prof. Dr. Birger P. Priddat: Wilhelm von Humboldts Frühschrift "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen"

Dienstag, 7. Dezember, 20 Uhr, Blanche Kommerell und Manuel Dolderer lesen aus Texten und Briefen Wilhelm von Humboldts

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