Mercer-Analyse zeigt: Pensionsverpflichtungen erreichen weltweit neue Höchststände

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) .
- Aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus infolge gesunkener Anleiherenditen wird sich bei den DAX30-Unternehmen die Deckungslücke bei Pensionsplänen voraussichtlich um 40 Milliarden Euro auf 115 Milliarden Euro erhöhen
- Die US-Unternehmen im S&P1500-Index verzeichnen mit 506 Milliarden US-Dollar ein neues Rekordhoch bei der kumulierten Unterdeckung von Pensionsplänen

In den meisten Industrienationen ist infolge rückläufiger Renditen von Unternehmensanleihen ein erheblicher Anstieg der Pensionsverpflichtungen zu verzeichnen. Zusammen mit der im Verlauf des Jahres 2010 zu beobachtenden Entwicklung an den Kapitalmärkten dürfte dies zum jeweiligen Bilanzstichtag der Unternehmen zu deutlich höheren Unterdeckungen führen. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung des Beratungsunternehmens Mercer zur Entwicklung der in der Bilanz auszuweisenden Verbindlichkeiten von Leistungszusagen (sog. Defined Benefit- oder DB-Pläne).

Die Wertentwicklung von Wertpapieren, insbesondere Aktien, war in den meisten Ländern mit entwickelten Finanzmärkten zwar im gesamten Jahr 2010 volatil, erbrachte aber trotzdem weitgehend positive Renditen. Die Mercer-Analyse zeigt jedoch, dass Unternehmen, die umfangreiche DB-Pensionspläne unterhalten und unter den gegenwärtigen Marktbedingungen ihre Bilanzen erstellen, deutlich größere Deckungslücken bei ihren Pensionsplänen ausweisen müssen als vor zwölf Monaten.

Die Ursache ist der Rückgang der Renditen von Unternehmensanleihen, die den in der Bilanz ausgewiesenen Wert von Pensionsplanverpflichtungen beeinflussen. Die Renditen von Unternehmensanleihen stellen die Basis für die Ableitung des Rechnungszinses dar, der zur Diskontierung zukünftiger Zahlungsströme aus Pensionsverpflichtungen zu verwenden ist. In einigen Märkten sind Anleiherenditen um mehr als ein Viertel gefallen. In den USA beispielsweise sind die Renditen von Unternehmensanleihen mit einem AA-Rating seit Ende Juni 2008 von 6,97 % bis Ende August 2010 auf knapp 5 % gesunken. Die von Mercer durchgeführte aktuelle Analyse der S&P1500-Unternehmen hat ergeben, dass US-amerikanische Unternehmen aktuell die höchste kumulierte Deckungslücke aller Zeiten bei ihren Pensionsplänen zu verzeichnen haben.

In Deutschland historischer Höchststand der Pensionsverpflichtungen zu erwarten

In Deutschland und der Eurozone sind die Renditen der beispielsweise im iboxx AA corporate 10+ Index erfassten Unternehmensanleihen mit guter Bonität von 5,09 % zum 31.12.2009 auf 3,95 % zum 30.09.2010 zurückgegangen. Als Folge dieser Entwicklung ist auch für Unternehmen, die Leistungszusagen im Euro-Raum gewähren, ein deutlicher Anstieg der Deckungslücke zu erwarten: Bei den DAX30-Unternehmen beispielsweise könnte sich die Deckungslücke unter Berücksichtigung der Entwicklungen im US- und UK-Markt um 40 Milliarden Euro auf 115 Milliarden Euro erhöhen.

"Sofern sich die Marktbedingungen nicht verbessern, ist zu erwarten, dass die zum Jahresende bilanzierten Verbindlichkeiten einen historischen Höchststand erreichen werden", erklärt Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer in Deutschland. Die Verbindlichkeiten der DAX30-Unternehmen, die gegenwärtig 220 Milliarden Euro betragen, könnten sich um ca. 50 Milliarden Euro erhöhen, während sich der Wert des Planvermögens nur um gut 10 Milliarden Euro erhöhen wird. "Dieser Effekt führt zu versicherungsmathematischen Verlusten, die je nach gewähltem Verfahren unterschiedliche Auswirkungen auf die Bilanz und die Gewinn-und-Verlust-Rechnung haben werden", so Thomas Hagemann weiter.

Das derzeitige niedrige Renditeniveau für deutsche Bundesanleihen und US Treasuries lässt sich zunächst durch die historisch niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US Fed als Folge der Finanzmarktkrise erklären. Die Krise hat zu einer Umschichtung von Mitteln aus risikobehafteten Anlagen in den "sicheren Hafen" der deutschen und ameri-kanischen Staatsanleihen geführt. An den Kapitalmärkten herrscht nach wie vor Unsicherheit über die weitere Entwicklung der globalen Konjunktur. Infolgedessen ist ein zurückhaltendes Investitionsverhalten im Hinblick auf Aktien zu beobachten. Im Zuge der Verschuldungskrise in Griechenland hat zudem die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen zugenommen, wodurch die Rendite weiter gefallen ist. Gegenwärtig gibt es aufgrund des konjunkturellen Umfelds und moderater Inflationsraten keine Anzeichen dafür, dass die EZB und die US Fed die Zentralbanksätze anheben möchten.

