Irren ist menschlich

Plädoyer für eine soziale Psychiatrie Ethikwoche der Universität Witten/Herdecke will Wege zu einer würdevollen medizinisch-pflegerischen Versorgung psychisch kranker Patienten aufzeigen

(PresseBox) (Witten, ) In der Woche vom 30. März bis zum 2. April treffen sich an der Universität Witten/Herdecke mehr als 40 Studierende, Interessierte sowie Mediziner, Pflegewissenschaftler und Philosophen zur Ethikwoche. Das Anliegen des Veranstalters Prof. Dr. Martin W. Schnell vom Institut für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen: "Die Psychiatrie hat immer noch einen negativen Beigeschmack. Wir wollen dem einen positive "Soziale Psychiatrie" gegenüber stellen, die davon ausgeht, dass psychisch krank zu sein jeden treffen kann und irren menschlich ist."

Das Problem der Betroffenen ist, dass sie mit Ihren Krankheitserfahrungen im Alltag klar kommen müssen. Allerdings hilft Ihnen dabei niemand und genau das ist nach Ansicht der Wittener Ethiker Aufgabe der Heilberufe: Psychisch kranken Menschen ein Leben in Würde mit Ihren Symptomen zu ermöglichen und mit Ihnen gemeinsam den Weg zurück in den Alltag zu gestalten. Dazu ist es allerdings wichtig, das eigene Handeln von den Betroffenen her und Ihren Erlebnissen und Erfahrungen zu denken. So kam die Konzeption der Ethikwoche zustande, maßgeblich von und mit Betroffenen und Ihren Angehörigen mitgestaltet wurde:

Am ersten Tag stehen die persönlichen Krankheitserfahrungen im Mittelpunkt: Betroffene berichten, wie es sich anfühlt, depressiv, dement zu sein oder Stimmen zu hören. Professionelle Heilberufler ermöglichen die Selbsterfahrung dieser Symptome anhand von Übungen (Tag 1: 30.März)

Am zweiten Tag berichten u.a. Bewohner und das Betreuungsteam einer Forensischen Außenwohngruppe von ihrer gemeinsamen Alltagsgestaltung (Tag 2: 31. März)

Am dritten Tag werden Menschenbildern und Interventionen am Beispiel der Schizophrenie kritisch reflektiert (Tag 3: 1. April)

Und am vierten Tag stehen die Wünsche und Erfahrungen der Angehörigen in der Psychiatrischen Praxis im Mittelpunkt. Anhand zweier interessanter Phänomene wird dies entfaltet: Kinder psychisch kranker Eltern und psychisch krank sein im Beruf - was nun? (Tag 4: 2. April)

Die Ethikwoche wurde mit Betroffenen- und Fachverbänden gemeinsam organisiert, weil laut Prof. Schnell: "An der Universität Witten/Herdecke Ethik als nichtexklusiver Schutzbereich verstanden wird und niemand aus der Achtung und dem Schutz der Gesellschaft herausfallen darf - auch nicht alte, kranke, pflegebedürftige oder behinderte Menschen. Dabei gehen wir im Gegensatz zu anderen Interpretationen des Wortes Ethik in der Versorgungspraxis nicht von allgemeinen Werten aus, sondern vom realen Leben der Betroffenen. Und der sie begleitenden Menschen - Angehörige wie Heilberufler."

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