Marburger Biologen auf kriminalistischer Spurensuche

Erstmals Profilmodul Forensische Biologie im Angebot

(PresseBox) (Marburg, ) Die Ausbildung in der Biologie verspricht in Marburg noch spannender zu werden, begibt man sich doch auf kriminalistische Spurensuche: Zum Ende des kommenden Sommersemesters bietet der Fachbereich Biologie seinen Studierenden erstmals ein Profilmodul an, welches Wissen und praktische Erfahrungen in der Forensischen Biologie vermittelt. Zusammen mit Wissenschaftlern des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden lehren Marburger Biologen, wie zum Beispiel pflanzliche und tierische Spuren entscheidend zur Täterüberführung beitragen können.

"Mit der Erfolgsgeschichte der DNA-Analyse in der Kriminalistik stellt sich jetzt immer häufiger die Frage nach einer vergleichbaren Beweiswertsteigerung bei Spuren tierischen oder pflanzlichen Ursprungs", sagt Dr. Uwe Schleenbecker vom Kriminaltechnischen Institut des BKA, Abteilung Pflanzen-, Tier- und Bodenspuren. Schleenbecker, der nun zusammen mit seiner Kollegin Dr. Julia Wenzel einen Lehrauftrag zur Forensischen Biologie in Marburg übernommen hat, war bereits 2004 in dem weltweit ersten Präzedenzfall dieser Art involviert: Damals wurde ein Mörder aufgrund eines Eichenblattes überführt, nachdem die Spurensicherung hatte nachweisen können, dass das Eichenblatt im Kofferraum seines Autos von genau einem Ursprungsbaum direkt am Fundort der Leiche stammte - während der Täter immer behauptet hatte, dort niemals gewesen zu sein. Der Abgleich der ermittelten genetischen Merkmale einerseits aus dem gefundenen Eichenblatt, andererseits der Eiche am Leichenfundort trug entscheidend zur Urteilsfindung bei. Seit diesem Fall werden verstärkt neue molekulargenetische Verfahren bei der Auswertung von pflanzlichem oder auch tierischem Untersuchungsmaterial in Strafverfahren eingesetzt.

Dieser Fall war der Auslöser für die heutige Zusammenarbeit zwischen dem BKA und der Philipps-Universität. Damals vermittelte die Arbeitsgruppe der Marburger Biologie-Professorin Birgit Ziegenhagen einen entsprechenden Technologie-Transfer. In ihrer Arbeitsgruppe werden DNA-Fingerabdruckverfahren zur Untersuchung von genetischer Vielfalt und deren Bedrohung an vielen verschiedenen Baumarten eingesetzt.

Die Anwendung der DNA-Analyse in der Kriminaltechnik ist heute unverzichtbares Werkzeug bei der Spurenauswertung in Verbrechen. "Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Novellierung der forensischen DNA-Analyse im November 2005 haben die genetischen Fingerabdrücke von menschlichen und in jüngster Zeit auch von pflanzlichen und tierischen Spuren eine neue Bedeutung bei der Täterüberführung gewonnen", so Schleenbecker. Unerlässliche Voraussetzung zur juristischen Anerkennung dieser Nachweise waren und sind jedoch die wissenschaftlich gesicherten Methoden der Nachweiserbringung. War der Fall auch der Auslöser für die Zusammenarbeit, so wird es doch zukünftig weniger darum gehen, gemeinsam Fälle zu lösen", sagt Ziegenhagen. Vielmehr stünden jetzt diese DNA-Methoden einschließlich des großen taxonomischen und evolutionsbiologischen Repertoirs der Organismischen Biologie für das neue spezifische Lehrangebot zur Verfügung. Die Universität Marburg sei in der Organismischen Biologie und Biodiversitätsforschung sehr gut aufgestellt, und ad hoc hätten mehrere Fachgebiete und Arbeitsgruppen sofort Interesse an diesem Modul bekundet. So beteiligen sich nun folgende Kolleginnen und Kollegen aus Ökologie, Mykologie und Naturschutz: Dr. Martin Braendl, Prof. Nina Farwig, Prof. Gerhard Kost, Dr. Sascha Liepelt, Dr. Karl-Heinz Rexer und Prof. Birgit Ziegenhagen an der Ausbildung.

Auf der anderen Seite biete das nun entwickelte Profilmodul 'Forensische Biologie' den Studierenden eine ausgesprochen aktuelle Berufsqualifizierung. Immerhin wächst der Bedarf an Wissenschaftlern in diesem Bereich: Schon jetzt sind allein im BKA 300 Mitarbeiter in der Kriminaltechnik eingesetzt, weitere arbeiten in den Landeskriminalämtern bzw. den rechtsmedizinischen Abteilungen.

Die überdurchschnittliche Attraktivität des Profilmoduls zeigt sich bereits jetzt: Die Studierenden fragen das Angebot so stark nach, dass nur jeder siebente Bewerber eine Zusage zur Teilnahme erhalten kann. Bislang steht die Lehreinheit, die am Rande von Pflichtveranstaltungen stattfindet, offen für Bachelor- und Master-Studierende ebenso wie für Lehramtskandidaten. "Zukünftige Lehrer möchten wir auch in die Ausbildung aufnehmen, da die forensische Biologie gerade auch unter didaktischen Gesichtspunkten spannend ist und darüber sicher die Vermittlung an die Schüler und Schülerinnen besser gelingt", sagen die Biologen.

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