Wirtschaft rechnet mit Stagnation auf hohem Niveau

(PresseBox) (Offenbach am Main, ) Das Konjunkturklima in Stadt und Kreis Offenbach hat sich weiter abgekühlt. Dies ergab die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Of-fenbach am Main zum Jahresbeginn 2012.

Dr. Bernhard Mohr, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, erklärt: „Der von der IHK berechnete Klimaindex fiel gegenüber dem Herbst 2011 um knapp 18 Punkte, blieb aber mit gut 114 immer noch deutlich über der magischen Grenze von 100 Punkten.“ Hervorgerufen werde die Abkühlung wiederum überwiegend durch die Erwartungen der Wirtschaft für die Zukunft. Während die aktuelle wirtschaftliche Lage noch recht gut beurteilt werde, rechneten die Unternehmen in der näheren Zukunft mit Stagnation.

„Nach dem hervorragenden Herbst-Ergebnis hat sich mittlerweile auch die Beurtei-lung der aktuellen wirtschaftlichen Lage etwas verschlechtert. Vor allem ist die Anzahl der Firmen zurückgegangen, die der Konjunktur im Herbst Bestnoten gab. Die Verschiebung ging aber überwiegend von „gut“ zu „befriedigend“. Die Anzahl der schlechten Noten liegt immer noch unter zehn Prozent“, so der Volkswirt weiter.

Auch bei der Einschätzung der näheren Zukunft sei eine Verschiebung von „besser“ zu „gleichbleibend“ zu beobachten. Mohr: „Nimmt man beide Antwortmöglichkeiten zusammen erwarten mehr als 80 Prozent gleichbleibende oder sogar bessere Ge-schäfte. Unter Berücksichtigung des hervorragenden Ergebnisses vom letzten Herbst ergibt sich daraus immer noch eine gute Prognose, auch wenn kein spürbares Wachstum, sondern eher Stagnation wahrscheinlich ist.“

Investitionsneigung stagniert

Die Investitionsausgaben in der Wirtschaft werden laut Umfrage in nächster Zeit weitgehend gleich bleiben. Nach teils stark steigenden Investitionen seit Mitte 2010 verharre die Investitionsneigung aktuell auf dem gleichen, wenn auch recht hohen Niveau. Zwar wolle jedes fünfte Unternehmen seine Ausgaben steigern, dem stehe aber eine nur geringfügig kleinere Anzahl gegenüber, die weniger investieren wollen. „Über 60 Prozent werden keine Änderung vornehmen. Dies zieht sich mit wenigen Ausnahmen durch alle Branchen. Nur das Verkehrsgewerbe will die Investitionen deutlich zurückfahren. Dagegen wollen Teile der Industrie mit Ausnahmen der Inves-titionsgüterhersteller ihre Ausgaben spürbar steigern“, erläutert Mohr.

Exporte ziehen wieder an

Nach einer Stagnation im letzten Herbst ziehen die Exporte wieder an. Dies gilt vor allem für die beiden Industriezweige Vorleistungsgüter und Konsumgüter. „Damit hebt sich die Region Offenbach von den jüngsten Aussagen einiger Wirtschaftsexperten ab, die rückläufige Exporte aufgrund der Euro-Krise prognostizierten. Die Investitionsgüterindustrie verzeichnet allerdings leichte Rückgänge“, differenziert der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer.

Mitarbeiter weiter gesucht

Weiter steigen werde per Saldo die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Wirtschaft der Region. Allerdings werde sich die Wachstumsrate deutlich reduzieren. „15 Pro-zent der Firmen suchen Arbeitskräfte. Dem stehen aber gut zehn Prozent gegenüber, die ihre Beschäftigung abbauen wollen. In der Industrie ist per Saldo mit Rückgang zu rechnen, während Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistung teils deutlich zusätzlichen Bedarf an Mitarbeitern haben“, so Mohr. In die Auswertung ist ein möglicher Stellenabbau bei Manroland nicht eingegangen.
Industrie: Einbruch setzt sich fort
In der Industrie werde die aktuelle Lage noch recht gut beurteilt. Zwar sei die Anzahl der Bestnoten für die Konjunktur um rund 15 Punkte gesunken. Ein Drittel der Firmen vergebe diese Note trotzdem noch. Insgesamt hielten fast 90 Prozent ihre derzeitige Geschäftslage zumindest für befriedigend. Dies gelte besonders für die Vor-leistungsgüter- und Investitionsgüterproduzenten. Bei den Herstellern von Konsum-gütern sei die Zufriedenheit etwas geringer.

