Jens Olof Lasthein erhält für seine Fotostrecke "Waiting for the future - pictures from Abkhazia" den Leica Oskar Barnack Preis 2010

(PresseBox) (Solms, ) Der erste Preis des renommierten Fotowettbewerbs "Leica Oskar Barnack Preis 2010" geht in diesem Jahr an den schwedischen Fotografen Jens Olof Lasthein. Seine prämierte Fotostrecke trägt den Titel "Waiting for the future - pictures from Abkhazia" und erzählt von den Menschen in der Republik Abchasiens im Süden des Kaukasus. Der zweite Gewinner des Wettbewerbs heißt Andy Spyra und kommt aus Deutschland. Seine Fotostrecke "Kashmir", die in der gleichnamigen Region entstand, wird mit dem "Leica Oskar Barnack Nachwuchspreis 2010" ausgezeichnet. Der "Leica Oskar Barnack Preis" ist mit 5.000 Euro oder Leica Produkten im gleichen Wert dotiert. Der Preisträger des Nachwuchspreises erhält 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 6. Juli 2010 im Rahmen des Fotofestivals in Arles statt.

Die Republik Abchasien - zentrales Thema der Gewinnerserie - ist nach Zeiten von Unruhen und Bürgerkriegen heute zwar unabhängig, gehört jedoch völkerrechtlich zu Georgien. Eine politisch schwierige Situation, die sich auch in den alltäglichen Lebensbedingungen widerspiegelt. Denn die Zukunft der Menschen dort ist ebenso ungewiss, wie die ihrer Heimat. Diese Unsicherheit hat Lasthein in seinen Fotografien festgehalten.

Die Jahre des "kalten Krieges" haben in Abchasien Spuren hinterlassen; die Zukunft wurde einfach "eingefroren". Und in diesem Zustand befindet sie sich noch heute, denn die politische Situation verhindert nicht nur den Wiederaufbau des Landes, sondern schottet die Bevölkerung vor der sie umgebenden Welt ab. Und so warten die Menschen, gefangen zwischen Hoffnungslosigkeit und freudiger Erwartung, auf eine bessere Zukunft. Die Fotostrecke zeigt eine trostlose Realität: Die Strände der Hauptstadt Sochumi, ehemals überfüllt von Touristen aus der ganzen Sowjetunion, sind heute nahezu leer. Ochamchira, eine kleine Küstenstadt, sieht mit ihren Häuserruinen und überwucherten Gärten verlassen aus.

Und die einst geschäftige Industriestadt Tkuarchal weist nur noch zerstörte Fabriken und eine große Arbeitslosigkeit auf. Das Leben in Abchasien steht still. Ziele, Wünsche oder Pläne scheitern einfach aus Mangel an Möglichkeiten. "Statt bestimmte Fakten mit meinen Bildern auszudrücken, ist es mir viel wichtiger, einen visuellen Einblick in das Leben mit all seinen Schattierungen zu geben. So komplex und vielschichtig wie möglich, damit meine Fotos ihre eigenen, weitläufigen und abwechslungsreichen Geschichten erzählen", so der Fotograf über seine Arbeit.

Jens Olof Lasthein, Jahrgang 1964, wurde in Schweden geboren und ist in Dänemark aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung an der Nordic Photo School in Stockholm arbeitete er zunächst als Freelancer für verschiedene Magazine, hauptsächlich in der Reportage- und Portraitfotografie. Zu seinen bekanntesten Fotoprojekten gehören "Moments in Between" mit Aufnahmen rund um den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und "White Sea, Black Sea", eine Dokumentation über Grenzstaaten zwischen Ost- und Westeuropa. Jens Olof Lasthein war mit seinen Arbeiten bereits in rund 40 Solo-Ausstellungen in Galerien, Museen und Fotofestivals in Europa und Asien vertreten.

Andy Spyra aus Hagen, Deutschland, ist der Gewinner des "Leica Oskar Barnack Nachwuchspreises 2010". Das Fotoprojekt "Kashmir" gehört zu seinen wichtigsten Langzeitprojekten. Die Region, die er erstmals 2007 bereiste, zählt für ihn zu den schönsten Plätzen der Erde. Umso mehr bedauert er die missliche Lage der dort lebenden Menschen.

Die Grenzregion Kashmir gilt als militarisierteste Zone der Welt und leidet seit Jahren unter den Konflikten zwischen Indien und Pakistan, die beide Gebietsanspruch erheben. Eingeengt zwischen den beiden Atommächten und Erzfeinden sind es natürlich die Menschen, die unter dem Konflikt am meisten leiden: Frauen werden vergewaltigt und ermordet, Männer verschwinden spurlos oder werden auf einer der unzähligen Demonstrationen gegen die militärische Präsenz in der Region verhaftet. Mehr als 60.000 Opfer hat der Kashmir-Konflikt bereits gefordert und die ganze Region ist traumatisiert. Darüber hinaus sind es vor allem auch die Konflikte innerhalb der Bevölkerung, die zusätzlich für Unruhen sorgen. Viele junge Männer, die eigentlich zum Schutz der Bevölkerung nach Kashmir kommen, stammen ursprünglich aus armen und ländlichen Gebieten. In Kashmir sind sie Fremde: sie sprechen die Sprache nicht und gehören zu einer anderen Kultur und Religion. Einige politische und religiöse Gruppen nutzen dies für ihre eigenen Zwecke aus. Sie schüren den Hass und das Misstrauen innerhalb der Bevölkerung und bilden damit eine Front gegen eben diese Menschen, die eigentlich für ihren Schutz sorgen sollen. Mit seinen beeindruckenden Schwarzweiß-Fotografien macht Spyra auf das Schicksal der betroffenen Bevölkerung aufmerksam. Die Intention ist deutlich: Wer die Aufnahmen betrachtet, soll die Situation in Kashmir nicht nur sehen; er soll sie auch empfinden und mit den Menschen fühlen.

Andy Spyra wurde 1984 in Hagen geboren. Nach dem Abitur war er zunächst ein Jahr als freier Fotograf für eine Lokalzeitung in seiner Heimatstadt tätig, bevor er 2007 sein Fotografiestudium an der Fachhochschule Hannover begann. Für seine Fotoprojekte wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und erzielte Veröffentlichungen in Magazinen wie Geo, Middle East Report und dem 360° Magazin.

Mit über 1700 Einsendungen verbuchte der diesjährige "Leica Oskar Barnack Preis" einen neuen Teilnahmerekord. Profifotografen aus 79 Ländern hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Zu den Jurymitgliedern gehörten der Leica Fotograf und Gewinner des World Press Award 2009, Anthony Suau, Volker Lensch (Photo Editor beim Magazin STERN), Eva Gravayat(Exhibition Producer des Fotofestivals Les Rencontres d'Arles), Karin Rehn-Kaufmann(künstlerische Leiterin der Leica Galerie Salzburg), und Dr. Andreas Kaufmann (Mitglied des Aufsichtsrats der Leica Camera AG).

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