Mit klarem Kurs durch die Krise

Oliver Wyman-Analyse "Rezessionsagenda für die Investitionsgüterindustrie"

(PresseBox) (München, ) .
- Zehn Prozent der Investitionsgüterhersteller sind durch die Krise akut gefährdet, 20 Prozent können profitieren
- Deutsche Unternehmen sind besser für die Krise gerüstet als der internationale Wettbewerb
- Eine detaillierte Rezessionsagenda senkt nicht nur Kosten, sondern stabilisiert auch den Umsatz, sichert die Finanzierung und baut Frühwarnsysteme auf

Viele Unternehmen der Investitionsgüterindustrie gehen mit vollen Kassen in die Rezession. Diejenigen, die ihre spezifische Situation genau analysieren, haben vielfältige Möglichkeiten, sich in der Krise zu behaupten und sogar von ihr zu profitieren. Denn sie bietet neben Gefahren auch zahlreiche Chancen, vor allem für finanzstarke Unternehmen. So gibt es mittelfristig nach wie vor gute bis sehr gute Wachstumschancen in Schwellenländern. Zudem sind Unternehmenskäufe erheblich günstiger geworden und Rohstoffpreise deutlich gefallen. Entscheidend für den Erfolg in der Krise ist eine auf die individuelle Situation des jeweiligen Unternehmens zugeschnittene Rezessionsagenda, die alle Chancen in puncto Wachstum, Kosten, Finanzierung sowie Transparenz und Kontrolle nutzt. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Oliver Wyman-Analyse "Rezessionsagenda für die Investitionsgüterindustrie".

Die deutsche Investitionsgüterindustrie beschäftigt rund 2,5 Millionen Menschen und hat 2007 zirka 700 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Sie war in den vergangenen Jahren einer der Wachstumsmotoren und steht für den Exporterfolg der deutschen Wirtschaft. Gerade durch die starke internationale Vernetzung kann sich die deutsche Investitionsgüterindustrie jedoch nicht von der weltweiten Rezession abkoppeln. Viele Unternehmen verzeichnen Auftragsrückgänge von 30 bis 50 Prozent. Bei Unternehmen, die eine normale Profitabilität im Rahmen einer EBITMarge von fünf Prozent erzielen, würde ein Umsatzrückgang von 15 Prozent im Jahr 2009 ohne Gegenmaßnahmen bereits Verluste bedeuten. Gleichzeitig steigen derzeit die Finanzierungskosten für die Hersteller von Investitionsgütern. Die Zinsen liegen branchenweit im Schnitt bei über zehn, bei schlechter Bonität der Unternehmen sogar über 20 Prozent. "Vor diesem Hintergrund", schätzt Lutz Jäde, Partner und Industrieexperte von Oliver Wyman, "dürften rund zehn Prozent der Unternehmen der deutschen Investitionsgüterindustrie akut gefährdet sein."

In ihrer Existenz bedroht sind vornehmlich Investitionsgüterhersteller, die im allgemeinen Aufschwung der letzten Jahre zwar gewachsen sind, dabei ihre strukturellen Hausaufgaben aber nicht erledigt haben. Die Fehler der schwächsten zehn Prozent der Unternehmen liegen in einer zu großen organisatorischen Komplexität, im Mangel an Steuerungsinstrumenten, im Aufbau von Überkapazitäten sowie im Einsatz von zu viel Working Capital. Das im guten Konjunkturzyklus übliche Gewinnwachstum hat die Verschlechterung der Marge verdeckt. Wem es in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, Cash zu generieren, dem droht jetzt eine Liquiditätskrise.

Viele Unternehmen haben noch volle Kassen

"Trotz der schwierigen Lage für einen kleinen Teil der deutschen Investitionsgüterhersteller gibt es aber keinen Grund, die Situation nur schwarzzumalen", betont Berater Jäde. Vieles spricht dafür, dass das Gros der Unternehmen relativ gut durch die Krise kommen wird. Denn nach mehreren Jahren des Wachstums haben viele noch volle Kassen. Darüber hinaus ist der aktuelle Abschwung anders als in früheren Krisen. Die Finanzkrise hat das Bewusstsein geschärft, noch bevor die Rezession in der Realwirtschaft angekommen ist.

Viele Unternehmen sind flexibler geworden und haben Steuerungsinstrumente entwickelt, um eine Reihe von Maßnahmen rechtzeitig einleiten zu können. Deshalb ist die Investitionsgüterindustrie insgesamt von der Rezession nicht so schnell betroffen wie konsumnähere Bereiche, etwa die Automobilwirtschaft. Jäde erwartet eine weniger schlimme Krise als derzeit prognostiziert: "Das Jahr 2009 wird eher ein Jahr der Konsolidierung und Restrukturierung. Bereits 2010 ist eine Trendwende möglich."