Ganz anders sieht es bei der Beurteilung der künftigen Konjunktur aus. „Der Einbruch im Herbst letzten Jahres setzt sich fort, wenn auch mit weniger Dynamik. In der Vorleistungsgüterindustrie rechnet mittlerweile fast ein Drittel der Firmen mit einem konjunkturellen Rückgang. Bei den Produzenten von Investitionsgütern sind es fast 29 Prozent. Nur die Konsumgüterhersteller erwarten kaum Änderung“, schildert Mohr die aktuelle Lage.
Auch in der Bauwirtschaft sei der Optimismus des letzten Jahres gesunken. Ein Drit-tel der Firmen rechne in der Zukunft mit schlechteren Geschäften. Die aktuelle Lage werde dagegen noch recht gut beurteilt.

Einzelhandel rechnet nicht mehr mit Wachstum

Im Einzelhandel habe sich die im Herbst prognostizierte Entwicklung bestätigt. Da-mals hatten sich die Erwartungen deutlich verschlechtert. Mohr: „Zwar gibt es nach wie vor keine Stimme, die die aktuelle Lage als schlecht bezeichnet, die Anzahl der Bestnoten für die Konjunktur ist aber um 50 Punkte gesunken. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass dieser Anteil letzten Herbst bei über 90 Prozent lag. Für die Zukunft rechnet der Einzelhandel nicht mehr mit weiteren Verbesserungen der Geschäfte, sondern mit einer gleichbleibenden Konjunktur.“

Großhandel bleibt auf Wachstumskurs

Weiter auf Wachstumskurs, aber mit abgeschwächter Rate – so präsentiere sich der Großhandel in der Region Offenbach.
Was sich im Herbst bei den Erwartungen andeutete, sei jetzt bei der Beurteilung der aktuellen Lage Realität. Wie im Einzelhandel habe sich die Anzahl der Unternehmen, die der Geschäftslage Bestnoten gibt, deutlich reduziert. Trotzdem seien noch fast 90 Prozent der Firmen mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zumindest zufrieden. Für die Zukunft rechne der Großhandel weiter mit Wachstum, etwa mit der gleichen Dynamik wie im vergangenen Herbst.

Dienstleistungen weiter Spitzenreiter

Das Dienstleistungsgewerbe sei weiterhin konjunktureller Spitzenreiter in der Region. „Allerdings musste auch dieser Wirtschaftszweig gegenüber der letzten Umfrage Federn lassen. Der Index für das Konjunkturklima sank um 20, erreichte aber mit 120 Punkten immer noch einen guten Wert,“ schränkt Mohr ein. Mit der aktuellen Lage seien fast 95 Prozent der Unternehmen zumindest zufrieden und jeder zweite Befragte vergebe sogar Bestnoten. Die Zukunft werde jedoch auch hier nicht mehr so rosig gesehen. Per Saldo sei im Dienstleistungsgewerbe für die nähere Zukunft nicht mit weiterem Wachstum zu rechnen.

Fazit und Ausblick

Mohr fasst zusammen: „Nach einem fast lupenreinen Jahr 2011 trübt sich die Stim-mung in der Wirtschaft ein. Zwar kommen die Firmen von einem fast historischen Hoch und stehen weiterhin überwiegend stabil. Auf der anderen Seite werden die Sorgenfalten häufiger und dies gilt vor allem für einen befürchteten Einbruch der Binnennachfrage. Fast zwei Drittel der Firmen nennen dies als größtes Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Der von vielen Experten prognostizierte Einbruch bei den Exporten, vor allen durch die Euro-Krise, wird von der heimischen Wirtschaft nicht so bedrohlich empfunden.“

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

News abonnieren

Mit dem Aboservice der PresseBox, erhalten Sie tagesaktuell und zu einer gewünschten Zeit, relevante Presseinformationen aus Themengebieten, die für Sie interessant sind. Für die Zusendung der gewünschten Pressemeldungen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse ein.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Vielen Dank! Sie erhalten in Kürze eine Bestätigungsemail.


Ich möchte die kostenlose Pressemail abonnieren und habe die Bedingungen hierzu gelesen und akzeptiert.