KV Nordrhein schützt Praxen vor der Pleite

(PresseBox) (Düsseldorf, ) Der Sinkflug der Regelleistungsvolumen setzt sich im Rhein-land im zweiten Quartal 2009 fort. Um Pleiten von Praxen zu verhindern, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein im Einvernehmen mit den Krankenkassen beschlossen, die Verluste zu begrenzen.

Keine Praxis soll demnach im zweiten Quartal 2009 mehr als 7,5 Prozent Umsatz im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres verlieren. Um die Stützung zu finanzieren, werden die Umsatzgewinne begrenzt: bei Hausärzten auf 60 Prozent und bei Fachärzten auf 50 Prozent der Gewinne gemessen am Vorjahresquartal. "Die unterschiedlichen Quoten hängen damit zusammen, dass es bei den Hausärzten nach unseren Berechnungen mehr Gewinner gibt als bei den Fachärzten", erläutert Dr. Leonhard Hansen, Vorsitzender der KV Nordrhein.

Glücklich ist Hansen über den Eingriff nicht. "Wir lindern nur Folgen des Honorardesasters." Es bleibe dabei, dass für die Grundversorgung der gesetzlich Versicherten in Nordrhein nicht genug Geld zur Verfügung stehe. "Orthopäden sollen ihre Patienten für 25,50 Euro drei Monate lang versorgen. Dafür gibt es bei vielen Friseuren noch nicht einmal Waschen und Schneiden", kritisiert Hansen. Von diesem Honorar müssten Ärzte auch noch Personal, Miete und Apparate zahlen: "Und ein Röntgengerät kostet mehr als ein Haartrockner."

Empört weist der Chef der KV Nordrhein die Behauptung zurück, die Ärzte hätten 2008 schon "einen großen Schluck aus der Honorarpulle" genommen. In der Grundversorgung läge die Steigerung bei 0,64 Prozent. Lediglich in einigen Bereichen wie der psychotherapeutischen Versorgung, Dialyse oder Strahlentherapie hat es aufgrund gesetzlicher oder sozialgerichtlicher Vorgaben Erhöhungen gegeben. "Die bittere Wahrheit ist, dass in der Regelversorgung seit Jahren noch nicht einmal ein Inflationsausgleich stattfindet."

Die Vertreterversammlung der KV Nordrhein bezeichnet die Vergütungsreform deswegen als "Mogelpackung", die die Existenz vieler Praxen bedrohte. Tatsächlich verlieren gut 60 Prozent der Fachärzte in Nordrhein Honorar. Für Beträge zwischen fünf und zehn Euro monatlich sei "eine qualitativ hochwertige, flächendeckende medizinische Versorgung nicht machbar".

Um Praxisinsolvenzen zu verhindern, hat der Vorstand der KV Nordrhein einer Begrenzung der Verluste zulasten der Praxen zugestimmt, die beim Umsatz zulegen. "Das kann auf Dauer keine Lösung sein", betont Hansen. "Nach der Festlegung eines bundesweit einheitlichen Punktwertes ist auch ein Ausgleich der Leistungsmengen nötig - und zwar so schnell wie möglich. Denn nur dann gibt es für gleiche Leistungen auch gleiches Honorar."

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.