Geheimdienste begleiten Geschäftsreisende

(PresseBox) (Siegen, ) Abhöranlagen im Hotel? Was wie ein Relikt aus den Zeiten des kalten Krieges anmutet, gehört auch heute noch zu den Wegbegleitern auf Geschäftsreisen. Wenn Unternehmer glauben, ungestört reden zu können, sind sie häufig nicht allein. Wirtschaftsspione sind nicht weit. Noch immer lassen Länder fremde Betriebsgeheimnisse auskundschaften. "Schützen sie deshalb systematisch den Kern Ihrer Betriebsgeheimnisse", riet Reinhard Vesper vom Landesverfassungsschutz anlässlich der Herbstsitzung des Außenwirtschaftsausschusses der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) in den Geschäftsräumen der Fa. Heinrich Wagner Sinto Maschinenfabrik GmbH in Bad Laasphe.

Nachrichtendienste betreiben Hotels für Geschäftsreisende. Ein achtlos im Hotelzimmer zurückgelassener Laptop wird ausgelesen. Mobiltelefone werden manipuliert und übertragen vom Benutzer unbemerkt vertrauliche Gespräche. E-Mails werden ausgewertet. Mancher Unternehmer hat auf diese Weise sein Know-how der Konkurrenz überlassen. Dahinter stecken Geheimdienste wie der russische FSB (Nachfolger des KGB) oder Aktivitäten der zahlreichen chinesischen Geheimdienste, zu deren Wirtschaftsförderung auch die Beschaffung des für die Wirtschaft wichtigen Know-hows ausländischer Betriebe zählt, so der Referent. Vesper gab den Unternehmen den Ratschlag, bei vertraulichen Gesprächen im Ausland einen sicheren Ort aufzusuchen und darauf zu bestehen, dass Mobiltelefone entweder nicht im Raume sind oder in einem abhörsicheren Behältnis untergebracht werden. Vorsicht ist auch geboten, wenn Unternehmer oder Vertreter der Betriebe allzu viele persönliche oder betriebliche Daten in soziale Netzwerke wie Facebook einstellen. Sie müssen sich darauf einstellen, dass solche Daten systematisch vor dem Auslandsbesuch ausgewertet werden. Bereits von der Grenze an erfahren dann Geschäftsreisende, die für fremde Geheimdienste interessant sind, eine darauf abgestellte Betreuung bis hin zu gezielt angesetzten persönlichen Begleitern bzw. Begleiterinnen, so Vesper. Die chinesischen Geheimdienstorganisationen haben etwa 800.000 Mitarbeiter. Aber auch der FSB unterhält einen personell außerordentlich starken Nachrichtendienst mit circa 350.000 Mitarbeitern, erklärte der Referent.

Gefahren lauern aber nicht nur auf Auslandsreisen. Mit der globalen Vernetzung über E-Mail und Internet sind neue Möglichkeiten der Wirtschaftsspionage entstanden, die intensiv genutzt werden. "Es ist längst ein Milliardenmarkt mit Betriebsdaten entstanden", berichtete Vesper. Unverschlüsselte lokale Netze (WLAN) und die ungesicherte Übertragung von Informationen über E-Mail und Telefax laden zur Betriebsspionage ein. Die Unternehmen müssen damit rechnen, dass alle Datenströme systematisch ausgewertet werden. "Die Sicherheitstools herkömmlicher Bürosoftware bieten für sensible Informationen keine ausreichende Sicherheit", so der Referent. Die Unternehmen sollten weitere Vorkehrungen treffen, um "wenigstens die 5 Prozent des betrieblichen Know-hows zu schützen, das überhaupt noch geschützt werden kann." Besondere Gefahren bergen moderne Datenspeicher in Computern und anderen Geräten des Büroalltags. Vorsicht ist auch beim Kopieren von Geschäftsunterlagen geboten: Geheime Dokumente gelangen auf die Datenspeicher gewöhnlicher Kopiergeräte - und von dort spätestens dann nach draußen, wenn das Gerät - etwa bei Wartungsarbeiten - Dritten überlassen wird. Doch nicht nur über die neuen Medien gelangen Informationen nach außen. Als ergiebige Quelle für Betriebsgeheimnisse erweist sich immer noch der Inhalt von Papierkörben. Auch über Fremdpersonal, etwa den Reinigungsdienst, können sich unerwünschte Personen den Zutritt in Räume mit vertraulichen Daten verschaffen.

Der Vertreter des Verfassungsschutzes empfahl den Unternehmen, Sicherheitslücken systematisch zu schließen. Der größte Risikofaktor bleibt der Mensch, so der Fachmann. "Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Betrieb könnte Opfer von Wirtschaftsspionage geworden sein, nehmen Sie sofort mit uns oder der Polizei/Staatsanwaltschaft Kontakt auf", riet Vesper, "versuchen Sie auf keinen Fall, einen Computerangriff nur mit eigenen Mitteln aufzuspüren, Sie könnten hierdurch wichtige Spuren vernichten. Überlassen Sie diese Arbeit den Spezialisten."

Das Innenministerium des Landes möchte die Sicherheitsvorsorge der Unternehmen stärken. Fachleute der Verfassungsschutzabteilung stehen deshalb den Betrieben auch vor Ort für die Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit zur Verfügung. Ansprechpartner benennt die IHK.

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