"Ein Rückgang des Rechnungszinses um 50 Basispunkte führt zu einem Anstieg der Verbindlichkeiten eines Pensionsplanes um bis zu 10 %", erläutert Stefan Oecking, Partner bei Mercer Deutschland. "Aus diesem Grund ist der Umfang der Pensionsplanverbindlichkeiten deutlich schneller gestiegen als die Vermögenswerte, die in zahlreichen Märkten gehalten werden. Das Endergebnis sind wesentlich höhere Deckungslücken in den Bilanzen der Unternehmen."

DAX-Unternehmen: Aktienrendite der Planvermögen kann Anstieg der Verpflichtungen nicht kompensieren

Während sich sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen im bisherigen Jahresverlauf 2010 günstig entwickelt haben, ist die Rendite von Aktien uneinheitlich. Für die DAX30-Unternehmen mit einer durchschnittlichen Aktienquote von etwa 24 % und einer durchschnittlichen Rentenquote von etwa 62 % ergibt sich für 2010 bis einschließlich September eine Rendite der Planvermögen von etwa 5 %.

Isoliert betrachtet kann die Rendite der Planvermögen der DAX30-Unternehmen in 2010 daher als zufriedenstellend bezeichnet werden, allerdings kann der deutliche Anstieg der Verpflichtungen bei weitem nicht kompensiert werden. Falls sich die von den Kapitalmärkten vorgegebenen Rahmenbedingungen bis Jahresende nicht ändern, muss damit gerechnet werden, dass der Deckungsgrad (Quotient aus Pensionsvermögen und Pensionsverpflichtungen) bei den DAX30-Unternehmen von etwa 66 % zum 31.12.2009 auf ca. 58 % zum 31.12.2010 absinkt.

Vermeidung von Pensionsdefiziten: Unternehmen müssen auf aktive Risikosteuerung setzen

"Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, dass Unternehmen die finanziellen und bilanziellen Risiken ihrer Pensionspläne aktiv steuern müssen. Dabei wird es gerade für multinational tätige Unternehmen immer wichtiger, Risikosteuerungsstrategien einzuführen, die den lokalen Unterschieden bei Pensionsplänen von Tochtergesellschaften und deren spezifischen Auswirkungen auf die Bilanz Rechnung tragen", so Mercer-Experte Oecking. Er ergänzt: "Kurzfristig wird sich zwar gegen die höheren Unterdeckungen wenig unternehmen lassen, jedoch setzen immer mehr Unternehmen in Verbindung mit veränderten Zusagegestaltungen Anlagestrategien um, die zu einer höheren Korrelation zwischen dem Verhalten von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten führen, um das Ausfinanzierungsrisiko stärker abzusichern. Dabei können Pensionspläne insofern angepasst werden, dass sinkende Zinsen zu einer Verringerung der späteren Zahlungen führen und somit auch einem Anstieg der Verpflichtungen entgegenwirken. Dieser Trend dürfte sich angesichts des derzeitigen Marktumfelds noch verstärken. Unternehmen mit reifen Pensionsplänen werden bemüht sein, spezielle Strategien umzusetzen, um das mit den Pensionsplänen verbundene finanzielle Risiko im Zeitverlauf dynamisch zu reduzieren, wenn sich der Grad der Ausfinanzierung des Pensionsplans verbessert."

Mercer Deutschland GmbH

In Deutschland ist Mercer mit über 600 Mitarbeitern unter anderem an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, Mülheim, München und Stuttgart vertreten. Die Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit liegen in der Beratung von Unternehmen rund um betriebliche Altersversorgung, Vergütung, Human Capital Strategie, M&A und Investments sowie im Benefits Outsourcing.

Über Mercer (www.mercer.com)

Mercer zählt mit über 18.000 Mitarbeitern in mehr als 40 Ländern zu den führenden globalen Anbietern von Dienstleistungen in den Bereichen Consulting, Outsourcing und Investments. Die Berater von Mercer unterstützen Unternehmen bei der Gestaltung und dem Management von betrieblichen Nebenleistungen, insbesondere im Bereich betriebliche Altersversorgung und Gesundheitsleistungen sowie bei der Optimierung des Human Capital Managements. Das Unternehmen ist überdies einer der führenden Anbieter von Verwaltungs- und Outsourcing-Lösungen für betriebliche Nebenleistungen. Die Mercer-Dienstleistungen im Bereich Investments beinhalten das Investment Consulting sowie Multi-Manager Investment-Produkte. Das Unternehmen ist Teil der Marsh & Mc-Lennan Companies, Inc. (www.mmc.com). Die Aktie der Muttergesellschaft ist mit dem Ticker-Symbol MMC an den Börsen New York, Chicago, Pacific und London notiert.

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