Eklatanter Mangel an Fachleuten mit fundierter Artenkenntnis

(PresseBox) (Wien, ) Hochrangige Wissenschafter(innen), Politiker(innen) und Umweltschutzorganisationen unterstützen die vom MAB-Nationalkomitee an der ÖAW initiierte "Deklaration zur Förderung des Forschungsgebietes der Taxonomie in Österreich".

Aus Anlass des Internationalen Jahres der Biodiversität 2010 weist das österreichische Nationalkomitee für das UNESCO-Programm "Man and the Biosphere" (MAB) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die Öffentlichkeit und die Politik mit einer Deklaration auf den akuten Mangel an Fachleuten mit fundierter Artenkenntnis hin. Die "Deklaration zur Förderung des Forschungsgebietes der Taxonomie in Österreich" wurde bislang von über 240 Wissenschafter(innen) und Institutionen unterschrieben.

Das Wissen über die heimischen Tier- und Pflanzenarten schwindet nicht nur in der Bevölkerung, sondern in erschreckendem Ausmaß auch an Universitäten, Museen und Schulen. Top ausgebildete Fachleute der Taxonomie und Systematik sind aber unerlässlich, damit Österreich auch weiterhin seinen internationalen Verpflichtungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt nachkommen kann. Österreich unterzeichnete beispielsweise als eines von 191 Ländern das im Jahr 1992 ausgehandelte internationale Vertragswerk The Convention On The Biological Diversity (CBD).

Das österreichische MAB-Nationalkomitee fordert deshalb öffentliche finanzielle Mittel, Ausbildungsplätze und bessere beruflichen Perspektiven für junge Taxonominnen und Taxonomen!

Nur entsprechend ausgebildete Fachleute sind in der Lage einzelne Arten sowie ihre ökologische Vernetzung rasch und sicher bereits im Freiland zu erkennen. Sie müssen dokumentieren, wo Gefährdung droht. Sie sind aber auch jene, die neue Arten identifizieren können. Das Potenzial von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen für eine nachhaltige Nutzung, zum Beispiel in Bezug auf Wirkstoffe oder technisch interessante Bauprinzipien, ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Das rasante Aussterben von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen bedeutet daher nicht nur einen Kultur- und Erkenntnisverlust für uns und unsere Nachkommen. Die Abnahme der "Dienstleistungen" von natürlichen und naturnahen Ökosystemen ("ecosystem services") bewirkt auch einen enormen wirtschaftlichen Schaden und eine Verringerung von Zukunftschancen.

Die Faszination von Molekularbiologie und Genetik hat die Fachbereiche Taxonomie, Systematik, Pflanzen- und Tierökologie eine Zeit lang vergleichsweise unattraktiv erscheinen lassen. Die Zahl der Lehrstühle und Professuren wurde verringert, weniger Studierende wurden umfassend ausgebildet. Jetzt aber fehlen Expertinnen und Experten mit fundierter Artenkenntnis weltweit an Universitäten, naturkundlichen Museen, Schulen, in der Feldforschung und in der Naturschutzpraxis. So auch in Österreich.

Das österreichische MAB-Nationalkomitee fordert daher gemeinsam mit zahlreichen Wissenschaftler(innen) und Institutionen, dass der Ausbildung in Taxonomie und Systematik an den Universitäten und den naturkundlichen Museen höchste Priorität eingeräumt wird.

Unterschriftenliste (PDF) unter http://www.oeaw.ac.at/shared/news/2010/pdf/mab_deklaration_taxonomie_supporter.pdf

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.