Dafür sprechen mehrere Gründe. Zu den positiven Aspekten, die der Branche helfen, zählen erheblich gesunkene Preise für Rohstoffe. Beim Ölpreis etwa verzeichnet die Industrie Rückgänge um 60 Prozent, beim Aluminium um 30 Prozent. Darüber hinaus steigen die Chancen für Akquisitionen. So sind die Bewertungen von Unternehmen in Schwellenländern um rund zwei Drittel gesunken. Ihre Bewertung entspricht in etwa dem Preis von Unternehmen in gesättigten Märkten - trotz weitaus höherer Wachstumsmöglichkeiten. Auch in den etablierten Märkten ergeben sich neue Chancen für Zukäufe. So sind Unternehmen, die aufgrund einer Finanzierungskrise zum Verkauf stehen, teilweise für die Hälfte des normalen Werts zu erwerben.

Der moderate Abschluss in der Metallindustrie von rund vier Prozent ist deutlich geringer ausgefallen als erwartet. Dies entlastet die Kostenseite ebenfalls. Überdies gibt es einzelne Branchensegmente mit langen Auftragszyklen (Anlagenbau, Spezialmaschinen), die derzeit vom Abschwung kaum betroffen sind. Dort dürften Unternehmen zudem von Infrastrukturmaßnahmen profitieren, wie sie in staatlichen Konjunkturprogrammen vorgesehen sind. Firmen mit hoher Bonität in stabilen Märkten erhalten weiterhin sehr gute Konditionen bei Krediten. Wenn finanzschwächere ausländische Unternehmen ins Schlingern geraten, können sich für die starken Player der deutschen Investitionsgüterindustrie zusätzliche Marktanteilsgewinne ergeben. Wer jetzt in der Lage ist, in die Entwicklung neuer Produkte und Standorte sowie in interessante Zukäufe zu investieren, verschafft sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil im nächsten Aufschwung.

Vier Hebel für die Rezessionsagenda

Zu den absehbaren Gewinnern der Krise zählt Berater Jäde in Deutschland rund 20 Prozent der Unternehmen der Branche. Diese Unternehmen sind Marktführer, besitzen eine starke Technologieposition und haben eine gute Eigenkapitalausstattung. "Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland über viele derart exzellent aufgestellte Firmen", bekräftigt Jäde. "Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die deutsche Investitionsgüterindustrie als Ganzes gestärkt aus der Krise hervorgehen wird." Dafür müssen jetzt allerdings die Weichen gestellt werden und die Unternehmen das Richtige tun. Zwar werden die Themen Kosten und Liquidität angegangen, doch häufig fehlt der Mut zu radikalen Veränderungen. In vielen Fällen beschränken sich Unternehmen auf isolierte, aus dem Tagesgeschäft definierte Maßnahmen, die die Kosten in der Regel nur um drei bis fünf Prozent reduzieren. In Zeiten der Krise aber sind einschneidende Maßnahmen mit Kostensenkungen von 20 bis 30 Prozent oft unerlässlich - und aufgrund des Problembewusstseins im Unternehmen auch besser durchzusetzen.

Viele Firmen kümmern sich zu wenig um die vielfältigen Chancen der Rezession. Dazu gehört vor allem, neues Wachstum zu generieren und Akquisitionen insbesondere in Märkten wie Russland und China vorzunehmen. Für den Erfolg in der Krise ist es entscheidend, dass eine Rezessionsagenda vorliegt, die auf die individuelle Situation des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten ist. Diese Agenda umfasst die Hebel Wachstum, Kosten, Finanzierung sowie Transparenz und Kontrolle und beinhaltet sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen.

Wer kurzfristig reagieren muss, sollte dies speziell auf der Kostenseite und im Finanzbereich tun - durch Programme zur Working-Capital-Optimierung und durch eine Stärkung der Kapitalstruktur. Weitere kurzfristig wirksame Maßnahmen sind die Intensivierung des Vertriebs oder der Verkauf von Unternehmensteilen. Die Stärkung von Cashflow und Eigenkapital gehören jetzt auf die Agenda aller Unternehmen. Innerhalb von sechs Monaten kann eine Fixkostensenkung greifen, die den Break-even-Point senkt. Ebenso schnell greifen Programme zur Produktkostensenkung und Effizienzsteigerung. Auch die Einführung von Prozessen und Systemen, die die Transparenz und Steuerbarkeit des Unternehmens verbessern - beispielsweise strategische Risikomanagementsysteme oder Kennzahlensteuerungen - benötigt meist nur mehrere Monate bis zur Umsetzung.

