Tabakentwöhnung: mit wissenschaftlich fundiertem Interventionsprogramm optimale Erfolge

(PresseBox) (Lengerich, ) Raucher, die in Eigenregie vom Nikotin Abschied nehmen wollen, sind relativ selten langfristig erfolgreich. Mit einem wissenschaftlich evaluierten Interventionsprogramm gelingt das Vorhaben etwa zehnmal häufiger. Dies ergab eine Studie des Instituts für Therapieforschung (München), jetzt publiziert in "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin".

"Internationale Richtlinien zur Tabakentwöhnung zeigen, dass die Effektivität der Intervention von ihrer Art und Intensität abhängt: So sind für Selbsthilfematerialien in schriftlicher Form langfristige Abstinenzquoten von etwa 12 Prozent zu erwarten, für proaktive Telefonberatung oder Gruppenberatung etwa 13 Prozent, für Einzelberatung 14 Prozent. Eine Kombination von drei oder vier verschiedenen Formaten verbessert die Abstinenzquote auf 23 Prozent. Die höchsten Abstinenzquoten werden bei der Beratung erreicht, wenn sie eine Dauer zwischen 91 und 300 aufweist. Ist die Zeit in acht oder mehr Beratungseinheiten aufgeteilt, erzielt dies die höchste Effektivität.

Eine medikamentöse Behandlung alleine, z.B. in Form von Nikotinpräparaten, führt zu Abstinenzquoten um 22 Prozent, eine Kombination von medikamentöser Therapie und therapeutischer Beratung erreicht Abstinenzraten von 32 Prozent."

Die Autoren bemängeln: "In der Praxis ist selten eine Maßnahme anzutreffen, die sich konsequent an die theoretischen Vorgaben der internationalen Leitlinien hält." Daher stellte die Arbeitsgruppe ein Entwöhnungsprogramm ausschließlich auf der Basis wissenschaftlicher Studien und Leitlinien zusammen:

Das neu entwickelte Gruppenprogramm betrachtet die Tabakabhängigkeit aus einer multimodalen Perspektive und schließt Lerntheorien, kognitive Theorien sowie biochemische Erklärungen mit ein. Der abrupte Rauchstopp, für jeden Teilnehmer individuell und detailliert geplant, findet zeitlich meist in der Mitte des Programms - zwischen der vierten und der fünften Sitzung - statt.

Am Kursende waren in der Studie 44 Prozent der Teilnehmer abstinent, ein halbes Jahr später 40 Prozent. Wer weiterhin rauchte, hatte seine Rationen deutlich reduziert.

Parallel zum wissenschaftlich fundierten Kurs evaluierten die IFT-Wissenschaftler ein konventionelles, pragmatisches, gleich aufwändiges Programm, in dem die Teilnehmer ihre Nikotinmenge Schritt für Schritt reduzieren sollten. Die Ergebnisse waren bescheiden: Nur 26 Prozent der Teilnehmer waren am Kursende und 20 Prozent sechs Monate später abstinent.

Sabine Gradl, Christoph Kroeger, Stephanie Floeter, Daniela Piontek:
Evaluation eines modernen Tabakentwöhnungsprogramms in: Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin 2/2009, S. 169-185

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