Über das akute Krisenmanagement hinausdenken

Langfristig wirksame Maßnahmen empfehlen sich für die Unternehmen, die noch nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht sind. Eine Optimierung des Fertigungsprogramms der Produktionsstandorte nach Kundenbedarf verbessert die strategische Aufstellung und die Kostenposition zugleich. Die Entwicklung neuer Angebote und Geschäftsmodelle im After- Sales-Bereich schafft konstante und margenstarke Umsätze, die von den klassischen Investitionsgüterzyklen entkoppelt sind. "Solche langfristigen Maßnahmen gehen über das akute Krisenmanagement hinaus", sagt Jäde. "Sie sind eine Investition in eine verstärkte Wettbewerbsfähigkeit für die kommenden Jahre."

Zu den Chancen der Rezession gehört auch, jetzt Strukturmaßnahmen anzugehen, die in normalen Zeiten am Widerstand einzelner Interessengruppen scheitern würden. Durch den erhöhten Leidensdruck sind Arbeitnehmer, Kunden, Gesellschafter und Investoren eher bereit, zukunftsweisende Entscheidungen mitzutragen. Weil allgemeine Vorhersagen über die Marktentwicklung derzeit sehr volatil und damit wenig verlässlich sind, muss jedes Unternehmen seinen eigenen Krisenkompass entwickeln. Dazu gilt es, eine eigene Sicht auf den relevanten Markt zu werfen und auf alternative Szenarien, insbesondere auf den "Worst Case", vorbereitet zu sein. "Auch wenn zunächst schwierige Jahre durchzustehen sind, kann ein klug manövrierendes Unternehmen am Ende als Gewinner aus der Krise hervorgehen", so Jäde.

Die Chancen der Rezession

Günstige Zukäufe durch niedrige Unternehmensbewertungen
Gerade in den Schwellenländern sind die Unternehmenspreise stark gesunken - bei nach wie vor hohen Wachstumspotenzialen insbesondere in Russland und China.

Marktbereinigung durch das Ausscheiden von Wettbewerbern
Die Rezession wird einige finanziell schwache Unternehmen in die Insolvenz treiben. Davon profitieren die verbleibenden Wettbewerber.

Einzelne Kostenfaktoren sinken
Sinkende Rohstoffpreise und moderate Lohnabschlüsse entlasten die Kostenstruktur.

Ausreichend Zeit zu handeln
In Segmenten mit längeren Projektlaufzeiten gibt es noch immer volle Auftragsbücher. Dies lässt Zeit für Gegenmaßnahmen.

Erhöhte Durchsetzbarkeit harter Maßnahmen
Das Bewusstsein für die Krisensituation erleichtert das Durchsetzen gravierender Veränderungen, die in guten Zeiten nur schwer möglich sind.

Rezessionsagenda jetzt anpacken
Wer jetzt beherzt an den Hebeln Kosten, Wachstum, Finanzierung sowie Transparenz und Kontrolle ansetzt, wird gestärkt in den nächsten Aufschwung gehen.

Oliver Wyman Consulting GmbH

Oliver Wyman ist eine internationale Managementberatung mit weltweit 2.900 Mitarbeitern in mehr als 40 Büros. Das Unternehmen verbindet ausgeprägte Branchenspezialisierung mit hoher Methodenkompetenz bei Strategieentwicklung, Prozessdesign, Risikomanagement, Organisationsberatung und Führungskräfteentwicklung. Gemeinsam mit seinen Kunden entwirft und realisiert Oliver Wyman nachhaltige Wachstumsstrategien. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihre Geschäftsmodelle, Prozesse, Risikostrukturen und Organisationen zu verbessern, ihre Abläufe zu beschleunigen und ihre Marktchancen optimal zu nutzen. Oliver Wyman ist Teil der Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC). Weitere Informationen finden Sie unter www.oliverwyman.com.

Auch in den deutschsprachigen Ländern gehört Oliver Wyman zu den führenden Strategieberatungen mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. In den Oliver Wyman-Büros in München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und Zürich arbeiten 560 Mitarbeiter für die führenden Unternehmen aus den Branchen Automobil, Einzelhandel, Fertigungsindustrie, Finanzdienstleistungen, Luft- und Raumfahrt, Maschinen- und Anlagenbau, Medien, Telekommunikation und Transport. Sie werden durch ein weltweites Expertennetz unterstützt, um für jede Aufgabe das beste Team stellen zu können.

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